Private Handybilder "Plötzlich ein Rockstar!"

Viele von uns haben unzählige Fotos auf dem Handy gespeichert - und eines davon ist das wichtigste. Für unsere neue Interviewreihe "Eins aus tausend" spricht Anne Backhaus mit Menschen, die die Geschichte ihres Lieblingsbildes erzählen.

Claudia Spengler

Zur Person
    Claudia Spengler, 32, studiert Medizin in München. Ihr Lieblingsfoto hat sie in den 597 Bildern auf ihrem Handy sofort gefunden. Sie nahm es auf einer Reise im Oktober 2013 auf.
SPIEGEL ONLINE: Frau Spengler, welches Bild auf Ihrem Handy haben Sie am liebsten?

Spengler: Das hier! Ich habe es in Indien gemacht und muss immer lachen, wenn ich es anschaue.

SPIEGEL ONLINE: Sieht aus wie eine Schulklasse.

Spengler: Ja, eine reine Mädchenklasse. Die kamen aus Südindien und waren auf einem Schulausflug. Ich traf die Gruppe in einer Tempelanlage irgendwo zwischen Agra und Jaipur im Norden des Landes.

SPIEGEL ONLINE: Was bringt Sie daran zum Lachen?

Spengler: Na ja, es war meine erste Reise nach Indien und ich wurde die ganze Zeit beobachtet. Als blonde Frau aus Deutschland bin ich allen aufgefallen. Das war merkwürdig und lustig zugleich. Das Foto steht für all die Momente, in denen ich in Indien angestarrt wurde.

Medizinstudentin Claudia Spengler: Erste Reise nach Indien
Anne Backhaus

Medizinstudentin Claudia Spengler: Erste Reise nach Indien

SPIEGEL ONLINE: Das kann auch anstrengend sein.

Spengler: Auf jeden Fall. Bei den Mädchen war es aber ziemlich niedlich.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Spengler: Sie waren total aufgeregt und haben ganz viel gekichert, als sie mich gesehen haben. Jedenfalls fragten sie sehr lieb, ob sie mich fotografieren dürfen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie posiert?

Spengler: Nein, daran ist man ja gar nicht gewöhnt. Obwohl es sich schon so anfühlt, als sei man plötzlich ein Rockstar! Hinterher habe ich mich aber oft gefragt, auf wie vielen indischen Facebook-Postings ich wohl bin. Und ob ich doch eher merkwürdig aussehe.

SPIEGEL ONLINE: Vielleicht wurden Sie ja genau deswegen fotografiert.

Spengler: Das dachte ich auch schon. Irgendwie fanden es halt alle lustig, wenn man so weiß ist und in der Sonne leicht rot wird.

Fotostrecke

7  Bilder
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SPIEGEL ONLINE: Konnten Sie sich mit den Mädchen unterhalten?

Spengler: Kaum, die haben alle nur gebrochen Englisch gesprochen. Das Mädchen in der Mitte mochte ich aber sehr, sie hatte etwas ganz Sanftes. Nachdem sie mich fotografiert hat, lächelte sie mich bestimmt zehn Minuten lang an.

SPIEGEL ONLINE: Weshalb haben Sie sich Indien als Reiseziel ausgesucht?

Spengler: Als 13-Jährige hatte ich einen Traum, in dem ich lange laufen musste; am Ende des Weges sah ich das Wort "Rajasthan". Morgens habe ich alles noch gewusst und als erstes im Lexikon "Rajasthan" nachgeschlagen. Ich wusste gar nicht, was das sein soll.

SPIEGEL ONLINE: Ein indischer Bundesstaat.

Spengler: Ich war schockiert, dass es diesen Ort wirklich gibt. Aber seitdem war klar, dass ich da mal hin muss. Ich hatte immer das Gefühl, dass ich dort etwas entdecken würde, was wichtig für mich ist.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie etwas entdeckt?

Spengler: Ich habe mich zumindest sehr wohl gefühlt. Fast so, als wäre ich zu Hause. Wahrscheinlich muss ich wieder hin, die Reise war etwas zu kurz.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange waren Sie unterwegs?

Spengler: Knapp drei Wochen, aber davon einen Teil im südlichen Bundesstaat Kerala.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie viele Fotos auf Reisen?

Spengler: Ich mache generell viele Fotos, vor allem Naturbilder. Ich mag merkwürdige Muster und Nahaufnahmen. Handys sind toll, weil damit auch Leute wie ich schöne Fotos machen können. So ein Telefon senkt die Hürde, selbst kreativ zu sein. Aus manchen Bildern bastle ich sogar Weihnachts- oder Geburtstagskarten.

SPIEGEL ONLINE: Sie lassen Ihre Fotos entwickeln?

Spengler: Im besten Fall. Ich würde gern viel mehr ausdrucken und aufhängen. Leider habe ich aber im Moment gar kein eigenes Zimmer, in dem ich all die Fotos aufhängen könnte. Ich hätte außerdem gern ein besseres Handy, weil in meinem die Kamera nicht wirklich gut ist. Das hat mich auch beeindruckt: Die indischen Mädchen auf dem Bild haben alle richtige Fotoapparate.

Zum Start der Interviewreihe hat Anne Backhaus einen Instagram-Account angelegt und teilt dort nahezu täglich eins der tausend Fotos, die sie pro Woche macht. Sie nutzen ebenfalls Instagram und wollen mitmachen? Dann setzen Sie den Hashtag #einsaustausend, Backhaus wird Sie finden und vielleicht Ihr Lieblingsfoto zeigen - eine Auswahl finden Sie in der Bildergalerie.

Und wer ihr seine ganz besondere Fotogeschichte erzählen möchte, schreibt bitte mit dem Bild, um das es geht, an einsaustausend@gmail.com

Zur Autorin
  • Anne Backhaus
    Anne Backhaus, Jahrgang 1982, bekam die Idee für "Eins aus tausend", als sich auf ihrem Handy 3574 Fotos angesammelt hatten und sie aus Speichermangel löschen musste. Das ging viel leichter als befürchtet. Backhaus lebt in Hamburg, im Anschluss an ihr Volontariat bei SPIEGEL ONLINE arbeitete sie als Video-Reporterin für die Redaktion. Heute reist sie als Autorin und Filmemacherin um die ganze Welt. Von den Menschen, die sie unterwegs trifft, finden sich einige mit ihrer Foto-Geschichte hier wieder.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
Tuennemann 15.02.2015
1. Sorry. Hat nichts mit dem Thema zu zu tun
Die Fotos von Claudia Spengler und Anne Backhaus habe ich in Relation gesetzt. Trotz Interview habe beide nichts miteinander zu tun.
RadioLA 15.02.2015
2. Tut mir leid, aber...
...ich kann beim besten Willen nicht verstehen, was Sie meinen. Von Frau Spengler gibt´s hier nur ein Foto, von Frau Backhaus gar keines. Oder meinten Sie, daß die Frauen nichts miteinander zu tun haben? Ehrlich, ich weiß wirklich nicht, was Sie aussagen wollen.
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