Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Informatik gewusst hätte

Warum ist Teamwork so wichtig im Informatik-Studium? Muss man unbedingt einen Master machen? Und wie klappt der Übergang vom Studium in den Job? Informatiker Julian Pfeifer erklärt sein Fach.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Von abstrakten Themen bis zur praktischen Anwendung: Im Informatik-Studium ist Teamarbeit wichtig (Symbolbild)

Von abstrakten Themen bis zur praktischen Anwendung: Im Informatik-Studium ist Teamarbeit wichtig (Symbolbild)

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Maskot / Getty Images

Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

In einer immer stärker vernetzten und digitalisierten Welt gewinnt die Arbeit von Informatikerinnen und Informatikern an Bedeutung. Sie entwickeln Software, betreiben und evaluieren sie. Doch sie arbeiten nicht nur als Programmierer. Informatikerinnen wägen auch ab, wie ihre Technologien am besten eingesetzt werden, wie sie für die Anwender am nützlichsten sind oder wie man deren Daten schützt.

Julian Pfeifer ist 24 Jahre alt und hat an der Frankfurt University of Applied Sciences Informatik studiert, seit knapp einem Jahr arbeitet er als Anwendungsmanager IT Operations bei der Deutschen Bahn. Hier erklärt er, was er an Informatik schätzt, mit welchen Modulen er im Studium Schwierigkeiten hatte und was er aus seinen Praktika mitgenommen hat.

Die Entscheidung fürs Informatik-Studium

»Meine Leidenschaft für IT begann schon sehr früh, meinen ersten PC bekam ich mit acht Jahren. In der Oberstufe wechselte ich auf ein berufliches Gymnasium, das den Zweig Datenverarbeitungstechnik anbot – dort festigte sich mein Interesse. Ich lernte viele Grundlagen kennen, etwa Programmierung, Datenbanken und Webserver, und programmierte auch gern mal die eine oder andere Nacht durch, um die perfekte Lösung zu finden. Das hat mir einfach Spaß gemacht, die Entscheidung fürs Informatik-Studium fiel mir also sehr leicht.«

Formale Voraussetzungen für ein Informatik-Studium:

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  – für Fachhochschulen und Berufsakademien genügt die Fachgebundene Hochschulreife oder Fachhochschulreife. In vielen Studiengängen werden auch Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulreife  unter bestimmten Bedingungen zugelassen, etwa wenn sie eine fachspezifische Berufsausbildung und Berufserfahrung vorweisen können.

  • An vielen Hochschulen gibt es für Informatik-Studiengänge keinen NC . Dort, wo es einen gibt, kann er zwischen 1,8 und 3,3 liegen.

  • Eventuell haben die Hochschulen eigene Auswahlverfahren, manchmal müssen die Bewerber etwa ausreichende Fremdsprachenkenntnisse nachweisen.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Informatiker und Informatikerinnen müssen sich häufig in größeren Teams oder mit anderen Abteilungen ihres Unternehmens abstimmen. Zudem ist es für sie wichtig, die Perspektive der Nutzer einzunehmen. Für all das brauchen sie Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit, gut zu kommunizieren. 

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Das erste Semester verflog sehr schnell. Kaum waren die ersten Vorlesungswochen vorbei, stand schon die Klausurenphase vor der Tür. Mir kam das Lernpensum damals sehr hoch vor: Algebra, Analysis, theoretische Informatik, Algorithmen und Datenstrukturen – um nur ein paar Module zu nennen. Aus heutiger Sicht würde ich aber sagen, dass das durchaus angemessen war, man braucht diese Grundlagen eben.

Ich muss aber auch zugeben, dass mir die Mathe-Kurse wie Diskrete Mathematik oder Statistik schon etwas schwergefallen sind. Da geht es ziemlich abstrakt zu. Mir gefielen die Programmierprojekte wesentlich besser, weil man darin mit anderen zusammen Probleme löst. Im Team mit Kommilitonen fallen Fehler zwar schneller auf, aber man findet eben auch neue Denk- und Lösungsansätze.«

Typische Pflichtmodule: Analysis, Algebra, Einführung in die Informatik, Algorithmen und Datenstrukturen, Software-Engineering, Datenbanken, Theoretische Informatik

Mögliche Spezialisierungen: Angewandte Informatik, Künstliche Intelligenz, Bioinformatik, Wirtschaftsinformatik

Ein ausführliches Modulhandbuch gibt es etwa bei der Frankfurt University of Applied Sciences .

»Praxiserfahrung war für mich ein wichtiger Teil des Studiums. Mein Pflichtpraktikum absolvierte ich bei der Deutschen Telekom und später schrieb ich dort auch meine Bachelorarbeit. In einem großen Unternehmen an ›lebenden Systemen‹ zu arbeiten, ist noch mal eine ganz andere Herausforderung, schließlich werden sie von Tausenden Menschen pro Tag genutzt. Ich habe so auch herausgefunden, dass ich gern in großen Unternehmen arbeite. Ich finde es spannend zu sehen, wie viele Menschen dazu beitragen, dass ein Mammutprojekt gelingt. Außerdem hat man dort die Chance, in internationalen Teams zu arbeiten, das war ebenfalls eine neue Erfahrung für mich.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Weil mir mein Praktikum so gut gefallen hatte, beschloss ich, nach der Bachelorarbeit gleich ins Berufsleben einzusteigen. Als Informatiker hat man nämlich auch mit einem Bachelor gute Perspektiven, IT-Personal ist eben sehr gefragt. Außerdem kann ich den Master später noch nachholen, auch berufsbegleitend.

Ich bewarb mich unter anderem bei der Deutschen Bahn, meinem Wunscharbeitgeber,  und bekam dort ziemlich schnell einen Job. Jetzt bin ich für die Vertriebsplattform der Tickets zuständig, ein sehr komplexes System.

Es gefällt mir, etwas zu entwickeln, das für den Endkunden wichtig ist. Allerdings vermisse ich die Freiheit des Studiums schon. Aber zum Glück kann ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber zeitlich flexibel und auch mobil arbeiten.«

Branchen und Gehälter:

Informatiker und Informatikerinnen arbeiten etwa als Software-Entwicklerinnen, Anwendungsberater und IT-Sicherheitsexpertinnen, oder sie sind für die Qualitätssicherung zuständig – sei es in Start-ups, Agenturen, bei IT-Dienstleistern, Behörden oder großen Konzernen.

Laut StepStone-Gehaltsreport  verdienen Absolventen durchschnittlich 48.920 Euro brutto pro Jahr, wobei die Verdienstchancen je nach Branche variieren. In der Fahrzeugindustrie verdienen Berufsanfänger im Schnitt etwa 55.000 Euro, im Bankensektor knapp 51.000 Euro. Zudem gibt es starke regionale Unterschiede, in Bayern wird besser bezahlt als beispielsweise in Nordrhein-Westfalen.

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