Ausstellung zum DAM Preis 2019 Die besten Gebäude des Jahres

Eine Architekturausstellung in Frankfurt am Main zeigt die 25 besten Bewerber um den vom Deutschen Architekturmuseum vergebenen "DAM Preis für Architektur in Deutschland". Der Siegerbau steht in Dresden.


Der Dresdner Kulturpalast steht schon seit 50 Jahren im Zentrum der sächsischen Landeshauptstadt. Zum "besten Bau in Deutschland" wurde er aber erst 2019 gekürt, als der DAM Preis für Architektur in Deutschland an die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) ging. Sie haben den einstigen DDR-Prestigebau von 2013 bis 2017 saniert und umgebaut. Das ist "schon ein kleines Wunder", sagt der Direktor des Deutschen Architekturmuseums, Peter Cachola Schmal.

Denn der 1969 als Heimstatt der Dresdner Philharmonie eröffnete Bau von Wolfgang Hänsch war eines der wichtigen Bauwerke der DDR. Als solches hätte es gute Chancen gehabt, wie andere ungeliebte Relikte abgerissen und durch ein gefälligeres Bauwerk ersetzt zu werden. Allein in Dresden sind in den vergangenen zwanzig Jahren mehr als 70 Bauten der Ostmoderne demoliert worden.

Doch in diesem Fall wurde Denkmalschutz gegeben. Dementsprechend eng war der Spielraum für die Architekten von gmp. Sie sanierten das Gebäude behutsam und verpassten ihm gleichzeitig ein komplett neues Innenleben: "Während der Bau als herausragendes Beispiel der DDR-Moderne äußerlich weitgehend entsprechend dem Ursprungszustand von 1969 wiederhergestellt ist, sind im Inneren in der räumlichen Organisation und der Erschließung neue Akzente gesetzt worden", heißt es in der Projektdokumentation.

Der Clou liegt dabei in der Kombination mehrerer Funktionen: Abends beherbergt das Gebäude Konzertgänger und Besucher des Kabaretts "Herkuleskeule", tagsüber steigen Besucher der Dresdner Stadtbibliothek durchs Treppenhaus. Die, immerhin eine der größten in Deutschland, hat hier dank der cleveren Raumaufteilung auch noch Platz gefunden. Sie umschließt nun in den oberen beiden Stockwerken den Konzertsaal. Das nutzt auch der früher miserablen Akustik, erklärt Stephan Schütz, der mit Meinhard von Gerkan und Nicolas Pomränke den Entwurf gemacht hat. Der Originalgrundriss war eigentlich zu breit, die Klänge verloren sich im Raum. Durch die Abtrennung von Fläche für die Bibliothek ist der neue, schmalere Konzertsaal ein Raum, "der so klingt, wie er aussieht, und der so aussieht, wie er klingt".

"Kultur-Wohnzimmer" in der Stadt

Was jedoch größere Dimensionen annahm als geplant, waren die Baukosten. Aus kalkulierten 81,5 Millionen wurden 103 Millionen Euro. Laut "Sächsischer Zeitung" wurde "bereits bei der Planung gepfuscht und die Aufträge vergeben, ohne dass die Pläne fertig waren". Ein Rechnungsprüfbericht nennt eine ganze Reihe an Mängeln, die zu der Kostensteigerung von mehr als 25 Prozent geführt haben. Auch sei die Substanz des "Kultis" vorab nicht ausreichend untersucht worden und es gab obendrein jede Menge nachträgliche Extrawünsche der drei Hauptnutzer. DAM-Direktor Cachola Schmal findet trotzdem: "Hier haben wir ein Großprojekt, das für 100 Millionen denkmalgerecht saniert und zeitgemäß neu gestaltet wurde - und bei dem Zeit und Budget auch noch etwa eingehalten wurden."

Über die Frage der Kosten müssen am Ende wohl die Gerichte befinden, beim DAM Preis ging es um andere Dinge. Zum Beispiel, dass der neu konzipierte Kulturpalast mit seinem Foyer heute eine offene Anlaufstelle für die Menschen in Dresden ist. Eine Art "Kultur-Wohnzimmer" in der Stadt sei entstanden, meint Jury-Mitglied Eva Maria Lang. Den Architekten bescheinigt sie einen angenehm uneitlen Umgang mit dem Denkmal. Ihr Kollege Rainer Hofmann ergänzt: "Ein öffentliches Haus, das diese Beschreibung wirklich verdient." Die Entscheidung der neunköpfigen Jury fiel jedenfalls einstimmig. Obwohl die Konkurrenz stark war.

Preisabfragezeitpunkt:
23.05.2019, 15:10 Uhr
Ohne Gewähr

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Yorck Förster, Christina Gräwe, Peter Cachola Schmal
Architekturführer Deutschland 2019

Verlag:
DOM publishers
Seiten:
224
Preis:
EUR 28,00

Unter den vier Finalisten war das integrative Bauprojekt am ehemaligen Blumengroßmarkt in Berlin, das in Gemeinschaftsarbeit der ARGE mit den Architekturbüros Heide und von Beckenrath umgesetzt wurde. Hier vereint ein Gebäude nicht nur Wohn- und Gewerbeflächen, sondern auch Arbeitsateliers, Eigentum und sozialen Wohnungsbau. Gestalterisch überzeugte auch die Stadtbibliothek in Rottenburg, die harris + kurrle als Schnittstelle zwischen mittelalterlicher Altstadt und dem bischöflichen Palais konzipierten - auf einem unregelmäßigen Grundriss, der verschiedene Höhen in einem Gebäude vereint. Viertes Finalisten-Gebäude: Das Ausbildungs- und Seminargebäude der Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) von Waechter + Waechter, das der Jury zufolge "die Unruhe des Lernens" architektonisch klug strukturiert.

