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Der Wurm drin – die Gartenkolumne Angst vor dem Mulch

Ich überlege, mir einen Häcksler anzuschaffen. Allerdings: Ein alter »Tatort« wirkt nach. Und am Ende freuen sich vor allem die Schnecken, wenn ich Hackschnitzel auf den Beeten verteile.
Von Barbara Supp

Eine der besten »Tatort«-Folgen spielt in der Pfalz, sie heißt »Tod im Häcksler « und handelt genau davon: von einem Toten in einem Häcksler, und er hat Spuren hinterlassen. Bei manchen Pfälzern, die beleidigt darauf hinwiesen, dass das kein sozialer Brauch sei in der Pfalz, dass man Menschen in Häcksler steckt. Und bei mir. Ich mochte diesen »Tatort«, aber das Wort Häcksler hat bei mir seitdem einen unguten Klang.

Andererseits stand neulich der Nachbar neben einem enormen Haufen von Obstbaumschnitt und fütterte sinnend ein gar nicht mal so lautes Gerät damit. Mit den Hackschnitzeln werde er seine Himbeeren mulchen, sagte er. Zwei Tage verbrachte er mit den Ästen und dem Gerät, sein Kater saß interessiert daneben und schaute sich an, was der Nachbar tat, es wirkte geradezu meditativ.

Also vielleicht doch? Ein Häcksler?

Anders als mein Mitgärtner bin ich eher kein Maschinenmensch, ich falle auf anderes rein. Etwa darauf, dass man mir von klassisch geformten, seit Generationen so produzierten, liebevoll hergestellten Gießkannen erzählt, Gießkannen ohne Plastik, aber mit Geschichte, die dann fürchterlich schwer sind, was sich bei einer 10-Liter-Kanne rächt.

Aber ein Häcksler – er verwandelt Lästiges (Obstbaumschnitt) in Wunderbares, in Kompostmaterial, in Mulch. Also googeln, in der Welt der Häcksler. Wie jedes Mal, wenn ich in fremde Welten tauche, kann ich mich über neue Wörter dort freuen.

Sicherheitseinfülltrichter.
Selbsteinzug.
Wiederanlaufsicherung.
Block-Release-System.

Ich wünschte mir ein Block-Release-System, unbedingt. Ich verfiel sofort diesen Wörtern, ich fand, sie haben eine eigene Poesie:

Der Verriegelungsgriff
des integrierten Fangkorbes
ist mit einer Sicherheitsabschaltung ausgestattet,
die den Motor
beim Herausziehen des Fangkorbes
ausschaltet.

Fange ich ein neues Leben an? Mulchend?

Ich besuchte dann meine prosaische Freundin, die immer schon maschinenaffiner war als ich – ihre Teigknetmaschine! ihr Hochdruckreiniger! – und die natürlich auch einen Häcksler hat.

Einen Walzenhäcksler mit Turbine Cut System, so heißt das. Die Äste, die er frisst, sind bis zu zwei Finger breit. Das Gerät hat selbstverständlich ein Block-Release-System, mit dem sich Blockierungen entfernen lassen, ohne den Trichter abzumontieren, es reicht mir bis zur Hüfte und hat den Umfang eines Gartenstuhls, das geht. Er ist leise genug, um bei ihr im Garten eines Mehrfamilienhauses betrieben zu werden. Der Kater meiner Freundin allerdings, auch sie hat einen, sitzt nicht meditativ daneben, wenn sie häckselt; er hat anderes zu tun. Oder er mag das Geräusch nicht. Es ist aber wirklich nicht lauter als bei einem Motorrasenmäher; nur höher. Sie zeigte mir die Hackschnitzel, die im Fangkorb landen – also manche Restäste sind ein wenig lang, aber sie verrotten trotzdem ganz gut, meint sie.

Womit wir beim Mulchen wären.

Vielleicht bin ich jetzt ein Fall für die Selbsthilfegruppe »Gärtnern mit schlechtem Gewissen«, ich gebe es zu: Ich mulche nicht. Bisher nicht. Mulch soll die Erde feucht halten, Unkraut am Wachsen hindern  und dann den Boden verbessern, wenn er verrottet ist, aber ich habe mich bisher nach denen gerichtet, die sagen: Mulchst du, dann freuen sich die Schnecken. Die lieben das, parken ein unter Rindenschnitzeln, du glaubst, du tust deinen Zucchini etwas Gutes, aber dann guckst du einmal hin, einmal her, und weg sind die frischen Triebe.

Soll ich es ausprobieren? Fange ich ein neues Leben an? Häckselnd? Mulchend?

Mulch. Mulch. Schönes Wort eigentlich. Vielleicht muss es schon deswegen sein.

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