Mit der Innengestaltung dieses Penthouses in Berlin hat das Büro Ester Bruzkus Architekten den Preis »Best of Interior« gewonnen
Mit der Innengestaltung dieses Penthouses in Berlin hat das Büro Ester Bruzkus Architekten den Preis »Best of Interior« gewonnen
Foto: Robert Rieger

Prämiertes Penthouse in Berlin Marmor, Stein und Tageslicht

Mit den »Best of Interior«-Awards werden talentierte Innenarchitektinnen und -architekten ausgezeichnet. 2021 geht der Preis an eine Berlinerin für die Gestaltung eines Penthouse in der Stadt – mit viel Grün, Marmor und Raffinesse.
Von Philipp Löwe

Dieses Penthouse über den Dächern Berlins ist wahrlich grün. Zum einen wollten die Bewohner auf den Einsatz tierischer Produkte verzichten; Leder, Seide oder Schurwolle fielen flach als Gestaltungselemente. Für einen talentierten Innenarchitekten ist das allein keine Herausforderung. Schwieriger wird es bei einem froschgrünen Raumteiler, der als zentrales Element in den Wohnraum integriert werden sollte. Den in Szene zu setzen, ist schon kniffliger.

»Es ist eigentlich eine simple Idee und eine wirkungsvolle noch dazu«, so die Architektin Ester Bruzkus über ihren Ansatz, für den sie und gemeinsam mit Peter Greenberg kürzlich mit dem »Best of Interior «-Preis ausgezeichnet wurde. Für ihr Büro Ester Bruzkus Architekten  ist es bereits die zweite Auszeichnung. Sie hatte schon den Wettbewerb 2018 gewonnen.

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Penthouse mit Wohncontainer

Foto: Robert Rieger

Im Projekt »The Green Box« strukturierte sie die 120 Quadratmeter Wohnfläche mit einem Element, an das sich alles anschließt, was man zum Leben braucht: das Bad, die Küche, ein Kleiderschrank und ein Bücherregal. Trennwände hat die Neubauwohnung nicht. Der komplette Raum wird durch die Einheit aus lackiertem Holz gegliedert.

Abgeguckt haben sich die Architekten die Idee bei dem deutschen »Weniger ist mehr«-Künstler Mies van der Rohe . Der hatte 1950/51 so etwas Ähnliches für die Ärztin Edith Brooks Farnsworth gebaut. Heute ist das Farnsworth-House in Plano, Illinois, ein Klassiker der modernen Architektur. Damals war die Auftraggeberin alles andere als begeistert von so wenig Haus und so viel Glas und zog vor Gericht wegen »Unbewohnbarkeit«. Möbel umstellen, ja selbst das Aufhängen eines Kleiderbügels werde in der Konstruktion des Architekten zur unlösbaren Aufgabe, klagte Farnsworth seinerzeit.

Zumindest über die Sichtbarkeit solch profaner Dinge wie Kleiderbügel müssen sich die Berliner Penthouse-Besitzer nicht sorgen. Einer der Vorteile eines hoch oben angesiedelten Wohnraums ist ja seine Uneinsehbarkeit. Viel Spielraum bei der Platzierung ihrer Designermöbel bleibt allerdings auch ihnen nicht. Es ist ja aber ohnehin fast alles maßgefertigt eingepasst.

Zu den optischen Highlights gehört neben dem Raumteiler ein aus Messing, rosa Kalkstein und Marmor gebauter Kamin. Er kontrastiert das grüne Zentrum der Wohnung. Dieses Grün wird aufgegriffen im Marmorwaschtisch und im Kopfteil des Bettes, das nach einer Vorlage des Wiener Architekten Josef Frank bespannt ist. Hier und da schimmert auch violetter Quarzit. Kräftige Farben, die einen ruhigen Hintergrund brauchen – so wie das Grau vom Sichtbeton der Außenwände und Decken oder den hellen Eichenholzboden.

Das Gesamtpaket aus Minimalismus, mutigen Farb- und Materialkombinationen sowie einer »ungewöhnlichen Raumdenke« gab für die Jury letztlich den Ausschlag: »So konsequent modern gestaltet, wie sich Interieurbegeisterte dies nur wünschen können«, schreibt die »Schöner Wohnen«-Chefredakteurin Christina Gath, die der Jury angehörte, in ihrer Laudatio.

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