Porträtfotografie von David Bailey Motivierte Motive

David Bailey ist einer der besten Porträtfotografen der Welt. Bei ihm sahen die Queen und Mick Jagger genauso gut aus wie seine Freundin. Eine Retrospektive im XXL-Format zeigt nun mehr als 300 seiner besten Bilder.

David Bailey

Von


Der Königin von England ein Lächeln wie in der Zahnpastawerbung zu entlocken, das muss man erst einmal schaffen. David Bailey kann so etwas. Als er die Queen 2014 zu ihrem 88. Geburtstag porträtierte, machte er das so gut, dass sein Foto auch für eine Werbekampagne genutzt wurde, die, so der damalige Wirtschaftsminister Sajid Javid, "alles zeigen sollte, was großartig ist am Königreich".

Vom Londoner East End in den Buckingham Palace: David Bailey, 1938 als Sohn einer Näherin und eines Schneiders geboren, hat es weit gebracht mit seiner Kamera. Vor der standen im Laufe seiner mehr als fünf Jahrzehnte umfassenden Karriere auch die Beatles und die Stones, Nelson Mandela, Yves Saint Laurent, Salvador Dalí, Andy Warhol, Margaret Thatcher, Jack Nicholson, Naomi Campbell, Prinzessin Diana und die berüchtigten Londoner Gangster Ronnie and Reggie Kray. Um nur ein paar zu nennen.

Die bekanntesten Bailey Porträts sind in Schwarz-Weiß aufgenommen, immer vor einem weißen Hintergrund. Ein Trick, den schon die Maler in der Renaissance verwendeten, um Motive hervorzuheben. Bailey schaute ihn sich allerdings bei John French ab. Von 1959 an arbeitete er als Assistent für den Modefotografen. Ein Jahr darauf hatte er bereits einen Vertrag bei der "Vogue" und wenig später einen bekannten Namen.

Fotostrecke

7  Bilder
Chronist der "swinging sixties": David Baileys Bilder

Vor allem mit seinen Titelseiten für die Modezeitschrift machte Bailey von sich reden. Schnell galt er als ein neuer Typus Modefotograf. Seine Bildsprache war anders. Dynamisch, modern, vor allem aber authentisch. Die Bilder, die er 1962 von seiner damaligen Freundin Jean Shrimpton in New York machte, waren prägend für das Genre. Bailey fotografierte das Model nicht langweilig in einem Atelier. Er ließ sie an Straßenecken posieren, in Telefonzellen oder an einem Schießstand in einer Spielhalle.

Danach ging es für ihn und Shrimpton steil nach oben. Sie gehörte Mitte der Sechziger zu den bestbezahlten Models mit einem Stundensatz von damals umgerechnet 240 D-Mark, er fotografierte Stars wie Mick Jagger. Dem befreundeten Sänger zog er 1964 einfach seinen Parka mit Fellkapuze an und schaffte so eines der ikonischen Bilder des Stones-Frontmannes. Es hängt heute in der National Portrait Gallery.

Respektlos, planlos, talentiert, besser

Das Geheimnis eines Bailey-Porträts besteht - neben dem weißen Hintergrund und einem mindestens einstündigen Gespräch zum Kennenlernen - in dem, was Bailey gegenüber dem "SZ-Magazin" einmal einen "kreativen Unfall" nannte. Er wisse vorher nie, welches Bild er machen werde: "Ich habe es nie geplant, also musste ich auf den Unfall warten, auf etwas Unvorhersehbares." So sei es auch gewesen, als er 1995 den jungen Johnny Depp auf einem Schutthaufen fotografierte. Angeblich hatte er dem Schauspieler zuvor gesagt, er sähe aus "wie ein Stück Scheiße" und da habe es gut gepasst, dass in der Nähe des Sets Baustellenschutt lag.

Wer den Film "Blow Up" gesehen hat, ist geneigt, diese Anekdote zu glauben. Regisseur Michelangelo Antonioni zeigt darin das glamouröse Leben eines Modefotografen, der wenig bis keinen Respekt vor seinen Models hat (und versehentlich einen Mord fotografiert). Die Vorlage für die Figur war David Bailey, dem die Rolle sogar angeboten wurde. Laut dem Original war der Film-Bailey aber "ein Mischmasch aus allen möglichen Fotografen", auch sein Lebensstil sei nicht so ausschweifend gewesen wie dargestellt, wenngleich er damals schon ein Rolls Royce Cabrio fuhr. Der Film gewann 1967 trotzdem den Hauptpreis in Cannes.

ANZEIGE
Benedikt Taschen (Hrsg.):
David Bailey

Taschen Verlag; 440 Seiten; 2500 Euro

Zu den Ehrungen, die David Bailey zuteilwurden, gehört zwar keine Goldene Palme, aber für seine Verdienste um die Kunst wurde er 2001 zum Commander des British Empire ernannt. Nicht schlecht für einen Cockney-Bengel aus dem armen Londoner Osten. Hierhin kehrte Bailey auch immer wieder zurück, um den Wandel seines alten Viertels zu dokumentieren. Denn Bailey mag einer der Haus- und Hoffotografen der Royals und Promis sein, er ist aber auch ein politisch engagierter Dokumentarfotograf, der die weniger herrlichen Flecken der Erde nicht scheut. Er besuchte vietnamesische Boatpeople und Prostituierte in Bombay, bereiste mit seiner Kamera Länder wie Afghanistan, Äthiopien oder den Sudan. Es gibt lange Dokumentarfilme von ihm, aber auch Werbespots (mehr als 500).

Sein jüngstes Buch ist jedoch wieder den Porträts gewidmet. Mehr als 300 davon hat er ausgewählt für eine Retrospektive im XXL-Format: Die Aufnahmen reichen von den "swinging sixties" bis in die Nullerjahre, von John Lennon bis David Beckham. So dick ist die limitierte Schwarte, dass sie vom Taschen-Verlag mit einem eigenen Buchständer ausgeliefert wird.

So viel Fotokunst hat allerdings auch ihren Preis. Mindestens 2500 Euro werden fällig für den signierten Band. Für eine Sonderausgabe mit einem signierten Handabzug werden 7500 Euro zusätzlich fällig. Und wer sich jetzt fragt: Wer kauft so was? Die Nummern 1 bis 75 - mit dem Bild von John Lennon und Paul McCartney - sind bereits ausverkauft.



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
radima 29.03.2019
1. Wie bringt man denn nun die Queen zum Lachen?
Die Antwort auf die Frage, die der Header stellt, bleibt leider unbeantwortet.
andy-ostos 30.03.2019
2. Mann, ist der gut
Selten so einen guten Fotografen gesehen, seit langem mein Vorbild.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.