Enzo Mari starb am Montag in Mailand, er wurde 88 Jahre alt
Enzo Mari starb am Montag in Mailand, er wurde 88 Jahre alt
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Zum Tod Enzo Maris Design für die Masse, aber keine Massenware

Enzo Mari gehörte zu den einflussreichsten italienischen Designern. Seine Objekte sollten nützlich sein, nicht bloß dekorativ - die Form galt ihm mehr als der Profit. Deswegen rief er auch dazu auf, sie zu kopieren.
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Enzo Mari 1974 mit Modellen seiner Möbel für den Selbstbaukatalog "Autoprogettazione". In dem Jahr veröffentlichte der Designer Baupläne für eine komplette Einrichtung: Stuhl, Tisch, Bett, Regal, Bank. Sein kostenloses Buch umfasste insgesamt 19 Möbel, jedes leicht nachzubauen. Alles, was es brauchte, waren Bretter, Nägel, Lust zum Selbermachen - und Geld für das Rückporto. Mit seinem Projekt wollte Mari dem Kapitalismus und der Designindustrie ein Schnippchen schlagen (sehr zum Missfallen mancher Kollegen). Es ging ihm aber auch darum, Menschen das Entwerfen von Dingen zu vermitteln. Ein Prozess, der besser verstanden wird, wenn man selbst Hand anlegt, so sah er es. Die Demokratisierung des Designs war ihm wichtiger als Profit.

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Das Design stammt von Enzo Mari. Das Holz für den Stuhl ist von einem Schiffswrack, das einst Geflüchtete nach Lampedusa gebracht hat; die Handarbeit erledigen Menschen, die mit solchen Booten unterwegs waren. In Berlin-Kreuzberg entstehen im Projekt "Cucula - Refugees Company for Crafts and Design" Möbel nach den "Autoprogettazione"-Plänen.

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Der mit Segeltuch bespannte Stuhl Delfina zählt zu den bekanntesten Mari-Entwürfen. Um Ruhm oder Geld ging es dem Italiener aber nie. Gutes Design, das lag ihm am Herzen. Für Mari bedeutete das: schnörkellose Grundformen und lange Haltbarkeit. 100 Jahre sollte ein Produkt schon halten, war Mari überzeugt, besser aber 1000.

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Prinzipiell ewig verwendbar und damit ganz im Sinne des Schöpfers: Tischkalender Timor von 1967. Das Datum lässt sich mittels rotierender Ziffern, Tages- und Monatstafeln einstellen.

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Rund 2000 Objekte hat der Piemonteser im Laufe seines Lebens entworfen. Dazu gehört auch die Vasenserie Bambù für Danese Milano.

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Die Installation "Struktur Nummer 708" gehört ebenfalls zum Werk des Italieners. Hier zu sehen auf der Titelseite der Architekturzeitschrift "Casabella".

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Enzo Mari wurde 1932 geboren im Dorf Cerano in der norditalienischen Provinz Novara im Piemont. Mit Anfang 20 ging er nach Mailand an die Kunsthochschule Accademia di Belle Arti di Brera und studierte dort Kunst und Literatur. Daraus zimmerte er sich eine Karriere als Produktdesigner, Künstler, Schriftsteller und Designdozent. Mari war vor allem inspiriert von der britischen Arts-and-Crafts-Bewegung, ihn interessierten besonders die sozialen Aspekte seiner Arbeit. "Warum ich in all den Jahren ein guter Designer geworden bin? Weil ich ein Künstler war", sagte er einmal. Zusammen mit Visionären wie Ettore Sottsass, Alessandro Mendini, Achille Castiglioni verhalf er Mailand zu seinem Image als "Hauptstadt des Designs". Enzo Mari ist am Montag in Mailand an den Folgen von Covid-19 gestorben. Seine Frau Lea Vergine, eine Kunsthistorikerin, mit der er fast 60 Jahre lang verheiratet war, überlebte ihn nur einen Tag. Auch sie war mit dem Coronavirus infiziert.

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