Ferienhaus in Mexiko Open Air am Meer

Ein Haus bauen ohne Dach oder Fenster? Am Meer? Ist das nicht verrückt? Architekt Ludwig Godefroy hat es getan, an der Südküste Mexikos.

Rory Gardiner

"Das Haus ist ein Bunker, der im Inneren eine mexikanische Pyramide beschützt", beschreibt Ludwig Godefroy sein Projekt. Das Bunkerbild stammt aus seiner Kindheit in der Normandie, wo er geboren wurde. Die Pyramide hat der Architekt aus seiner Wahlheimat, wo er seit zehn Jahren lebt und die Maya vor rund 3000 Jahren vielerorts ihre Stufenbauten hinterließen.

Für einen Auftraggeber aus Mexiko-Stadt baute Godefroy an der Pazifikküste vor Puerto Escondido dieses Wochenendhaus, das nach außen einer Festung gleicht. Innerhalb der Mauern aber offenbart sich ein Refugium, das zum Himmel fast komplett geöffnet ist. Lediglich kleine Flächen Beton schirmen die Bewohner nach oben ab. Ein Dach für den kompletten Baukörper gibt es nicht.

Betreten wird der Wohnbunker über eine Pivot-Tür aus Holz. Dahinter liegt ein Stückchen Rasen, links und rechts davon führen Stufen hinauf auf die Außenmauern. Sie sind begehbar und dienen gleichzeitig als Aussichtsplattform auf umliegende Agavenfelder und das Meer. Etwa in der Mitte des Grundrisses spannt sich eine Brücke über den Innenhof. Sie schützt den darunterliegenden Aufenthaltsbereich vor Sonne und Regen, von beidem gibt es reichlich in dieser Ecke Mexikos.

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Casa Zicatela: Nach oben offen

So offen das Haus nach oben ist, so verschlossen ist der Rest. Die einzigen Öffnungen in der Außenmauer sind die Eingangstür und die Garageneinfahrt. Die Festungs-Typologie gibt Godefroy beim Grundriss allerdings auf. Alles ist sehr offen gestaltet. Einzig für die Toiletten gibt es massive Türen. Die Schlafräume können nur durch Lamellentüren abgeschlossen werden. In diesem Haus geht es darum, an der Natur teilzuhaben.

Großartige Landschaftsansichten bieten sich allerdings keine. Das einzige Panorama, das sich den Bewohnern zeigt, ist der Himmel über ihren Köpfen. Dank des Freiluftkonzepts fällt den ganzen Tag über Licht ins Innere und wirft dort Schattenmuster an die kahlen Betonwände, die deswegen keinen weiteren Schmuck brauchen. Spätestens jetzt wird deutlich, dass die Brutalisten Le Corbusier und Louis Kahn zu den architektonischen Vorbildern Godefroys gehören.

Schlicht sind auch die Holzmöbel eines örtlichen Schreiners. Sie fügen sich perfekt ein in die Umgebung. Viel auszustatten gibt es auch gar nicht, außer drei Schlafzimmern und dem Aufenthaltsraum. Zur schnellen Abkühlung wurde ein kleiner Pool zwischen den drei Kammern versenkt. Bis zum Meer ist es allerdings auch nicht weit. Der Strand liegt hinter dem Haus und ist - wenn schon nicht sichtbar - immer in Hörweite.

So bleibt den Bewohnern dieses Wochenendhauses eine Flugstunde südöstlich von Mexiko-Stadt nicht viel zu tun, als den Wellen zu lauschen und dabei dem Treiben der Wolken am Himmel zuzusehen. Sehr viel mehr Entschleunigung geht nicht.

löw

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insgesamt 35 Beiträge
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Bibendumx 13.09.2019
1. nur häßlich
selten so etwas häßliches gesehen. stelle mir vor, dass in wenigen monaten der saubere beton noch dunkelgrau und bemoost sein wird.
dasfred 13.09.2019
2. Musst man mögen
Von allen Häusern, die hier in letzter Zeit vorgestellt wurden, ist es mit Abstand das unwohnlichste. Die Atmosphäre aus Knast und Bunker braucht schon einen sehr eigenwilligen Bewohner. Allerdings schein das Gebäude zumindest pflegeleicht zu sein.
Deda 13.09.2019
3. gruselig
... so dezent der Stil auch ist, die Kombi mit den Holzelementen schön gewählt... so gruselig steinwüstig bleibt es dennoch!
hansvonderwelt 13.09.2019
4. Interessant,nicht mehr !
Sicher gibt es diese "tolle" Architektur an vielen Stränden,nur mit anderem Etikett:"dem Bauherrn ging das Geld aus",oder auf Bayrisch "Schmarrn".Erinnert mich an das selbstzerstörende Gemälde von Banksy.Psychopathologie in Kunst und Architektur.
sailor60 13.09.2019
5. solche "Architekten" schreien eher nach Bestrafung
Er ist ja nun bei weitem nicht der erste Mensch der offen baut. In klimatisch entsprechend verwöhnten Gegenden dieser Welt ist das seit Jahrhunderten üblich. Allerdings haben die Menschen ihre Bauten deutlich Menschenfreundlicher gestaltet. Fröhliche Farben, weite Ausblicke und auch Treppengeländer kannten die schon. Wer es so grau haben möchte findet das derzeit zunehmend in unseren Vorstädten, in denen alle Welt glaubt Schotter gehöre in den Vorgarten, oder auch im Knast (obwohl, das ist eine Vermutung)!
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