Neue Altkleider Aus der Tonne in den Designerladen

Europäer entsorgen ihre Altkleider in Afrika, dort werden sie von den Einheimischen aufgetragen - so war das bisher. Der Designer Amah Ayivi kauft in Togo ein - und verkauft in einer Pariser Boutique.

Andrew Esiebo/ Panos Pictures Panos/ VISUM

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Wirft man alte Shirts und Hosen in den Altkleidercontainer, geht man davon aus, sie niemals wiederzusehen. Doch dank Amah Ayivi könnte es sogar sein, dass der frühere Besitzer sie an der Stange einer Pariser Pop-up-Boutique wiederentdeckt. Denn der Designer kauft ausrangierte Stücke auf einem Markt in Togo und schenkt ihnen ein zweites Leben als schicke Vintage-Ware.

Der Fotograf Andrew Esiebo hat Ayivi in der togoischen Hauptstadt Lomé sowie in seinem Pop-up-Store in Paris getroffen. Seine Bilder dokumentieren die außergewöhnliche Reise der Outfits der Modemarke Marché Noir/Lomé-Paris.

Ayivi reist regelmäßig nach Togo und durchstreift dort die Stände und Lagerhäuser des Hédzranawoé-Marktes. Dieser hat sechs Tage die Woche geöffnet und ist der wichtigste Handelsplatz für Secondhandkleidung in Lomé. Überall hängen Wäscheleinen. In Hunderten von Boxen und auf Tischen stapeln sich Hemden, Hosen, Krawatten, Taschen und Hüte. Die meisten Waren kommen aus Europa, aber auch aus China oder den USA.

Während einige afrikanische Länder die Einfuhr von Gebrauchtkleidung verbieten wollen, es bereits tun oder den Handel einschränken (lesen Sie hier, ob Kleiderspenden nach Afrika tatsächlich eine gute Tat sind, €), boomt das Geschäft in Togo. Laut dem Observatory of Economic Complexity importierte das Land 2016 gebrauchte Kleidung im Wert von 54 Millionen Dollar.

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Vintage-Look: Altkleider von der Stange

Doch selbst bei den Unmengen an Kleidung, die auf dem Markt verfügbar sind, wird Ayivi nicht immer sofort fündig. Er sucht gezielt nach Kleidung und Accessoires, die seinem persönlichen Stil entsprechen, gute Farben und hochwertige Materialien. Nach dem Kauf lässt er beschädigte Stücke von lokalen Schneidern reparieren, dann schickt er sie nach Frankreich, wo er sie in seiner Pop-up-Boutique mit Gewinn verkauft.

Das Geschäftsmodell Ayivis profitiert von der Überproduktion an Kleidung, von der immer kürzeren Nutzungsdauer und der häufig wechselnden Mode. Laut dem Dachverband FairWertung werden jährlich allein in Deutschland rund eine Million Tonnen aussortierte Kleidungsstücke in Altkleidercontainer geworfen oder an Sammlungen abgegeben.

Die meisten Kleider aus den Containern landen bei gewerblichen Textilverwertern, die sie sortieren und je nach Zustand, Qualität und Stück weiterverkaufen - unter anderem nach Afrika. Die Kleidungstücke, die Ayivi von Togo nach Europa zurückbringt, macht die Wege sichtbar, die die Hosen, Röcke und Hemden zurücklegen, nachdem sie entsorgt worden sind. Und sie zeigen, wie absurd es ist, dass sie dann auf einmal als modern und stilvoll gelten.

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