Cookit von Bosch Die Thermomix-Alternative im Test

Jahrelang war der Vorwerk-Thermomix das Küchengerät für betreutes Kochen. Jetzt bringt Bosch mit dem Cookit eine echte Alternative – ebenfalls weit über 1000 Euro teuer, aber technisch überlegen.
Von Peter Wagner

Der Thermomix erschuf ein komplett neues Genre des Küchenwirkens – das betreute Kochen. Mithilfe spezieller Rezepte gelingt sogar notorischen Kochverweigerern eine wirklich leckere Kürbiscremesuppe; und selbst deutlich komplexere Gerichte aus dem mehrere Zehntausend Rezepte umfassenden Datenschatz des aktuellen Modells TM6 lassen sich ohne jegliche Vorbildung nachmachen.

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Foto: Privat

Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Foodjournalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungssachbücher und Kochbücher, aktuell ist sein erstes selbstproduziertes Buch »Corona-Speck weg! « im Handel.

Diese Rezeptvielfalt hat nicht nur eine halbe Bibliothek von Thermomix-Kochbüchern und -Zeitschriften hervorgebracht – sie ist nach wie vor das wichtigste Alleinstellungsmerkmal von Vorwerk angesichts der Vielzahl konkurrierender Heizmixgeräte. An die mittlerweile gut 40.000 Kochrezepte kommt so schnell kein anderes Gerät ran. Das lässt sich Vorwerk bezahlen: Bei den 1.359 Euro für den Thermomix sind zwar neben einem Kochbuch und drei Heften auch ein sechsmonatiges Abo für das Rezepteportal Cookidoo  enthalten, danach kostet das aber 36 Euro pro Jahr.

Mehr Zubehör, weniger Platz

Genau an dieser Stelle greift nun ein neues Kochmixgerät an, das technisch in einigen Belangen dem TM6 sogar überlegen ist: Die Rezepte für das – wie es bei Hersteller Bosch heißt – »Guided Cooking«  (incl. Alexa-Steuerung und App) mit dem neuen Boliden Cookit sollen kostenfrei bleiben. Auch Tauschen mit anderen Nutzern ist möglich. Das ist wichtig, denn Bosch liegt zum Verkaufsstart mit nicht einmal 500 Maschinenkochanleitungen weit hinten – noch dazu haben unsere Tests gezeigt, dass die Rezepte eher eintönig, teilweise fehlerbehaftet, diffus navigierbar und insgesamt nicht besonders lecker sind.

Doch wenn sich dieser Bereich zurechtruckelt, wird der Cookit immer mehr Kunden finden. Denn das mit 1.266 Euro fast gleich teure System ist technisch wie küchenpraktisch dem Thermomix in vielen Punkten überlegen. Der Bosch hat zwar keinen verschleißfreien Motor (Kohlebürsten und Zahnriemen sind freilich austauschbar), dafür freuen sich Wohngemeinschaften und Großfamilien über den riesigen 3-Liter-Rührtopf mit sicherem 2-Griff-Handling (Vorwerk: 2,2 l; 1 Griff), den gewaltigen 3-Ebenen-Dampfaufsatz (für bis zu 1 kg Kartoffeln) und den Glasdeckel, der den Blick auf das Essen freigibt.

Bislang wenig Rezepte zur Auswahl, aber technisch wie küchenpraktisch top: Cookit von Bosch

Bislang wenig Rezepte zur Auswahl, aber technisch wie küchenpraktisch top: Cookit von Bosch

Foto: Bosch

Der Cookit punktet auch beim weiteren im Preis inbegriffenen Zubehör (das allerdings wieder viel Stauraum in der Küche braucht): Der 3D-Rührer wälzt perfekt um, ohne zu schneiden; und wo der TM6 das Gemüse nur unmotiviert zerhackt, können die Cutter-Scheibeneinsätze des Cookit auch raspeln, streifeln und Scheiben schneiden. Die genialen Zwillingsrührbesen schlagen kalte Cremes und Sahne wie beim Konditor.

Heißes Mixrühren (Soßen, Cremesuppen) sowie Emulgieren bei hohen Temperaturen (Hollandaise, Käsesoßen) beherrschen beide Konkurrenten in etwa gleich gut. Und beide machen ordentlich Krach. Während der Cookit mit knapp unter 90 Dezibel in Staubsaugerlautstärke lärmt, man sich also mit kräftiger Stimme noch verständigen kann, bleibt dafür beim Thermomix mit bis zu 100 db keine Chance – was die Stiftung Warentest 2015 auch zu einem heftigen Vorwerk-Verriss  bewog.

