Kochen ohne Kohle Festtagsessen für 2 Euro – so edel kann Rosenkohl sein

Es braucht keine teuren Zutaten, um aus Rosenkohl ein luxuriöses Weihnachtsessen zu bereiten, das den Gaumen freut und die Seele wärmt. Denn genau das haben wir dieses Jahr dringend nötig.
Eine Kolumne von Sebastian Maas
Wie immer bei »Kochen ohne Kohle« kommt man ohne teure Spezialgeräte aus, alle Zutaten findet man beim Discounter

Wie immer bei »Kochen ohne Kohle« kommt man ohne teure Spezialgeräte aus, alle Zutaten findet man beim Discounter

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Weihnachten ist für viele Deutsche untrennbar mit Familientraditionen verknüpft. Sei es das jährliche Wiedersehen von »speziellen« Verwandten, die »hitzigen« Gespräche über die politische Lage oder, natürlich, Mamas »besonderer« Nachtisch. Dieses Jahr könnte alles anders werden. Ich selbst bin noch nicht sicher, ob ich Weihnachten so feiern kann, wie ich es gern hätte: gemeinsam mit meiner Familie. Viele stehen vor demselben Problem, und damit vor einer ganz besonderen Hürde: Zum vielleicht ersten Mal müssen sie an Heiligabend für sich selbst kochen.

An dieser Stelle bietet sich ein Zitat von Weihnachtsikone Clark Griswold  an: »Halleluja, das ist'n Ding. Wo sind die Valium?«

»Kochen ohne Kohle«

Bafög oder Azubi-Gehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:

  • Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.

  • Teure Spezialgeräte sind tabu.

Alle Rezepte

Mit dem Rezept dieser Woche bekommen auch Anfänger ein günstiges, leichtes und dennoch angemessen dekadentes Weihnachtsessen hin. Dafür schiebe ich Rosenkohl und Rosmarinkartoffeln in den Ofen, mixe eine super einfache Preiselbeeren-Zwiebel-Marmelade und garniere alles mit frittierten Kapern und Walnüssen. Wenn man niemanden zum Angeben vor Ort hat, kann man das fertige Essen für einen Dopamin-Boost auf Instagram posten, es sieht nämlich fantastisch aus. Und es ist ein Gericht, das sich ziemlich erwachsen anfühlt – was ja gut in dieses Jahr passt, das uns alle irgendwie zur Weiterentwicklung gezwungen hat.

Beim Discounter gibt es alle Zutaten für etwa 4 Euro

Beim Discounter gibt es alle Zutaten für etwa 4 Euro

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Das braucht man für zwei (große) Portionen:

  • 700 Gramm Kartoffeln

  • 700 Gramm Rosenkohl

  • eine kleine rote Zwiebel

  • 150 Gramm gesüßte Preiselbeeren aus dem Glas

  • eine Handvoll Walnüsse

  • 3 bis 4 Esslöffel Kapern

  • ein paar Zweige Rosmarin, Thymian oder Kräuter der Provence (frisch ist gut, getrocknet tut's ansonsten auch)

  • etwas Essig, Öl, Salz, Pfeffer und Zucker

Was kostet das?

Im Discounter habe ich für alle Zutaten zusammen 4 Euro bezahlt, das macht 2 Euro pro Portion.

Wie lange dauert das?

Etwa eine Stunde, das Meiste passiert aber im Ofen.

So macht man luxuriösen Rosenkohl im Ofen

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen, das Blech herausnehmen und mit Backpapier auslegen. Dann den Rosenkohl putzen. Ich schneide dafür am Strunk das dunkle Ende ab und entferne zu dunkle oder verwelkte Blätter. Anschließend halbiere ich die kleinen Köpfe und lege sie für 5 Minuten in kaltes Wasser. Nun die Kartoffeln schälen und in etwa ein Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Vorsicht: Schneidet man sie deutlich dicker oder dünner, werden sie nicht gleichzeitig mit dem Rosenkohl gar. Die Kartoffelscheiben von beiden Seiten mit etwas Salz, Öl und den Kräutern der Wahl (ich habe Rosmarin verwendet) einreiben und auf einer Hälfte des Backblechs verteilen.

Nun kann man sich wieder dem Rosenkohl zuwenden: Noch einmal gründlich abspülen, damit es beim Kauen später nicht knirscht, und grob abtrocknen. Dann die halbierten Rosenköhlchen mit einem spendablen Schuss Öl sowie je einer großen Prise Salz und Pfeffer einreiben und auf der anderen Hälfte des Backblechs verteilen. Dieses auf mittlerer Schiene in den Ofen schieben und einen Wecker auf 30 Minuten stellen.

Zwiebel... ääh, Marmelade?

Jetzt ist die Zwiebelmarmelade dran. Dafür zuerst die rote Zwiebel in feine Streifen schneiden. Roh sind Zwiebeln ziemlich scharf und beißend, darum lege ich sie für 30 Minuten süß-sauer ein. Dafür gebe ich sie mit einem Schuss Weinessig sowie je einer großen Prise Salz und Zucker in eine kleine Schale. Einmal kurz mit den Fingern durchmischen und warten.

