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Champagner-Alternativen Schaum mer mal

Edle, perlende Getränke kommen klassischerweise aus dem Nordosten Frankreichs. Aber auch andere Winzer wissen, wie man Schaumwein für besondere Ansprüche herstellt. Vier Empfehlungen für Weihnachten und Silvester.
Von Gerald Franz

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Champagner muss man nicht erklären. Jeder weiß, was es ist und dass es was taugt. Auch wenn sich die Allgemeingültigkeit dieser Aussage diskutieren ließe, signalisiert eine verschenkte Flasche Champagner zumindest Großzügigkeit. Oftmals ist es jedoch klüger, sein Geld für weniger bekannte Spitzenprodukte auszugeben, statt auf womöglich mittelmäßige Champagner fixiert zu bleiben. Denn feinste Schaumweine gibt es nicht nur aus jenem berühmten Landstrich im Nordosten Frankreichs.

Spanischer Ausreißer

Zuerst geht es in den Südwesten Europas, nach Spanien. Mancher wird bei dem Gedanken an fragwürdigen Cava, der alle paar Wochen im Supermarkt verramscht wird, die Stirn runzeln. Einige Qualitätsbetriebe aus dem Kerngebiet des katalanischen Schaumweins, dem Penedès, haben auf diese Vorbehalte reagiert. Sie kehrten der Appellation Cava den Rücken und gründeten den Club Corpinnat (»Herz des Penedès«), der sich strengere Regeln setzt.

Gramona: »III Lustros«, circa 33 EUR

Gramona: »III Lustros«, circa 33 EUR

Foto: Gramona

Zu den Standards gehören Bioanbau, Handlese, eigene Verarbeitung und 18 Monate Reife. Der »III Lustros« aus dem Hause Gramona hat sogar sagenhafte 90 Monate auf der Hefe gelegen. Die siebeneinhalb Jahre Wartezeit waren es wert: am Gaumen druckvoll und mit der Klarheit eines kalten Bergbachs. Der Jahrgang 2013 leuchtet hell golden im Glas und duftet kühl kreidig, außerdem nach Litschi, Apfelkuchen und Sauerrahm. Dieser Brut Nature ist staubtrocken. Und geht mitten ins Herz.

Aus der Toskana

Natürlich gibt es in Italien hervorragenden Schaumwein, Franciacorta aus der Lombardei etwa. Die Toskana, weiter im Süden, ist eher für charaktervollen Rotwein bekannt. Ein ernst zu nehmender Schaumwein von dort besitzt also Überraschungspotenzial. Der Neue im Chianti-Gebiet heißt »Leonia« und wird in der Appellation Pomino bei Florenz hergestellt.

Frescobaldi: »Leonia«, circa 30 Euro

Frescobaldi: »Leonia«, circa 30 Euro

Foto: Frescobaldi

Drei Jahre durfte die 2017er Cuvée Brut aus Chardonnay und Pinot Noir von Frescobaldi auf der Hefe reifen. Sie duftet nach Hefezopf, gelben Früchten, roten Beeren und verströmt leicht rauchige Noten. Nimmt man einen Schluck, kommen eine strukturierte Mineralität und eine große zitrische Frische hinzu. Eine gelungene Verbindung von Frucht und Knackigkeit einerseits sowie der leichten Gebäcknote und Geschmeidigkeit eines Schaumweins mit langem Hefelager andererseits.

Für die Insel

Auch im Süden Englands hat sich in den vergangenen Jahren eine respektable Schaumwein-Kultur etabliert. Sogar die Queen trinkt nicht nur English Sparkling, sondern ist mit Trauben aus Windsor Great Park selbst ins Business eingestiegen. Für Schaumwein benötigt man wenig Zucker in den Trauben und viel erfrischende Säure. Das sollte in England doch klappen, weswegen übrigens nicht nur die Briten, sondern auch einige Champagnerhäuser dort mittlerweile Reben pflanzen.

Oxney Organic Estate: »Classic«, circa 40 Euro

Oxney Organic Estate: »Classic«, circa 40 Euro

Foto: Oxney

Der »Classic« von Oxney Organic Estate schimmert hell golden und duftet intensiv nach Brioche, außerdem etwas nach nassem Stein, herbem Apfel und nussigen Noten. Am Gaumen brotig, Winterapfel, ein klein bisschen Karamell und Zitronat. Der Schaumwein ist saftig, die Säure überraschend überschaubar. Mineralisch, cremige Perlage. Ein Wein für die einsame Insel.

Hochgenuss aus Niederösterreich

Der »Vintage« 2010 kommt von Schloss Gobelsburg aus Niederösterreich, wo seit 850 Jahren Wein angebaut wird. So lange durfte dieser Jahrgangssekt nicht reifen, aber zehn Winter waren es schon. Dieser Extra-Brut-Schaumwein steht hell golden und mit sehr feiner Perlage im Glas, dem ein vielschichtiges Bukett aus Hefegebäck, Nüssen, Champignons, reifer Butter, Weinkeller und Würze entsteigt. Einmal durchgeschwenkt kommt etwas traubige Frucht hinzu.

Schloss Gobelsburg: »Vintage« 2010, circa 60 Euro

Schloss Gobelsburg: »Vintage« 2010, circa 60 Euro

Foto: Schloss Gobelsburg

Am Gaumen dann auch Kernobst sowie ein zitrischer Frischekick, der im Abgang an Limette erinnert, bevor wieder die gereifte Aromatik dominiert. Eine cremige Textur schmeichelt der Zunge, auf der bei dem langen Nachhall auch eine deutliche Salzigkeit verbleibt. Sollte es mit dem Skiurlaub diesen Winter wieder nichts werden, gönnen Sie sich zumindest diesen Wein. Tipp: Das großartige Bukett entfaltet sich besser in einem Weißweinglas.

Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech .

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