Die Shortlist bietet ebenfalls noch viele überzeugend umgesetzte Ideen, etliche im öffentlichen Raum, aber auch Einfamilienhäuser, ein neues Firmenzentrum, und das Berliner "Futurium", mit dem sich zwei damals noch wissenschaftliche Hilfskräfte aus dem Stand gegen 300 international renommierte Architekturbüros durchsetzten.

Außerdem sehenswert: Die denkmalgerechte Sanierung des knalligen Umlauftanks von Ludwig Leo auf der Berliner Schleuseninsel. Einen Besuch lohnt auch in der Modernen Galerie im Saarland Museum, die Kuehn Malvezzi gemeinsam mit Michael Riedel gestalteten. Der für seine Textarbeiten bekannte Künstler nahm ein Transkript der Landtagsdebatte, in der damals über den Museumsbau gestritten wurde, und lässt jene Worte nun wie eine grafische Ameisenstraße über die gesamte Betonfläche laufen.


Wer keine Zeit oder Lust hat, sich alle diese beeindruckenden Bauten im Original anzuschauen (der entsprechende Architekturführer ist für 28 Euro zu haben), kann noch bis zum 21. April im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt "Die 25 besten Bauten inaus Deutschland" im Rahmen einer Ausstellung besichtigen.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
frankasten 21.03.2019
1. Da war doch was?
Ja, erinnert mich irgendwie an Erichs Lampenladen. Der war zwar ein wenig größer und besser wärmegedämmt. Aber stand für die Besserwessis am falschen Platz. Und deswegen bekommt der kleine Bruder aus Dräschdn jetzt einen Arschitektorbreiss. So kann es gehen.
ostfussballfan 21.03.2019
2. Sogar ...
... der "Weg der roten Fahne" ist erhalten geblieben. Das ist schon bemerkenswert. Da waren wohl die Priester/innen & Pfarrer/innen in den politischen Ämtern dieses Landes einen Moment auf dem linken Auge blind.
laermgegner 21.03.2019
3. @ 1 und @2
Kann Ihren Spott nicht verstehen. Wenn Sie sich lustig gemacht hätte über die Dresdner " Leucht - Werbung " Der Sozialismus" siegt, hätte ich es ja noch verstanden- aber so ? So hat den Palast der Republik aber die Volkskammer der DDR als unbrauchbar eingestuft ! Die Frauenkirche sollte 2030 wieder aufgebaut werden und als Konzerthaus dienen - bekanntlich kam es anders. Der Kulturpalast als einziges Bauwerk in Dresden mit Meißener Granit hat nun mal seinen Platz in Dresden. Ob die Erbauer vom Fluchhafen Berlin Brandenburg nun den DAM Preis als Ersatz in Dresden bekommen haben, würde mich eher bewegen.
ostfussballfan 22.03.2019
4. das war eigentlich ...
Zitat von laermgegnerKann Ihren Spott nicht verstehen. Wenn Sie sich lustig gemacht hätte über die Dresdner " Leucht - Werbung " Der Sozialismus" siegt, hätte ich es ja noch verstanden- aber so ? So hat den Palast der Republik aber die Volkskammer der DDR als unbrauchbar eingestuft ! Die Frauenkirche sollte 2030 wieder aufgebaut werden und als Konzerthaus dienen - bekanntlich kam es anders. Der Kulturpalast als einziges Bauwerk in Dresden mit Meißener Granit hat nun mal seinen Platz in Dresden. Ob die Erbauer vom Fluchhafen Berlin Brandenburg nun den DAM Preis als Ersatz in Dresden bekommen haben, würde mich eher bewegen.
... nicht als Spott gedacht. Ich finde es cool, den politischen Priestern und Pfarrern, vor allem Leuten wie dem Gauck, ein Schnippchen geschlagen zu haben. Super gemacht. Ich habe viele gute Erinnerungen an den Kulturpalast.
Knossos 22.03.2019
5. Angezapft
Schön gemacht, und als kommunale Pretiose sicher gerecht benotet. Doch wie sich die notorischen Megarechnungen für öffentliche Projekte immer wieder darstellen lassen, ohne daß da Schuppen aus Frisuren rieseln, ist schon ein ziemlicher Indikator für Feistigkeit auf der einen abgerichtete Maulaffen auf der anderen Seite. Wenn Al Capone noch lebte, wäre er in die EU gezogen. Vermutlich nach Deutschland, und am besten als Hersteller und Händler von Baustoffen und Duzkumpel zwischen Landes- und Bundesverwaltungen. 100 Millionen ... Und nicht einmal Zlotys, sondern Euro. Vielleicht an der Zeit, daß allein wegen öffentlicher Bauten, Bestellungen der Bundeswehr, etc. an Schulen ausdrücklich vermittelt wird, daß eine Million aus 1000 x 1000 und hinsichtlich größerer Bauten eine von etlichen Milliarden immer noch aus 1000 x 1000 000 besteht. Denn der Zeitgeist scheint sich der Proportionen nicht mehr bewußt zu sein, während ihm laufend Mondpreise aufgetischt werden, die er zwischen Croissant und Kaffee wegschlürft, ohne, daß da noch ein Scheitel verrutschte. Allet janz normal, oda wat?
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