Studienfächer erklärt Was ich als Erstsemester gern über Wirtschaftsrecht gewusst hätte

Wie viel BWL steckt im Studium? Und wie wichtig sind gute Noten? Arthika Pathmanathan studiert im vierten Semester Wirtschaftsrecht und gibt Einblicke in die Studieninhalte.
Aufgezeichnet von Helen Hahne
Wirtschaftsrechtler müssen im Studium viele Paragrafen büffeln (Symbolbild)

Wirtschaftsrechtler müssen im Studium viele Paragrafen büffeln (Symbolbild)

Foto: Eugenio Marongiu / Westend61 / Getty Images
Studienfächer erklärt

In der Reihe »Studienfächer erklärt« stellen wir die 30 beliebtesten Studienfächer in Deutschland vor – von Betriebswirtschaftslehre auf Platz 1 bis Wirtschaftsrecht auf Platz 30. Wie viele Studierende an deutschen Hochschulen in welchem Fach eingeschrieben sind, ermittelt das Statistische Bundesamt einmal im Jahr . Unser Ranking bezieht sich auf die Zahlen für das Wintersemester 2019/2020, die beiden Fächer »Wirtschaftsingenieurwesen mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt« und »Wirtschaftsingenieurwesen mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt« haben wir zusammengefasst.

Wirtschaftsrechtlerinnen und Wirtschaftsrechtler beschäftigen sich mit allen rechtlichen Fragen, die Unternehmen betreffen: Was ist eine GmbH? Wie erstellt man einen Vertrag? Und was macht eigentlich eine Compliance-Abteilung? Sie vertreten Unternehmen gegenüber anderen Unternehmen, dem Staat oder einzelnen Mitarbeitenden. Sie arbeiten auch in Beratungen oder im Öffentlichen Dienst, allerdings nicht als Anwälte oder Richterinnen. Das dürfen nur Volljuristen.

Welcher Schwerpunkt passt zu mir? Im Bereich Wirtschaftsrecht gibt es eine große Bandbreite an Studienfächern. Hier  sind einige aufgeführt.

Arthika Pathmanathan, 21, studiert im vierten Semester Wirtschaftsrecht an der Hochschule Mainz. Sie erzählt, wie aufwendig das Studium ist, warum man sich Verbündete gegen die Ellbogenmentalität suchen sollte und wie sie mit dem Studium später Finanzkriminalität bekämpfen will.

Die Entscheidung fürs Wirtschaftsrechtsstudium

»Als Kind wollte ich immer Jura studieren. Aber in der neunten Klasse habe ich ein Schülerpraktikum in einer Kanzlei gemacht und gemerkt, dass das nichts für mich ist. Mir hat der Alltag in den Gerichtssälen nicht zugesagt. Auch nicht die Struktur des Jurastudiums, in dem alles auf die Staatsexamen hinausläuft. Fällt man dort durch, war alles umsonst. Das hat mich abgeschreckt.

Gleichzeitig hat mir Mathematik viel Spaß gemacht. Deshalb dachte ich zunächst an ein BWL-Studium. Also schaute ich mir die Module an – das kann ich jedem empfehlen. Alle Kurse mit juristisch-wirtschaftlichem Schwerpunkt klangen spannend. So bin ich auf Wirtschaftsrecht gestoßen.

Die Hochschule Mainz liegt in Rheinland-Pfalz, nur eine Stunde von meinem Heimatort entfernt. Weiter weg wollte ich erst einmal nicht. Direkt nach dem Umzug ging die Orientierungswoche los, inklusive Kennenlernspiele, Kneipentour, Campusführung und Infoveranstaltungen zum Studienverlauf. Wir sind eine eher kleine Gruppe, so habe ich schnell Leute kennengelernt und mich wohlgefühlt.«

Formale Voraussetzungen für ein Studium in Wirtschaftsrecht

  • Wer an einer Universität studieren möchte, braucht in der Regel das Abitur  oder die Fachgebundene Hochschulreife – für Fachhochschulen genügt die Fachhochschulreife.

  • Je nach Hochschule erfolgt ein gesondertes Auswahlverfahren.

  • An manchen Unis wird das Studium auch als Kombinationsbachelor angeboten. Außerdem ist Wirtschaftsrecht auch als duales Studium  beliebt.

Was man sonst noch mitbringen sollte:

Lust auf Gesetzestexte und Mathematik. Je nach Ausbildungsstätte liegt der Schwerpunkt auf Jura oder BWL. Statistik und Paragrafen büffeln kommt aber auf jeden Fall auf einen zu.