Das Problem mit der Temperatur am Topfboden 

Über die maximal erreichbare Temperatur am Topfboden haben sich professionelle Thermomix-Nutzer schon immer geärgert: Die 120 °C sind zum Karamellisieren einen Tick zu niedrig, und Fleisch lässt sich ohnehin nicht sinnvoll anbraten. Der aktuelle TM6 heizt zwar bis 160 °C, aber nur bei geführten Rezepten. Angeblich aus Sicherheitsgründen. Im manuellen Betrieb ist bei 120 °C Schluss. Ziemlich schwach für eine Maschine, die behauptet, man könne auch Fleisch-Schmorgerichte komplett darin zubereiten. Andererseits gibt es offenbar ausreichend Kundschaft für laffes Thermomix-Gulasch – das schmeckt gekocht und nicht geschmort, ähnlich wie Topf-Gulasch von der Kochplatte versus Schmorfleisch aus dem Backofen. Ein Manko, das sämtliche Thermomix-Fleischgerichte von Rind, Schwein und Lamm betrifft.

Der Cookit prahlt mit 200 °C Topfbodentemperatur. Die erreicht er tatsächlich, und nach Abziehen der Rührmesser ist dort auch genug Platz für drei bis vier kleine Filetsteaks. Die schmecken danach so, als habe man sie in einem tiefen Topf zubereitet, in dem sich unerwünschter Wasserdampf am Bratgut sammelt und eine vernünftige Maillard-Bräunungsreaktion verhindert. Warum sonst brät man Steaks in einer flachen Pfanne und nicht im Topf?

Dazu kommt, dass der Cookit-Platz eben doch beschränkt ist – mehr als 250 g Fleisch auf einmal lassen sich da kaum sinnvoll braten. Zu wenig für eine Familie. Andererseits: Für Geschnetzeltes, Hacksoßen, Popcorn, Hühnerbrust im Schinkenmantel, Rühren und Erhitzen von Curry-Gewürzen, Risotto (Reis, Graupen, Bulgur), Krokant, Chutneys ohne zermatschte Früchte oder karamellisierten Ingwer- und Zwiebelansatz langt das allemal.

Thermomix-Königsdisziplinen

Völlig ungeeignet sind dagegen die im Vergleich zum Vorwerk-Gerät fast schon filigranen Cookit-Messer (wackeliger Plastikschutz zur Aufbewahrung – Verletzungsgefahr) für diverse Thermomix-Königsdisziplinen: Beim Eiscrushen und dem Mahlen von Kaffeebohnen, sehr harten Nüssen und Gewürzkörnern, Kuvertüre oder frischem Getreide für selbst gemachtes Brot hat der TM6 klar die Nase vorn. Generell püriert er in den meisten Fällen auch einen Tick glatter, auch im Vergleich zu seinen Vorgängermodellen.

Um leicht angetautes Tiefkühl-Obst zu Smoothies oder Milchshakes zu verarbeiten sowie für alle anderen Mixaufgaben reichen die Cookit-Messer aber völlig. Außerdem: Wer häufig Getreide selbst frisch mahlen will, findet schnell heraus, dass der Thermomix die Körner nur schreddert und bei größeren Mengen auch rasch zu stark erhitzt. Hier ist eine echte Getreidemühle das Gerät der Wahl.

Der Platz, den diese Geräte in der Küche beanspruchen, ist in etwa gleich (plus beim Bosch den Zubehör-Stauraum). Allerdings ist der Thermomix leichter zu transportieren, wenn man ihn mal zum Camping, in die Ferienwohnung oder ins Vereinsheim mitnehmen möchte. So hat man quasi eine kleine Komplett-Küche in der praktischen Transporttasche dabei. Der Vorwerk lässt sich auch schneller und sicherer reinigen, an den Cookit-Messern kann man sich eher mal schneiden. Auch ist das Farbdisplay beim Vorwerk hilfreicher. Sowohl mit dem Vorwerk als auch mit dem Gerät von Bosch können die Zutaten direkt abgewogen werden; ein Feature, das beiden Geräten fehlt, ist jedoch die automatische Umrechnung der Zutatenmenge, wenn die Portionszahl verändert wird.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, der TM6 könne die Zutatenmenge automatisch anpassen an die Anzahl der Portionen. Wir haben die Stelle entsprechend korrigiert.