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Kunstsammlerwohnung in München: Offenes Wohnen mal anders

Foto: Boo Yeah/ Callwey

Sanierungsprojekt in München Budenzauber

Auch in der langweiligsten Nachkriegswohnung steckt ein modernes Apartment, wie dieses Umbauprojekt in München zeigt. Außer farbigem Linoleum erinnert hier nichts mehr an die Fünfzigerjahre.

Was aus einer verschachtelten Fünfzigerjahrebude werden kann, zeigt das Architektenduo Sascha Arnold und Steffen Werner mit dieser zweigeschossigen Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing. Wo früher kleine Räume waren, sorgt nun ein durchdachter Grundriss für Wohlfühlatmosphäre und Übersicht. Nachdem einige Zwischenwände abgebaut waren, gab es genug Platz für einen großzügigen Eingangsbereich, der in eine offene Küche übergeht.

Damit nicht von der Wohnungstür in die Töpfe geschaut werden kann, ließen die Architekten einen Rest der Wand stehen: zur Haustür hin, auf der Garderobenseite steht davor nun eine kleine Sitzbank zum Schuhe anziehen, gegenüber in der Küche platzierten die Architekten eine Anrichte mit salbeigrünen Linoleumfronten und einer weißen Marmorarbeitsplatte. Das Material ist ebenso eine Referenz an die Entstehungszeit der Wohnung wie die abgerundeten Kanten des Möbels.

Der Trick mit der verspiegelten Decke

Schwarz lackierte Balken und Spiegel an der Decke verbinden die Diele optisch mit der Küche und strecken den Raum zusätzlich in die Höhe. Das ist gut, denn von der Küche geht es in das Esszimmer mit sechs Metern Deckenhöhe. Der passende Raum für eine kleine Gemäldesammlung, großflächig in Petersburger Hängung über die Wand verteilt und beleuchtet von einer minimalistischen Kugelleuchte. Deren Kabel spannten Arnold und Werner kunstvoll über drei Punkte an der Decke, was wie ein weiteres Kunstwerk anmutet.

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Kunstsammlerwohnung in München: Offenes Wohnen mal anders

Foto: Boo Yeah/ Callwey

Neben den Bildern an der Wand zieht vor allem der orange leuchtende Raumtrenner die Blicke auf sich. Ein mutiges Designstatement - und gleichzeitig Verkleidung für eine Treppe, die nach oben führt in das Kinderzimmer der Wohnung. Die geschwungene Eichenholzblende der Treppe unterteilt den offenen Wohnraum in Essbereich und Fernsehzimmer. Ein Messingbandabschluss verleiht der Installation das gewisse Etwas.

Zu knalligem Orange passt dunkles Braun

In der gesamten Wohnung ist abgetönte Räuchereiche verlegt, im Leiterverband, damit es nicht zu klassisch wirkt. Die Holzfarbe passt auch gut zu den restlichen Einbauten und zu den schneeweißen Wänden. Die Wandfarbe lässt auch den Ringanker im Esszimmer gekonnt in Erscheinung treten. An dem Stabilisator durften die Architekten nicht herumspielen, er ist baulich vorgeschrieben, passt aber mit seinem Betongrau gut zur Sichtblende vor der Treppe.

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Neben dem Kinderzimmer ist im ersten Stock nur noch ein kleines Badezimmer untergebracht. Das große Bad sowie das Elternschlafzimmer liegen beide im unteren Teil der Wohnung, die von einem Kunstsammler bewohnt wird.

Es sei erfreulich, dass die beiden Architekten in diesem Fall der Versuchung widerstanden hätten, alles zu öffnen, wie es Architekten bei kleinen Wohnung häufig täten, schreibt die Expertenjury des "Best of Interior"-Preises zur Arbeit von Arnold und Werner, für die es eine Auszeichnung gab. Denn: "Das Team von Arnold / Werner denkt das offene Wohnen hier mal anders. Und so will man doch einfach wohnen!"

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