Inhalte und Aufbau des Studiums

»Unser Studium ist sehr zeitintensiv: Wir schreiben mindestens zwei Hausarbeiten und zu Beginn des Studiums sieben bis acht Klausuren, später dann sechs pro Semester. Manche Vorlesungstage gehen von 8 bis 20 Uhr. Und es herrscht eine ganz schöne Ellbogenmentalität, zum Beispiel werden Lösungen für Hausarbeiten oder Klausuren nicht weitergegeben. Ich habe zum Glück schnell eine Gruppe gefunden, in der wir uns alle gegenseitig supporten. Wir teilen zum Beispiel alte Klausuren und helfen uns gegenseitig, wenn wir etwas nicht verstehen. Das hilft dabei, dranzubleiben. Das muss man auch, denn die Module bauen aufeinander auf. Wenn man die Grundlagen nicht versteht, hat man irgendwann verloren.

Inhaltlich bilden die ersten vier Semester das Grundstudium. Wir hatten vertiefende Kurse in allen Rechtsformen, die man in einem Unternehmen braucht: Wirtschafts- und Privatrecht, Unternehmensrecht, Kartellrecht, Wettbewerbsrecht, Steuerrecht, Arbeitsrecht. Später kommen dann BWL, VWL, Finanzwesen, Personalmanagement und Unternehmensführung hinzu. Neben den Vorlesungen muss man die empfohlenen Arbeitsbücher durchgehen, so viele Fälle wie möglich durcharbeiten und Lösungsskizzen erstellen. Und klar, einige Sachen muss man auch auswendig lernen. Wir müssen auch Business-Englisch belegen. Im fünften Semester geht es dann ins Ausland. Eigentlich wäre das für mich im kommenden Wintersemester geplant gewesen, durch Corona verschiebt es sich auf das Sommersemester 2022.«

Typische Pflichtfächer: EU-Recht und Internationales Vertragsrecht, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, Juristische Kommunikation, Kosten- und Leistungsrechnung, Marketing und Dienstleistungsmanagement, Mikro-/Makroökonomik, Steuern und Rechnungslegung sowie Strafrecht.

Mögliche Wahlbereiche: Arbeitsrecht und Personalmanagement, Compliance und Wirtschaftsstrafrecht oder Steuerrecht und Bilanzierung.

Einen Musterstudienverlauf gibt es zum Beispiel auf der Website der Hochschule Mainz .

»Auch im Bereich Softskills haben wir verpflichtende Seminare. Wir haben zum Beispiel Exkursionen zu Unternehmen gemacht und uns mit deren Mitarbeiterinnen aus den Rechtsabteilungen ausgetauscht. Außerdem hören wir Vorträge von Absolventen und haben Veranstaltungen zu Networking- und Bewerbungsstrategien. Dass das Studium an der Hochschule so praxisbezogen ist, finde ich super.

Ich habe das Glück, dass ich ein Stipendium habe. Man muss sich bewusst sein, dass das Studium sehr aufwendig ist und man ein gutes Zeitmanagement braucht, vor allem wenn man nebenher arbeitet. Es hilft sich mit anderen, die die Klausuren bereits geschrieben haben, auszutauschen. Außerdem war es für mich total hilfreich, mir einen Stundenplan zu erstellen, in dem ich auch die Lernzeiten eingeplant habe. Meine Freizeitplanung richtet sich nach meinem Lernplan.«

Berufsaussichten nach dem Studium

»Es ist gängig, dass man nach dem Bachelor in den Beruf einsteigt, die meisten Master sind berufsbegleitend. Sehr gute Noten sind bei uns eher selten. Wirtschaftsrecht ist kein Fach, das man locker mit einer 1,0 abschließt. Das wissen auch die Arbeitgeber.

Ich mache mir jedenfalls keine Sorgen, einen Job zu finden. Ich kann nur jedem empfehlen, Praktika zu machen. Mein Traum wäre es, im Bereich Finanzkriminalität und IT-Sicherheit zu arbeiten, zum Beispiel in einer Bank. Hier würde ich mich darum kümmern, dass die Daten der Kunden geschützt sind. Gerade die gesellschaftliche Verantwortung dabei finde ich spannend.«

Branchen und Gehälter:

Wirtschaftsrechtlerinnen und Wirtschaftsrechtler können schon nach dem Bachelor ins Berufsleben einsteigen, zum Beispiel in Rechtsabteilungen von Unternehmen, als Wirtschafts- oder Steuerprüfende, aber auch in Unternehmensberatungen oder dem Öffentlichen Dienst.

Absolventinnen und Absolventen verdienen laut Stepstone Gehaltsreport  durchschnittlich 52.329 Euro brutto im Jahr.

Korrekturhinweis: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, Arthika studiere im fünften Semester, sie ist aber im vierten Semester. Zudem stünde ein Auslandssemester, kein Praktikum an. Wir haben die Fehler korrigiert.