Design in Comics Möbel für Superhelden

Designermöbel bei den Peanuts und eine Lampe, die aussieht wie Snoopy: Die Ausstellung "Living in a Box" zeigt, wie sich Design und Comics beeinflussen. Denn manchmal werden die Bilder Wirklichkeit.

Guido Crepax/ Archivio Crepax

Snoopy ist eine Comicfigur des US-amerikanischen Zeichners Charles M. Schulz: Hund und bester Freund des kleinen Charly Brown, außerdem "Joe Cool" und todesmutiger Pilot einer Hundehütte. Snoopy ist aber auch eine Tischlampe: länglicher Marmorsockel, unauffälliger Lichtknopf und Lampenschirm in Hundekopfform. Ausgedacht haben sich das zwei italienische Architekten. "Achille hat sie 1967 gemeinsam mit seinem Bruder Pier Giacomo Castiglioni entworfen. Der Schirm ähnelt einer langen Hundeschnauze", erklärt Erika Pinner. Sie ist die Kuratorin der Ausstellung "Living in a Box".

Die Snoopy-Leuchte ist eines von mehreren Beispielen, entlang derer das Vitra Design Museum derzeit eine Verbindung zieht zwischen Design und Comics. Das Interessante an der Hundelampe ist, dass sie sowohl mit dem Wissen um ihr gezeichnetes Vorbild funktioniert als auch völlig ohne. Bis heute wird sie produziert und verkauft. Die Leuchte ist für Pinner beides: "eine lustige, verspielte Comicfigur und ein luxuriöses Statussymbol". Und damit das ideale Exponat für ihre Ausstellung.

"Design und Comics" lautet der Untertitel, der von Pinner kuratierten Werkschau. Die Snoopy-Lampe entdeckte sie zuerst in Mailand, in der Fondazione Achille Castiglioni, wo sie über das Werk des Designers recherchierte. Weil die "Peanuts" früher ihr Lieblingscomic waren, konnte sie das Objekt damals gar nicht übersehen. Es stand neben der italienischen Ausgabe der "Peanuts" im Bücherregal.

Fotostrecke

20  Bilder
Fotostrecke: Wie sich Design und Comics beeinflussen

Genügend Material für ihre aktuelle Ausstellung hatte Pinner bald zusammen. Es habe nicht lange gedauert, bis sie genügend Beispiele für die Verknüpfungen aus gezeichneter und gebauter Welt gefunden habe, so Pinner. Die Welt sei voller Querverweise und gegenseitiger Bezüge. Mal lieferten Comics die Idee für Möbelstücke wie im Fall der Castiglioni-Leuchte, mal möblierten Zeichner ihre Welt mit realen Vorbildern. Auch dafür eignen sich die Peanuts als Anschauungsmaterial.

Wer genau hinschaut, erkennt, wie viele Designermöbel Charles M. Schulz in seinen Comics untergebracht hatte: "Den LCW Chair von Charles und Ray Eames, den Butterfly Chair von Grupo Austral oder den Barwa Chair von Edgar O. Bartolucci und Jack Waldheim", nennt Pinner einige Beispiele.

Vom Comic in den Laden

Es gibt sogar Menschen, die sind beides: Comiczeichner und Produktdesigner, Javier Mariscal zum Beispiel. Der Spanier veröffentlichte 1977 den Comic "Este Verano te vas a enamorar". Die Bilder des Comicstrips sind typisch für den Illustrator: wuseliges Gedrängel und flirrende Linien. Eine Szene spielt in einer Bar. Im Hintergrund sind Barhocker zu sehen. Die bunten Beine sind so krumm und schief, dass vermutlich kaum ein Leser je auf die Idee gekommen wäre, einmal darauf Platz nehmen zu können. Und doch wurden sie Wirklichkeit.

Stuhl des Designers und Zeichners Javier Mariscal
Vitra Design Museum/ Foto: Ju¿rgen Hans

Stuhl des Designers und Zeichners Javier Mariscal

Auf roten, gelben und blauen Beinen standen sie ab 1980 am Tresen einer Bar in Valencia. Drei Jahre später ging der Duplex - die Stühle wurden benannt nach der Bar - in Serie. Bis auf Kleinigkeiten wurden sie originalgetreu produziert: Sitzfläche und Fußablage waren schwarz statt grau, außerdem gab es einen zusätzlichen Verstärkungsring um die Beine. Sie sahen aus, wie Mariscals Fantasie entsprungen.

Memphis-Mastermind Ettore Sottsass lud den Spanier daraufhin 1981 ein zur "International Style"-Ausstellung in Mailand. Nur wenige Jahre später hatte Mariscal bereits seine eigene Schau im Centre Georges Pompidou in Paris. 1989 gründete er mit Estudio Mariscal schließlich sein eigenes Designstudio. Im Angebot Vasen mit Hut und ein Stuhl mit Mickymaus-Ohren - benannt nach Mariscals Comicgeschichte "Garriris". "Die Übertragung von Comicmöbeln in die reale Welt ist sehr deutlich in seiner Arbeit zu erkennen", sagt Erika Pinner. Denn die Möbel seien "frech" - ganz wie die Hauptdarsteller in Mariscals Comics.


