Minimales Wohndesign Wegla-Zen

Aus einem alten Bauernhof nahe der Chinesischen Mauer schufen Architekten einen Ort von Zen-hafter Klarheit. Das Design des Hauses ist reduziert auf das Wesentliche. Nichts, was den Geist oder das Auge stört.

xian architects

Etwa eine Autostunde von Peking entfernt steht dieser zum Gasthaus umfunktionierte Bauernhof. Wer von hier aus nach Norden läuft, stößt irgendwann auf die Chinesische Mauer. Wie im wohl bekanntesten chinesischen Bauwerk verbinden sich in der Anlage verschiedene Baustile und -stoffe, die typisch sind für die Architektur des Riesenreichs. Das Fundament des Haupthauses ist aus Natursteinen, der Dachstuhl ruht auf einem Holzgerüst, die Wände darunter sind aus Lehm. Die Mauern der neuen Anbauten bestehen aus Ziegeln.

Die insgesamt drei Gebäude bilden einen Innenhof, auch das ist charakteristisch für chinesische Architektur. Umrandet wird das Grundstück von einer Steinmauer. An deren Rand, quer zur Nord-Süd-Achse, steht das alte Haupthaus. Es bietet Schutz vor dem kalten Nordwind, während auf der Hofseite tagsüber die Sonne auf die Wände und durch die Fenster scheint.

Ab November wird es in Nordchina ungemütlich, dann bläst ein eisiger Wind aus der Mongolei. Deswegen erfanden die Menschen hier vor mehr als 7000 Jahren die Kangs. Gemauerte Schlafstätten, beheizt mit der Abluft einer Feuerstelle. Früher schliefen ganze Familien gemeinsam in solchen Ofenbetten, die im tiefsten Winter auch tagsüber als warmes Plätzchen genutzt wurden. Es gibt sie in beiden Schlafzimmern des Haupthauses.

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Fotostrecke: Reduktion auf das Wesentliche

Kangs sind so traditionell wie die Holzgitter vor den Fenstern, weshalb bei der Modernisierung der Anlage im Jahr 2018 beides erhalten werden sollte - genauso wie die Dachbalken aus Holz. Über Zapfenverbindungen sind sie mit den Stützpfeilern des Hauses verbunden. Diese Technik sorgt dafür, dass bei einem Erbeben nicht sofort alles einstürzt: Das Gewicht der Balken stabilisiert die Konstruktion, es bleibt aber genügend Spielraum, um Erdstöße abzumildern.

Früher waren das Gebälk und die Mauern in dem Altbau mit Papier verkleidet. Das Team von Xian Architects unter der Leitung von Yanshi Wang entschied sich aber, sie freizulegen. Schließlich sind die Sparren in den neuen Gebäuden ebenfalls sichtbar. So sollte eine optische Verbindung zwischen Alt- und Neubau geschaffen werden. Der Rest der Anlage wirkt moderner, fügt sich aber harmonisch in das Häuserensemble.

Die Innenausstattung ist spartanisch und von Zen-hafter Klarheit: wenig Mobiliar und natürliche Materialien, vor allem Massivholz, Stein und Glas. Dazu passt ein minimalistischer Mix aus alten und neuen Stücken. Auch in den Badezimmern dominieren ruhige Farben und erdige Töne. Natursteine und Schieferfliesen unterstreichen die rustikale Optik. Die Reduktion auf das Wesentliche wird hier großgeschrieben. Nichts, was den Geist oder das Auge stört. "Wenn im Wesen Schönheit ist, wird Eintracht im Hause herrschen" - wusste schon Konfuzius.

löw



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
kmgeo 30.07.2019
1. Charakter
wo ist der Charakter der Bewohner sichtbar? Interessen, Neigungen? Statt dessen nichts außer Möbel...
nesmo 30.07.2019
2. Das ist nicht ZEN,
das ist einfach nur eng. Man kann dies verbrämen als Blick auf das wesentliche ohne Ablenkung. So einfach macht man aus einem kargen Kellerloch einen Zentempel, wers glaubt...
muellerthomas 30.07.2019
3.
Spartanisch und puristisch sind nicht das gleiche....
maipiu 30.07.2019
4. Zu wenig Störung für mein Auge und meinen Geist
Das Gebäude hat den Charme eines Bunkers. Wäre mir persönlich zu ungemütlich. Aber wer's braucht.
blacksimon 30.07.2019
5. Zen-hafte Klarheit
Ist das eleganter Unsinn oder schon poetische Freiheit?
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