Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Wirtschafts­­informatik gewusst hätte

Wirtschaftsinformatiker sind gefragt – schließlich kennen sie sich mit BWL und IT aus. Doch das Studium zu bestehen ist nicht einfach. Absolventin Melanie Miedl erklärt, wie sie es geschafft hat.
Aufgezeichnet von Lisa Srikiow
Wirtschaftsinformatiker erlangen im Studium BWL- und Programmierkenntnisse (Symbolbild)

Wirtschaftsinformatiker erlangen im Studium BWL- und Programmierkenntnisse (Symbolbild)

Foto: Jay Yuno / E+ / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Wirtschaftsinformatikerinnen und Wirtschaftsinformatiker arbeiten an der Schnittstelle zwischen IT und Projektmanagement. Sie generieren Daten, um Unternehmensentscheidungen zu erleichtern, helfen, Softwareprogramme einzuführen und zu warten, oder testen neue IT-Anwendungen für das Unternehmen.

Melanie Miedl ist 27 Jahre alt und hat an der Hochschule der Medien in Stuttgart Wirtschaftsinformatik und Digitale Medien studiert. Sie erklärt, warum sie im ersten Semester durch zwei Klausuren fiel und was ihr half, sich durchzubeißen.

Die Entscheidung für Wirtschaftsinformatik

»Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht. Irgendwann stellte ich mir aber die Frage: ›War das jetzt alles?‹ Auf einem Berufskolleg holte ich dann meine Fachhochschulreife nach und kam zum ersten Mal mit Informatik in Berührung – das Fach war dort verpflichtend und hat mich gleich fasziniert. Ich hatte nämlich immer schon eine Affinität zu Technik und verstand so zum ersten Mal die Zusammenhänge.

Durch Zufall unterhielt ich mich mit einer Bekannten, die Wirtschaftsinformatik und Digitale Medien an der Hochschule Stuttgart studierte. Sie erzählte so lebendig von ihrem Studium, das hat mich direkt begeistert. Ich informierte mich auf der Website der Hochschule – die Vorstellung, später an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Informatik zu arbeiten, überzeugte mich. Der wirtschaftliche Teil war mir wegen meiner Ausbildung schon vertraut, gleichzeitig fand ich den technischen Teil neu und spannend.«

Formale Voraussetzungen für ein Wirtschaftsinformatik-Studium:

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife – für Fachhochschulen genügt die Fachhochschulreife. Einige Hochschulen lassen auch Bewerberinnen und Bewerber ohne Hochschulreife  zu, sofern sie eine fachspezifische Berufsausbildung und Berufserfahrung vorweisen können.

  • Eventuell haben die Hochschulen eigene Auswahlverfahren, die man bestehen muss. Zum Teil müssen die Bewerber ausreichende Englischkenntnisse nachweisen.

Was man sonst noch mitbringen sollte: Wirtschaftsinformatikerinnen arbeiten oft an Schnittstellen, sie müssen zwischen Abteilungen vermitteln. Gute Kommunikationsfähigkeiten und Einfühlungsvermögen erleichtern diesen Teil ihrer Arbeit. Ein gewisses Organisationstalent ist ebenfalls nützlich.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Während des ersten Semesters dachte ich: ›Das läuft ja ganz gut.‹ Aber dann kamen die Klausuren und ich fiel bei zweien durch. Heute weiß ich: Ich hatte nur mit den Zusammenfassungen aus den Übungen gelernt und die Aufgaben selbst nicht immer wieder geübt. Dabei ist es wie beim Sport, durch regelmäßiges Training wird man besser. Ich hatte einige Selbstzweifel, wusste nicht, ob ich das Studium weiter durchziehen sollte. Zum Glück habe ich durchgehalten: Im Laufe des Studiums und durch meine Studentenjobs habe ich gemerkt, wie viel Spaß ich an Technologie habe.