Die Zwiebeln einfach eine halbe Stunde in der Essigmarinade ziehen lassen – dann verlieren sie die Schärfe

Die Zwiebeln einfach eine halbe Stunde in der Essigmarinade ziehen lassen – dann verlieren sie die Schärfe

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Oder auch nicht warten, denn die Kapern wollen ja noch frittiert werden! Ein halbes Glas davon abgießen und mit Küchenpapier oder Küchentuch trocken tupfen. Dann mit einem großen Schluck Öl in eine heiße Pfanne geben und diese immer wieder etwas schräg halten, damit sich Kapern und Öl am Rand sammeln und viel Kontakt haben. Sehen die kleinen Geschmacksbomben nach drei bis fünf Minuten knusprig aus, kann man die Pfanne zur Seite stellen.

Vorsicht: Weil die Kapern sehr feucht sind, wird beim Frittieren trotz des Abtrocknens etwas heißes Öl herumspritzen. Kleine Kinder sollten deshalb während des Kochens lieber nicht in der Küche herumrennen. Wobei, wer kleinen Kindern an Weihnachten ROSENKOHL mit KAPERN und ZWIEBELMARMELADE serviert, gewinnt wohl ohnehin nicht den Preis für »Elternteil des Jahres«.

Das ist noch nicht fertig! Das Gemüse gut wenden und darauf achten, dass die Kartoffeln nicht zu sehr aneinander kleben, damit alle Seiten Farbe abbekommen.

Das ist noch nicht fertig! Das Gemüse gut wenden und darauf achten, dass die Kartoffeln nicht zu sehr aneinander kleben, damit alle Seiten Farbe abbekommen.

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Hat man schnell gearbeitet, sollten nun noch ein paar Minuten auf dem Backofen-Timer übrig sein. Ein guter Zeitpunkt, Weihnachtspflichtanrufe bei weniger geliebten Verwandten zu machen! Wenn die Uhr gleich klingelt, hat man nämlich einen Grund wieder aufzulegen.

Sind die 30 Minuten abgelaufen, ist es an der Zeit, das Gemüse im Ofen zu wenden. Der Rosenkohl darf außen gern etwas dunkler werden, die Kartoffelscheiben hingegen nur goldbraun. Beides anschließend für weitere 10 bis 20 Minuten in den Ofen schieben.

Spartipp: Und was ist mit Fleisch?

»An Weihnachten gehört Fleisch auf den Teller« ist auch so eine deutsche Tradition. Gleichzeitig sind Massentierhaltung und die unmoralischen Bedingungen in Fleischfabriken ein Riesenproblem – nicht erst seit dem Corona-Ausbruch bei Tönnies diesen Sommer.

Ich kann natürlich niemanden davon abhalten, sich zu diesem Gericht ein paar Schweinemedaillons zu braten – immerhin habe ich in meiner Schul- und Studienzeit genug Billigfleisch gegessen, um nicht mit dem Finger auf irgendwen zeigen zu dürfen. Heute weiß ich allerdings zu viel über das, was dahintersteckt: sei es Tierleid, die Ausbeutung der Arbeiterinnen und Arbeiter oder der Schaden für die Umwelt.

Wenn ich aufs Budget achte, fallen tierische Produkte daher zuerst vom Einkaufszettel. In »Kochen ohne Kohle« möchte ich deshalb ungern Discount-Schnitzel und Co. empfehlen. Wer sich um seinen Proteinhaushalt sorgt, kann für dieses Rezept aber beispielsweise die doppelte Menge Walnüsse verwenden.

In der Küche riecht es die ganze Zeit nach Essig, war da noch was? Ach richtig, die Zwiebelmarmelade! Dafür die Zwiebeln einfach mit der Hand kräftig auswringen und die Flüssigkeit abgießen. Anschließend nach Geschmack mit ein paar Esslöffeln der Preiselbeeren vermengen. Ich mag es gern süß und nehme sechs bis acht große Löffel, also etwa ein Drittel des Glases.

Alles geschafft? Dann kann angerichtet werden:

Knuspriger Rosenkohl, würzige Kartoffeln, fruchtig-saure Kontraste und krosse Kapern: 1-a-Angebermaterial für Instagram!

Knuspriger Rosenkohl, würzige Kartoffeln, fruchtig-saure Kontraste und krosse Kapern: 1-a-Angebermaterial für Instagram!

Foto:

Sebastian Maas / DER SPIEGEL

Die Marmelade kommt zuerst auf den Teller, darauf wird der Rosenkohl geschichtet, daneben die Kartoffeln. Den Rosenkohl mit ein paar Walnüssen bestreuen, die Kartoffeln mit den Kapern – fertig!

Wie auch immer Ihr Weihnachtsfest aussehen mag: Ich wünsche Ihnen einen gesunden Appetit. Und ein besseres Jahr 2021.

Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon . 

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.