Fotokunst aus dem Hubschrauber Alles in Ordnung

Autos, Pauschaltouristen, Sonnenschirme - der Münchner Fotograf Bernhard Lang knipst seine Bilder aus dem Flieger oder Hubschrauber. Von oben wirkt alles klein und nichtig. Und durch die Ordnung wie ein abstraktes Gemälde.

Bernhard Lang

Wenn Bernhard Lang Bilder für seine Serie "Aerial Views" knipst, sieht sein Arbeitsalltag ziemlich aufregend aus: Der Münchner Fotograf chartert einen Hubschrauber oder ein Sportflugzeug, dann lässt er den Piloten in bis zu tausend Metern Höhe Schleifen drehen. Ganz ruhig, damit das Bild nicht verwackelt.

Sie fliegen über Häfen mit übereinandergestapelten Containern, Parkplätze mit Tausenden Autos oder die Sonnenschirme eines Strandes an der Adria. Erst von oben zeigt sich, wie ordentlich alles in Reihen steht. Teilweise wirkt diese Ordnung regelrecht hypnotisch.

Lang ist nur locker angeschnallt. Wenn ihm gefällt, was er sieht, beugt er sich mit dem Oberkörper aus dem Flieger und drückt auf den Auslöser. Denn genau das fasziniert ihn an dieser Perspektive. "Dinge, die von unten gesehen gewöhnlich wirken, werden aus der Sicht von oben zu interessanten Formen und Mustern, die einem abstrakten Gemälde ähneln", sagt er SPIEGEL ONLINE.

Die Menschen und ihr Tun wirken klein und nichtig

Seit 2010 lichtet er nun schon aus luftiger Höhe Bilder für seine Serie "Arieal Views" ab. Die meisten in 2D-Optik, denn Lang fotografiert im 90-Grad-Winkel zur Erde. Mit seinen Bildern vom Bremerhafen gewann er bei der International Photography Awards competition 2014 den dritten Platz in der Kategorie Architecture-Industrial.

Seine Werke bewirken ähnliches wie Fotos aus dem All: Sie schaffen Abstand, räumlich und mental. "Von oben wirken die Menschen und ihr Tun klein und nichtig. Wir sind nicht so wichtig, wie wir uns selbst gern nehmen", sagt Lang.

Auf der anderen Seite zeigten die Bilder auch, wie sehr der Mensch die Umwelt nahezu komplett vereinnahmt habe und es kaum noch unberührte Flecken gebe. Auch darauf möchte Lang hinweisen, sagt er.

Am Strand von Rimini etwa liegen die Touristen in Reih und Glied unter ihren Sonnenschirmen. Ein Bild, das zeigt, wie sehr der Mensch die Umwelt nahezu komplett vereinnahmt hat. Unberührte Flecken gibt es kaum noch. Auch das möchte Lang zeigen, sagt er. Aber es gibt sie eben doch, die fast verlassenen Orte - und Lang findet sie. Eines seiner Fotos zeigt etwa eine Schwimmerin im bayerischen Staffelsee, die nichts weiter umgibt als das Wasser.

jkö



insgesamt 5 Beiträge
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dasistnurmeinemeinung 26.11.2014
1. Der Blickwinkel verführt zu falscher Schlussfolgerung
Zitat: "..."Von oben wirken die Menschen und ihr Tun klein und nichtig. Wir sind nicht so wichtig, wie wir uns selbst gern nehmen", sagt Lang." Das sind witzige und durch die Abstraktion des Blickwinkels anspruchsvolle Fotos. Die Darstellungen erinnern an Wettbewerbszeichnungen aus Architekturentwürfen. Aus dieser Abgehobenheit allerdings zu folgern, daß wir alle garnicht so wichtig sind, ist jedoch fatal. Vielleicht sollte Herr Lang zur Abwechslung eine Portraitreihe dazwischenschieben, um den Blick für das Individuum wieder zu finden. Denn die Individuen formen die Bilder, die er fotografiert und die er dabei aus seiner Sicht verloren hat.
obiwantobi 26.11.2014
2. Zu oft gesehen
Diese Idee, das senkrechte Fotografieren aus dieser Höhe, ist so markant und prägnant, dass es in diesem Fall leider nur noch wie ein Abklatsch wirkt. Das haben andere schon früher und besser gemacht, man beachte zum Beispiel Yann Arthus-Bertrand und Stephan Zirwes. Besonders zu Letzterem wäre mir persönlich die Ähnlichkeit zu groß.
armi-nator 26.11.2014
3. Hubschrauber
Gut, dass man für solche Hobbyspäße im Zeitalter der Modell-Quadcopter die überflogenen Land- und Gesellschaften nicht mehr mit Lärm und Abgasen aus einem Hubschrauber quälen muss.
smartphone 26.11.2014
4. Wie oft hyped man....
den Fotografen noch ? Das ist mindestens der dritte Artikel "in der Sache"..... Es ist klar , daß solche Fotos vom Motiv / Location leben ... Aber In Zeitender o.g. seit übrigens fast 8 (!) Jahre hierfür eingesetzten Multicopter oder Modellflugzeug -UAVs ist das Thema "kalter Kaffee".......
elmartino110 26.11.2014
5. KEIN VERGLEICH zu anderen!!
Ich muss mich meinem Vorredner anschließen. Das Thema Luftaufnahmen ist nicht neu und von anderen deutlich BESSER umgesetzt. Die Unentschlossenheit in der Aufnahmeart fällt mir bei Lang besonders negativ auf; mal direkt senkrecht, dann aber wieder leicht schräg, was die Aufnahmen banal wirken lassen da der strenge grafische Eindruck von oben dabei überhaupt nicht zur Geltung kommt. Auch ist die Auswahl der Motive und deren Framing absolut langweilig. Es reicht nicht einfach nur im Heli überm Starnberger See zu kreisen und abzudrücken! Da sollte man wirklich mal die Bilder von STEPHAN ZIRWES anschauen, der seit mehr als 12 Jahren dieses Thema stringent verfolgt und ausbaut. Schaut man sich seine vielseitigen und streng komponierten Bildwelten an fällt dem geneigten Betrachter erstmal auf, was ein ausschließlich senkrechter Blick auf die Erde für wahnwitzige Muster offenbart. Un die setzt er außergewöhnlich in Szene finde ich! Gegen die weltweit entstandenen und aufregend komponierten Bildwelten von Zirwes sind Lang´s Bilder leider nur langweiligster Abklatsch!
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