Stil-Highlights der Woche Duften wie Lemmy – kann man sich Erstrebenswerteres vorstellen?

Ein Parfüm für »richtige« Männer und Frauen, ein Buch gegen exzessives Kaufverhalten und ein Trend für genervte Reisende. Drei Dinge, an denen wir diese Woche hängen geblieben sind.
Von Elisa von Hof, Katharina Hölter und Janko Tietz

Weniger kaufen, mehr lieben

Foto: Alec Leach

Wir kaufen und kaufen und kaufen – meist, ohne an die Konsequenzen zu denken. Wie viel Kleidung versteckt sich in den Untiefen unseres Schranks, die wir einst in einem kurzen Moment der Überzeugung bestellten und nun nie wieder anziehen? Und wie viel Tonnen CO₂ wurden bei der Produktion und Lieferung in die Atmosphäre gejagt – völlig umsonst? Jedes Produkt habe Auswirkungen auf den Planeten, schreibt Alec Leach, die sich nicht wieder rückgängig machen ließen. Der ehemalige Redakteur des Modemagazins »Highsnobiety« hat die Konsumkritik »The World Is On Fire But We’re Still Buying Shoes« verfasst und selbst verlegt. Gerade ist die zweite Auflage erschienen (144 Seiten, 14 Euro).

Leach, der sich mittlerweile als Berater und Autor nur noch mit nachhaltiger Mode beschäftigt, reflektiert darin sein eigenes früheres exzessives Kaufverhalten, erklärt, welche Verantwortung die Modeindustrie trägt und vor welchem Dilemma wir Konsumenten und Konsumentinnen selbst stehen. Für ihn ist klar, es braucht das Engagement und den Sinneswandel aller: der Unternehmen, der Regierungen und der Verbraucherinnen. Sein Credo: Weniger kaufen, jedes Stück mehr lieben.

Im Grunde ist sein Buch eine Liebeserklärung an die Mode. So erzählt er zum Beispiel von einem Merchandising-Shirt einer Punkrockband aus Iowa, das er mit 18 Jahren für 15 Euro gekauft und anschließend jahrelang getragen habe. Als es anfing zu muffen, habe er es mit Backsoda und Essig behandelt, es eine Woche lang draußen in der Sonne liegen lassen, alles versucht, um es weiter anziehen zu können. Kurzum: für Leach ein deutlich sinnvollerer Kauf als die meisten seiner anderen Impulskäufe. Mittlerweile betrachte er den Kauf eines Kleidungsstücks auf dieselbe Art wie den einer Matratze oder eines Sofas, sagt Leach im Interview mit dem Monopol-Magazin . Welch wunderbare Idee zum Nachahmen. Katharina Hölter

In den Urlaub mit dem Hackenporsche

Foto: Flavio Coelho / Getty Images

Gehören Sie auch zu den bedauernswerten Geschöpfen, die auf ihrem Weg in den Urlaub am Flughafen zuerst die Schlange am Check-in fotografieren mussten und das Bild voller Menschenmassen in die Familien-WhatsApp-Gruppe posteten? Garniert mit »Wahnsinn«, »Krass« oder: »Na das ist ja ein toller Ferienstart«. Dann gehören Sie sehr wahrscheinlich zu den Urlaubern, die mit großem Gepäck reisen und in dieser Saison von ihren drei Wochen Urlaub eine davon am Airport campieren mussten, um sicherzustellen, dass Sie rechtzeitig abheben. Und dann sind Sie womöglich am Ziel ankommen, aber die Koffer noch nicht, Sie wissen bis heute nicht, wo Ihr Hab und Gut ist, Sie haben beschlossen, nur noch mit der Bahn... Ähm, ach, das ist vielleicht auch keine so gute Idee zurzeit.

Was allerdings eine gute Idee ist: sich einfach nicht mit so viel Ballast im Urlaub herumzuschlagen und auf Handgepäck auszuweichen. Zumindest scheint es gerade im Trend zu sein, auch auf große Urlaubsreisen nur mit kleinem Gepäck aufzubrechen. Man umgeht den Check-in-Schalter, muss sich nicht rumstreiten, ob 26,7 Kilo vielleicht doch noch in Ordnung sind (»zu Hause hat die Waage 25 Kilo angezeigt!«). Man muss nach Ankunft nicht stundenlang am Gepäckband rumlungern. Man kann sicher sein, mit dem Koffer die Ankunftshalle am Zielort zu verlassen und nicht mit leeren Händen den nächsten Unterwäscheladen aufsuchen zu müssen, weil leider leider das Gepäck beim Umsteigen, usw.

