Fischmotiv auf der Krawatte Johnsons subtile Botschaft

Der Fischfang war ein zentrales Konfliktthema in den Brexit-Verhandlungen. Das spiegelte auch die Krawatte mit Fischmotiven wider, die der britische Premierminister bei der Verkündung des Handelsabkommens trug.
Boris Johnsons Krawatte an Heiligabend: Mit Fischmotiv

Boris Johnsons Krawatte an Heiligabend: Mit Fischmotiv

Foto: Paul Grover / dpa

Der britische Premierminister Boris Johnson hat bei der Verkündung des Brexit-Handelspakts mit der EU subtil an eines der am härtesten umstrittenen Verhandlungsthemen erinnert. Viele kleine Fische zierten seine dunkle Krawatte, als er an Heiligabend in London den Durchbruch bei den monatelangen Verhandlungen verkündete. Bis zuletzt war der Zugang von EU-Fischern zu britischen Gewässern eines der umstrittensten Themen zwischen London und Brüssel.

Bei einem Abendessen von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit Johnson hatten kürzlich bereits die Brüsseler Köche Seitenhiebe aufs Thema Fischerei serviert: Zur Vorspeise gab es Jakobsmuscheln – um die im Ärmelkanal ein erbitterter Streit zwischen Frankreich und Großbritannien getobt hatte. Das Handelsabkommen nach dem Brexit sieht nun eine Übergangszeit von fünfeinhalb Jahren für die Kürzung der Fangquoten für EU-Fischer vor.

Fischereifrage verhinderte offenbar Durchbruch

Wie EU-Vertreter erklärten, wurde mit Großbritannien in dieser Zeit eine Verringerung der Fangmengen um 25 Prozent vereinbart. Ab Juni 2026 solle dann jährlich erneut über die Fangquoten mit Großbritannien verhandelt werden. Die Verhandlungsführer von Großbritannien und der EU hatten sich nach zehn Monaten auf ein Handelsabkommen nach dem Brexit geeinigt. Die Fischereifrage war bis zuletzt eines der zentralen Streitthemen. Seit Mittwoch war das Thema nach Angaben aus EU-Kreisen der Punkt, der einen Durchbruch noch verhinderte.

Details zu den betroffenen Fischarten seien noch nicht beschlossen worden, hieß es aus EU-Kreisen. EU-Fischer hätten in der Übergangszeit bis Mitte 2026 aber weiter Zugang zu der Fangzone zwischen sechs und zwölf Meilen vor der britischen Küste.

EU-Fischer fangen Meerestiere im Wert von jährlich rund 650 Millionen Euro in britischen Gewässern. Trotz des geringen wirtschaftlichen Gewichts ist der Sektor für Mitgliedstaaten wie Frankreich, die Niederlande, Dänemark und Irland von großer politischer und sozialer Bedeutung. Auf der anderen Seite ist die Kontrolle über die eigenen Gewässer für viele Briten zum Symbol der durch den Brexit wiedergewonnenen Souveränität geworden.

ene/dpa/AFP