"Living in a Box. Design und Comics" noch bis zum 20. Oktober 2019 im Vitra Schaudepot.



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
BoMo_UAE 05.07.2019
1. Moebeldesign & Comics
Ich besitze selbst einige der hier gezeigten Moebel und bin leidenschaftlicher Comicleser. Frueher zeichnete ich sie selbst und designte auch Moebel und Lautsprecherboxen. Fuer mich gehoren Moebeldesign und Comics fast untrennbar zusammen.
mimas101 05.07.2019
2. Hmm
Obwohl mein Lieblingssessel von einem japanischen Meister designed wurde tauchte er hier nicht auf. :( Er ist schick geschwungen, aus mehrfach verleimten Holz und in einem Selbstbaumöbelhaus, dem man das Erbe des Bauhaus nachsagt, mit allerlei unmöglichen Sitzkissen erhältlich und geschwind aufzubauen. Leider ist aber zu wenig Klettverschluß dabei so das die Sitzkissen laufend verrutschen. Und die Imbusschrauben müssen regelmäßig nachgezogen werden. Wenn ich mich da hineinsetze und die Füße auf den dazugehörigen Hocker lege schwingt mich der Sessel auch immer binnen 10 Minuten in den Schlaf. Kann also ein Alu-Gestühl mit Schmetterlingsbezug und unerreichbarem Couchtisch schöner sein oder ist mein Sessel nicht irgendwie sesseliger?
dasfred 06.07.2019
3. Etwas ließ mich stutzig werden
Gut, die Möbel wirken modern. Im Grunde gehören sie aber zu den wenigen Objekten, die die Jahrzehnte überlebt haben. Die Häuser, für die sie gebaut wurden, gibt's nicht mehr, die Kleidung in der man sich auf die Sessel setzte ist mega Out. Sie sind eigentlich nur noch Versatzstücke einer früheren Kultur, rausgelöst aus ihrem originären Zusammenhang.
Papazaca 06.07.2019
4. Geheimnisvoller Sessel
Zitat von mimas101Obwohl mein Lieblingssessel von einem japanischen Meister designed wurde tauchte er hier nicht auf. :( Er ist schick geschwungen, aus mehrfach verleimten Holz und in einem Selbstbaumöbelhaus, dem man das Erbe des Bauhaus nachsagt, mit allerlei unmöglichen Sitzkissen erhältlich und geschwind aufzubauen. Leider ist aber zu wenig Klettverschluß dabei so das die Sitzkissen laufend verrutschen. Und die Imbusschrauben müssen regelmäßig nachgezogen werden. Wenn ich mich da hineinsetze und die Füße auf den dazugehörigen Hocker lege schwingt mich der Sessel auch immer binnen 10 Minuten in den Schlaf. Kann also ein Alu-Gestühl mit Schmetterlingsbezug und unerreichbarem Couchtisch schöner sein oder ist mein Sessel nicht irgendwie sesseliger?
Lustigerweise interessierte mich der Sessel, weil nie sein Name genannt wurde oder der Namen seines Designer. Selbst der Name des Möbelhauses wurde umschrieben. Sehr geheimnisvoll. Handelt es sich um den Schwingsessel "Poäng", designed von Nakamura und verkauft bei Ikea? Die einfache, elegante Linie erinnert wirklich an skandinavische Möbel. Leider gefällt er mir nicht. Schade, weil er mit 100 Euro wirklich preiswert ist. Aber es hat mich animiert, mir mal ein "Ikea" in nächster Zeit anzusehen. Warum Comics und Designermöbel oft zusammen gehören? Diese Möbel gefallen oft auch den Zeichner der Comics, außerdem besitzen sie oft sehr moderne Möbel und die Möbel machen sich eben auch gut in einem Comic. Wo wir von japanischen Möbel reden: Der Stahlsessel von Kuramata und der Sofatisch von Noguchi machen sich in jedem Comic gut. Und ja, haben japanische Farbholzschnitte nicht eine Anmutung, die an Comics erinnern?
Papazaca 06.07.2019
5. Guter Bericht über eine interessante Ausstellung
Über diesen Bericht freue ich besonders, weil er ein Thema anspricht, das immer im Raum stand, aber meines Wissen nie so thematisiert wurde. Übrigens, "meine Tahiti" von Ettore Sottsass erinnert auch sehr stark an Donald Duck und Disney. Fazit: Eine Reise zu Vitra - und damit auch ein Besuch in Basel ist fällig. Und in Basel ist auch immer viel zu sehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.