Architektur von Renzo Piano Luftig und wuchtig

Renzo Piano ist der Mann der Museen und Hochhäuser. Seine Architektur ist geprägt von einer transparenten Hightech-Bauweise. Eine neue Monografie zeigt seine fünf Jahrzehnte umfassende Karriere in Bildern.

RPBW/ A.M.P.A.S./ L'Autre Image/ Taschen

Von außen sieht es aus wie ein futuristischer Industriebau: ein Quader aus Glas und Stahlgerüsten. Das Centre Pompidou steht aber nicht in einem Industriepark, sondern mitten im vierten Arrondissement von Paris, zwischen Galerien und Cafés. Über die 166 Meter breite Ostfassade schlängeln sich Rohrleitungen sechs Stockwerke in die Höhe. Unter Einheimischen heißt das Zentrum deshalb oft nur noch "La Raffinerie", die Raffinerie. Durch die Pipelines fließt allerdings kein Öl. Der Inhalt der Röhren lässt sich an ihren Farben erkennen: Blau für die Klimaanlagen, Gelb für die Elektrik.

Als "städtische Maschine" hatte der italienische Architekt Renzo Piano Ende der 1960er Jahre das Centre konzipiert. Als eine Fabrik, in der Kunst für jedermann gemacht werden sollte. Jenes "Schiff im Trockendock", wie er es auch nannte, gab einen ersten Vorgeschmack auf Pianos Architekturstil: wuchtig und luftig zugleich. Das Centre Pompidou war eines seiner frühesten Großprojekte. Doch schon damals konstruierte er aus schweren Materialien wie Stahl und Eisen weite, luftige Hallen, lichtdurchflutete Dachkonstruktionen wie etwa am Zentrum Paul Klee in Bern. Teilweise auch statisch kompliziertere Bauten wie den Flughafen Kansai: dessen Terminal liegt auf einer künstlichen Insel vor der Küste Japans, mitten in einer Erdbebenregion.

Das komplette Werk des Italieners hat der Autor Philip Jodidio für den Taschen Verlag in einer aktualisierten Monografie zusammengestellt. Anhand von Fotografien, Skizzen und Plänen wird nachvollziehbar, wie sich der Stil und die Technik Pianos im Laufe seiner fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere verändert haben.

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Renzo Pianos Stil: Was für eine Leichtigkeit

Schon beim Centre Pompidou nutzte Piano eine ganz eigene Technik, um Räume transparent und trotzdem stabil zu machen: Mit speziellen Trägern schuf er Hallen, die auf den Innenflächen kaum noch Stützpfeiler brauchten. Die Besucher bewegen sich zwischen den Stockwerken mit einem Rolltreppenaufgang, der sich über die komplette Westfront zieht. Der verglaste Schlauch erinnert an das Rohrpostsystem aus dem Intro der Science-Fiction-Zeichentrick-Serie "Futurama". Die Szenerie wirkte schon 1978 spacig, weswegen Teile des James-Bond-Films "Moonraker - Streng geheim" hier gedreht wurden.

Als Hightech will Piano seine Bauwerke allerdings nicht verstanden wissen. Er nannte das Centre eine bewusste "Provokation". Der Architekt wollte herausfinden, wie streng geometrische Technik zu einem luftigen Raum werden kann. Wie man mit möglichst wenig Material möglichst große Dächer tragen kann. Ein Beispiel dafür ist seine Biosphäre in Genua, ein künstlicher Miniatur-Regenwald in einer Blase aus Glas, die Piano Mitte der 1980er-Jahre über ein Stahlgerüst am Porto Antico stülpte. Durch das in sechseckige Flächen gegliederte Glas wirken die Palmen und Sträucher als wären sie in eine Schneekugel eingeschlossen.

Preisabfragezeitpunkt:
25.05.2019, 15:40 Uhr
Ohne Gewähr

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Philip Jodidio
Piano. Complete Works 1966–Today

Verlag:
TASCHEN
Seiten:
688
Preis:
EUR 150,00

Piano experimentiert in seinen Bauwerken auch immer wieder mit Licht und Schatten. Eines seiner bekanntesten Werke ist das Ausstellungsgebäude der Menil Collection in Texas. Das Dachtragwerk besteht aus schwerem Zementmörtel. Dazwischen aber liegen bewegliche Tragflächen, die sich an die Lichtverhältnisse anpassen lassen. Am Potsdamer Platz in Berlin mit der Nummer 11 ließ er ein dreieckiges 21-stöckiges Hochhaus errichten. 70 Meter hoch, mit einer Doppelfassade aus Glas. Die Rolltreppenschläuche an den Flanken erinnern hier ein wenig an das Centre Pompidou.

Aktuell arbeitet Renzo Piano unter anderem am Neubau der Morandi-Brücke bei Genua, die im Sommer 2018 auf einer Länge von rund 100 Metern eingestürzt ist. Die neue Brücke soll einen Kilometer lang werden, beleuchtet mit 43 Lampen. Eine für jedes Todesopfer der Katastrophe.

Als weltbekannter Baumeister aus Italien, in dessen Büros seit Jahren Architekten, Ingenieure und andere Spezialisten zusammenarbeiten, ist Renzo Piano genau der richtige für den Job.



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hendrikstindt 06.05.2019
1.
Sie müssen es verhindern,daß Clarke Jacinda womöglich nicht heiraten kann,das wäre doch schrecklich,alles wegen so einem beschissenen Ring,Clarke hat Jacinda doch so lange den Hof gemacht,da müssen Sie auch noch einen Bericht machen,die Vorgschichte,wie lange sie sich schon heimlich lieben,so was halt,was die Leute so interessiert,legen Sie los.
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