Was mir half, war der Austausch mit anderen Kommilitonen und Kommilitoninnen. So viel wie möglich mit ihnen zu lernen, hat sich gelohnt: Man erkennt eigene Wissenslücken besser. Bei uns gab es zum Beispiel einen Funky-Java-Kurs, bei dem sich die älteren Studierenden mit den Erstsemestern zusammensetzten, um noch einmal die Grundlagen durchzugehen. Bei solchen informellen Treffen fällt es einfach leichter, nachzufragen – auch mehrmals.«

Wirtschaftswissenschaftliche Inhalte: Betriebswirtschaftslehre, Marketing und Organisation, Geschäftsprozesse, Internes und Externes Rechnungswesen, Dienstleistungsmanagement

Informatikinhalte: Programmieren, Datenbanken, Grundlagen der Informatik, Software-Engineering, Business Intelligence

»Am Anfang befasst man sich mit verschiedenen Programmiersprachen, Data Science, Software-Engineering, aber auch Rechnungswesen sowie Marketing und Organisation. Wir konnten uns im Laufe des Studiums mehr in Richtung Wirtschaft oder Informatik orientieren, aber wir brauchten immer genügend Credit Points aus beiden Bereichen. Ich empfehle, die Schwerpunkte der jeweiligen Hochschule vor dem Studium genau anzuschauen, die können recht unterschiedlich sein.

Weil ich schon viele wirtschaftliche Grundkenntnisse hatte, konzentrierte ich mich stattdessen auf die Informatik. Im Praxissemester absolvierte ich ein Praktikum in einem Verlag. Ich unterstützte den Projektleiter bei der Einführung eines neuen Kundenverwaltungssystems. Das Highlight meines Studiums war aber sicherlich mein Auslandssemester in Norwegen, in dem halben Jahr habe ich viel über Informationssicherheit gelernt.

Schwer gefallen ist mir dagegen unser IT-Projekt in Stuttgart. Das lief über mehrere Wochen und wir mussten zu fünft ein funktionsfähiges Programm aufsetzen: Wir entwickelten eine Software zu Kontaktverwaltung mit einer dreischichtigen Architektur – also inklusive Benutzeroberfläche, Datenbank und Applikationsebene. Das war sehr anspruchsvoll. Das IT-Projekt zählte nur als Vorleistung für eine mündliche Prüfung. Wenn es nicht richtig funktioniert hätte, hätte man sie gar nicht erst absolvieren dürfen. Bei uns hat es zum Glück gut geklappt.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Ich rate jedem, sich während des Studiums Werkstudentenjobs zu suchen. So kann man am besten herausfinden, wo man später arbeiten möchte – von Entwickler bis Projektmanagerin ist alles möglich. Ich selbst konnte so zum Beispiel die Bereiche Onlinemarketing und Data Governance kennenlernen. Bei einem Autokonzern half ich als Werkstudentin mit, Daten aus Leasingverträgen zu prüfen und in die Software einzuspeisen.

Mittlerweile arbeite ich bei einer großen Steuerberatung und setze dort zusammen mit dem Team digitale Projekte um: Ich wähle die richtige Software für die Mitarbeiter aus, stimme mich mit externen Dienstleistern ab und baue außerdem eine zentrale Datenbank auf, ein Data Warehouse. Ich arbeite genau an der Schnittstelle zwischen Kerngeschäft und IT – so wie ich mir das schon am Anfang des Studiums vorgestellt hatte.«

Branchen und Gehälter

Jedes Unternehmen und jede Organisation braucht eine gute IT-Infrastruktur, deshalb sind die Branchen, in denen Wirtschaftsinformatikerinnen arbeiten können, sehr vielfältig. Sie unterstützen Start-ups, mittelständische Unternehmen oder große Konzerne dabei, Softwareprogramme zu implementieren, sie beraten, welche IT-Lösungen am besten für die jeweilige Organisation geeignet sind, oder bauen große Datenbanken auf.

Berufseinsteiger verdienen laut Stepstone-Gehaltsreport  rund 50.900 Euro brutto im Jahr.

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