Noch nie bin ich so vielen Leuten begegnet, die nicht nach klassischen Business-Reisenden aussahen (es sei denn, die fliegen jetzt auch mit Shorts und Teva-Sandalen zu ihren Meetings?) und nur mit kleinem Hackenporsche am Flughafen ankamen. Die neuen Idealmaße sind jetzt wohl 55 x 40 x 23 cm. Die Nachrichten von fehlendem Bodenpersonal haben offenbar bleibenden Eindruck hinterlassen. Man(n) kommt auch mit fünf statt 21 T-Shirts aus, fliegt man nicht gerade in die Trenddestination Island. Es müssen keine 26,7 Kilo sein, acht tun es auch. Es gibt überall Waschmaschinen – und seien wir ehrlich, der erste Satz nach einer Urlaubsrückkehr ist nicht: »Schön wars!«, sondern: »Wir haben wieder viel zu viel mitgeschleppt!« Janko Tietz

Riechen wie »richtige Männer«

Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister musste schon einiges über sich ergehen lassen: Nach seinem Tod wurde ein recht fies aussehendes Urzeitkrokodil nach ihm benannt. Genauso wie ein Asteroid und ein ausgestorbener Wurm. Und als wäre das nicht genug, wird sein Vermächtnis jetzt um eine weitere Volte reicher, zumindest olfaktorisch: »Inspiriert von der Band, der Musik und mithilfe der letzten Motörhead-Besetzung«, so heißt es in der Presseankündigung, habe man nun »eine feine Kollektion erlesener und hochkarätiger Parfüms« auf den »wahren Charakter dieser Band zugeschnitten«.

Riechen wie Lemmy Kilmister? Man kann sich Erstrebenswerteres vorstellen, Kilmister vermutlich auch.

Denn der Männerduft soll ledrig, erdig, rauchig riechen, nach Kardamom, Irisblüten, Patschuli und angebranntem Eichenmoos. »So duften richtige Männer in Jeans und Bikerjacken«, heißt es. Warum Männer in Bikerjacken und Jeans nun »richtige Männer« sind, und warum sie ausgerechnet nach angebranntem Moos riechen wollen, wird nicht ausgeführt. Jedenfalls erwartet man, dass einem beim Kauf jemand mindestens hart auf die Schulter schlägt (wenn nicht sogar direkt ins Gesicht) und es dann per Zeitmaschine direkt zurück in die Siebziger geht.

Passend zum Duft für den dickhodigen Mann gibt es selbstverständlich ein Pendant für die »richtige Frau«, also kein »Instagram-Modepüppchen«, das »wie klebriger Vanillekuchen« riecht. Nein, mit dem Motörhead-Frauenduft will man eine »mit rauchiger Stimme lachende, aufregende, starke Frau« ansprechen. Warum die nicht nach Vanillekuchen riechen will (was ist eigentlich Vanillekuchen?) wird nicht erwähnt, warum sie stärker oder aufregender ist als andere Frauen, auch nicht. Klar ist: Hier geht es um »Frauen, die das Format besitzen, etwas Besonderes zu tragen«.

Au weh. Man konserviert hier wohl keine Band, sondern den abgestandenen Geruch längst und glücklicherweise vergangener Zeiten.

Ob diese Kommerzialisierung und Banalisierung seiner Kunst Kilmister in seinen diversen kleinen Urnen zum Rotieren bringt? Man könnte es sich vorstellen. Vielleicht lacht sich Kilmister aber auch bloß über jeden kaputt, der bei Rossmann 39,90 Euro zahlt, um wie ein Klischee zu riechen – obwohl ein bisschen Schweiß und ein Tupfer Whisky dafür doch ausreichen (und es den Rammstein-Duft doch schon längst gibt). Elisa von Hof

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