Tschernobyl-Wodka Schnaps aus der Todeszone

"Meiner Meinung nach die wichtigste Flasche Alkohol auf der Welt": Forscher haben einen Schnaps aus Getreide gebrannt, das aus Tschernobyl stammt. Der Atomik-Wodka soll harmlos sein.

Wer Atomik-Wodka trinkt, ist danach vielleicht verstrahlt, aber nicht radioaktiv
University of Portsmouth/ AFP

Wer Atomik-Wodka trinkt, ist danach vielleicht verstrahlt, aber nicht radioaktiv


Atomar ist alles auf dieser Welt. Insofern ist der Markenname Atomik strenggenommen nichts Besonderes für einen Wodka. Was den Schnaps einzigartig macht, ist seine Grundzutat. Britische und ukrainische Wissenschaftler haben ihn aus Getreide gebrannt, das aus der Todeszone stammt: 30 Kilometer Sperrgebiet rund um Tschernobyl.

Doch tödlich ist an diesem Wodka gar nichts: Obwohl der Name Atomik das Gegenteil vermuten lässt, ist der Alkohol nach Angaben der Forscher von der Universität in Portsmouth nicht radioaktiv. Demnach wurde in dem Getreide aus der Gegend um das Unglücks-Atomkraftwerk zwar Radioaktivität gemessen, im Wodka war davon nach dem Destillationsprozess jedoch nichts mehr nachzuweisen. Auch das Wasser für den Schnaps stammt aus der Gegend.

Hilfe zur Selbsthilfe

"Meiner Meinung nach ist das die wichtigste Flasche Alkohol auf der Welt, weil sie dabei helfen könnte, dass sich die Bewohner in und um die Sperrzone wirtschaftlich erholen", sagte der am Projekt beteiligte Universitätsprofessor Jim Smith der Nachrichtenagentur AFP. Kommerzielle Landwirtschaft ist dort noch immer verboten.

"Wir sind nicht der Meinung, dass die Hauptsperrzone viel für Landwirtschaft genutzt werden sollte, weil sie mittlerweile ein Naturschutzgebiet ist", so Smith. Es gebe aber Gegenden, in denen inzwischen wieder Menschen lebten. Ihnen soll mit der Vermarktung von Atomik geholfen werden.

Bislang gibt es nur die eine Flasche. Doch Smith und seine Wissenschaftlerkollegen wollen ein Unternehmen gründen und 2020 mit der Produktion beginnen. 75 Prozent der Gewinne aus dem Verkauf sollen den Einheimischen zukommen.

Block 4 des sowjetischen Atomkraftwerks Tschernobyl war in den Morgenstunden des 26. Aprils 1986 explodiert. Der Atomunfall verstrahlte die Umgebung und schickte eine radioaktive Wolke über Europa. Aus dem Umkreis des Reaktors mussten etwa 350.000 Anwohner evakuiert werden. Es könnte noch zwei, drei Jahrhunderte dauern, bis eine Rückkehr in die Region wirklich frei von Strahlungsrisiken ist.

Anders der Atomik-Wodka. Nach übermäßigem Konsum mag man sich vielleicht verstrahlt vorkommen, aber das ist dann einfach nur ein veritabler Brummschädel.

löw/AFP



insgesamt 7 Beiträge
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der Pöter 09.08.2019
1. Selber schuld,
wer diese Brühe trinkt.
Grünwild 09.08.2019
2. Der Atomik-Wodka soll harmlos sein
So "harmlos" wie Ethanol eben ist.
mirage122 09.08.2019
3. Wirtschaftlich erholen?
Und das soll der Beitrag sein, um den Menschen im verstrahlten Gebiet zu helfen? Wer auf solche Sprüche herein fällt, darf das Gesöff gerne trinken. Wäre es nicht ehrlicher, entweder zu spenden oder Möglichkeiten zur Selbsthilfe anzubieten? So ist das in meinen Augen eine Gefährdung seiner Mitmenschen und schon fast sowas wie Mord!
NuclearSavety 09.08.2019
4. Warum dieser Hass hier?
Ist es nicht gut, dass Bauern wieder ein Einkommen haben? Die radioaktive Kontamination um Chernobyl besteht primär aus Cesium, Strointium und Barium. Diese Elemente kann man durch Destilation aus dem Getreide entfernen und daher Alkohol brennen der unterhalb der Grenzwerte für Nahrungsmittel liegt.... wobei normaler Strassenbelag durch natürliche radioaktive Elemente wie Kalium40 den Grenzwert für Nahrung ja schon reist ... unabhängig ob man Strassenbelag essen sollte ...
ulrich.dh 09.08.2019
5. Aller Anfang ist schwer
Nach 33 Jahren entdeckt der Tourismus Tschernobyl und da müssen natürlich auch die Souvenirläden etwas bieten. Wodka ist da naheliegend. Gute Idee im Grunde. Wäre aber auch interessant zu erfahren, wie die Brennerei wegen des vermutlich etwas zu radioaktiven Getreides das Verfahren, inkl. Beseitigung der Abfälle, anpassen muss um übermässige örtliche Belastung von Personal und Umwelt zu vermeiden. Ob sie den Destillationsrückstand verfüttern dürfen, oder kommt der in ein besonderes Zwischen/Endlager ??
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