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Anne Lacaton Die Sozialbauer

aus DER SPIEGEL 12/2021
Foto: JOEL SAGET / AFP

• Ihr Auftraggeber hatte zu wenig Geld, um ein Haus in der gewünschten Größe zu bauen. Doch statt ihn abzuweisen, ließen sich Anne Lacaton, 65, und Jean-Philippe Vassal, 67, etwas einfallen – und begründeten so 1993 ihre soziale, demokratische Form des Bauens. Dafür wurde das französische Architektur-Duo nun mit der wohl bedeutendsten Auszeichnung der Branche geehrt: dem Pritzker-Preis. Das Maison Latapie in Floirac war damals das erste Wohnhausprojekt für das Büro Lacaton & Vassal. Mit einem Materialmix aus der Welt der Gewächshäuser entstand so etwas wie ein Prototyp vieler Bauwerke von Lacaton und Vassal: kostengünstig, dabei großzügig, hell und zudem ästhetisch und modern. In den letzten Jahrzehnten verfeinerten die beiden Stil und Arbeitsweise und machten sich mit dem Ausbau und der Verbesserung von Sozialwohnungen einen Namen. Bisher wurden mit dem Pritzker-Preis vor allem Architekten von repräsentativen, spektakulären Bauten ausgezeichnet. Für Lacaton und Vassal sollen Gebäude im Dienste der Menschen stehen, nicht umgekehrt. Wie Menschen wohnen, bestimmt demnach das gesellschaftliche Miteinander. Das zu stärken ist in Zeiten der Pandemie lebenswichtig. Vielleicht mit ein Grund, dass sich die Pritzker-Preis-Jury entschied, die Ehrung an Lacaton und Vassal zu geben.

ks
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