Zimmerin im Gespräch »Etwas mit den Händen zu schaffen, macht richtig Spaß«

Katja Wiesenmüller arbeitet im bestbezahlten Ausbildungsberuf Deutschlands: Sie ist Zimmerin. Warum ihr das Gehalt ziemlich egal und der Sonnenaufgang auf dem Dach wichtiger ist, erzählt die 22-Jährige im Podcast.

Neue Staffel, neue Berufe: Im SPIEGEL-Podcast »Und was machst du?« sprechen die SPIEGEL-Redakteure Verena Töpper und Florian Gontek mit Menschen über ihre Jobs: Was ist großartig daran, und was nervt? Wie sind sie zu den Berufen gekommen, und wie sieht ihr Arbeitsalltag aus? In den ersten beiden Folgen sind zwei junge Frauen zu Gast, die beide in einem Handwerksberuf arbeiten – aber sehr unterschiedlich  bezahlt werden: Die eine ist Zimmerin, die andere Schornsteinfegerin. Auf die dreijährige Ausbildungszeit hochgerechnet, verdient die eine im Schnitt mehr als doppelt so viel im Monat wie die andere. Zimmerer war 2020 der Ausbildungsberuf mit den höchsten Tariflöhnen, Schornsteinfeger der mit den niedrigsten.

Eigentlich half sie nur auf der Baustelle der Eltern

In der ersten Folge der neuen Staffel ist die Zimmerin Katja Wiesenmüller zu Gast. Mit einem durchschnittlichen Bruttomonatsgehalt von 1240 Euro hat Wiesenmüller schon während ihrer Lehre gut verdient. Für sie sei das aber nicht mehr als ein schöner Nebeneffekt, sagt Wiesenmüller. Die 22-Jährige lebt derzeit in Kassel, wo sie die Meisterschule besucht. Dass sie Zimmerin werden möchte, merkte Wiesenmüller erst in der Oberstufe – eigentlich hatte sie über ein Lehramtsstudium nachgedacht. Dass sie sich gegen die Uni und für die Baustelle entschieden hat, bereut Wiesenmüller nicht: »Etwas mit den Händen zu schaffen, das macht schon richtig Spaß.«

Wie wird man Zimmer:in?

Die Ausbildung zur Zimmerin oder zum Zimmerer dauert in der Regel drei Jahre . Meist setzen Betriebe mindestens einen mittleren Bildungsabschluss  voraus. Ein Studium eröffnet weitere Berufsmöglichkeiten, etwa mit einem Bachelor in Holztechnik oder Architektur.

Die Ausbildung findet in der Regel in einer Zimmerei statt. Außerdem besuchen die Lehrlinge Berufsschulen und überbetrieblicher Berufsbildungsstätten , etwa Technologiezentren.

In der Berufspraxis bauen Zimmerinnen und Zimmerer Holzhäuser und Dachstühle oder nehmen Innenausbauten vor. Sie errichten Fachwerkkonstruktionen, Fertighäuser, Terrassendächer, Carports oder Trennwände und Außenwandverkleidungen. Genauso modernisieren und sanieren sie Bauwerke, zum Beispiel Altbauten.

Die Vergütung  während der Ausbildung steigt von Lehrjahr zu Lehrjahr:

• 1. Ausbildungsjahr: 805 Euro bis 890 Euro

• 2. Ausbildungsjahr: 1000 Euro bis 1230 Euro

• 3. Ausbildungsjahr: 1210 Euro bis 1495 Euro

Das Handwerk liegt in Wiesenmüllers Familie: »Mein Uropa war Zimmerer, mein Opa wollte gerne Zimmerer lernen und ist dann Tischler geworden. Und mein Vater hat einen Elektrobetrieb.« Dass ihr die Arbeit mit Holz großen Spaß mache, habe sie beim Hausbau ihrer Eltern 2017 gemerkt, erzählt Wiesenmüller. Sie habe damals auf der Baustelle beim Fertigen des Obergeschosses und des Dachs geholfen. Ihr späterer Ausbilder habe gesehen, dass sie anpacken konnte – und ihr noch auf der Baustelle einen Ausbildungsvertrag angeboten. Für Katja Wiesenmüller der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Urlaub fällt der Nationalmannschaft zum Opfer

Sie gewann nicht nur mehrere Leistungswettbewerbe und wurde Dritte bei den Deutschen Meisterschaften 2019 – Wiesenmüller ist auch die erste Frau, die jemals mit der deutschen Zimmerer-Nationalmannschaft gestartet ist. »Das macht mich stolz. Manchmal muss ich mich immer noch kneifen«, sagt sie. Auch, wenn sie für das Training mit den Nationalmannschaftskollegen ihren Jahresurlaub opfern muss. »Das nehme ich dafür aber gerne in Kauf.« All das zeige, dass Frauen im Handwerk Außergewöhnliches leisten könnten.

In ihrem Beruf gäbe es viele Momente, die schön seien, sagt Wiesenmüller: das Gefühl, etwas mit der Hand geschaffen zu haben, auf einem gerade gebauten Dachstuhl dem Sonnenuntergang entgegenzublicken. »Das macht den Job schon aus, für diese Momente mache ich das.«

Warum sie findet, dass Handwerk genauso Frauensache ist, was Glück in ihrem Job bedeutet und wieso eine Berufsunfähigkeitsversicherung ratsam ist, darüber haben wir mit Katja Wiesenmüller im Podcast gesprochen.

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