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Bas Smets Eine grüne Lunge für Notre-Dame

aus DER SPIEGEL 28/2022
Foto:

Eric Tschaen / REA / laif

Eher selten, dass man an einer so historischen Stelle einer Stadt etwas Neues wagen kann. Ohne den verheerenden Brand von Notre-Dame im April 2019 wäre es undenkbar. Nun aber darf der belgische Landschaftsarchitekt Bas Smets, 47, den Vorplatz der Pariser Kathedrale umgestalten, der seit drei Jahren eine Großbaustelle ist. Smets’ puristischer Entwurf gewann den international ausgeschriebenen Wettbewerb, weil er der Architektur der Kathedrale keine Konkurrenz mache, wie die Jury betonte. Und auch, weil er den klimapolitischen Herausforderungen der kommenden Jahre gerecht werde. Smets erklärte, er habe den neuen Vorplatz wie eine Waldlichtung angelegt, um die Fassade der Kirche zur Geltung zu bringen. Die vielen Bäume, die er pflanzen lassen will, sollen Wind begünstigen, aber auch die Temperaturen an diesem Ort der Stadt senken. Ein kleiner Wasserlauf, den sein Entwurf ebenfalls vorsieht, dient demselben Zweck – die Verdunstung schafft Kühlung in den heißen Monaten des Jahres.

Das steinerne Paris, in dem es pro Einwohner weniger Quadratmeter Grünflächen gibt als in vielen anderen Metropolen, kämpft seit Jahren gegen kontinuierlich steigende Tempera­turen. Im Sommer 2019 wurden erstmals Rekordwerte von 42,6 Grad Celsius mitten in der Stadt gemessen. Smets’ Entwurf erweitert die Vegetation um Notre-­Dame um fast 40 Prozent – und verschafft der Stadt somit eine kleine grüne Lunge im Zentrum. Der Belgier sucht seit Jahren nach städtebaulichen Lösungen angesichts des Klimawandels. Im südfranzösischen Arles legte er auf dem Gelände des Luma-Museums einen riesigen Park in einer ehemaligen Industriebrache an – mit einem künstlichen Teich, 80.000 Pflanzen und 1100 neu gepflanzten Bäumen. In der Folge sanken die Temperaturen dort um vier Grad.

bsa
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