Fidel Castros Trainingsanzüge Drei Streifen müssen es sein

Seit er sich aus der Staatsführung zurückgezogen hat, zeigt sich Fidel Castro der Welt nur noch in Trainingsanzügen - bevorzugt von einer Marke. Eine sozialistische Stilkritik zum 90. Geburtstag.

Im Grunde ist der Trainingsanzug genau das richtige Kleidungsstück für Kubas ehemaligen Staatschef Fidel Castro: Beide traten ihren Siegeszug in den

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Fidel Castros Trainingsanzüge: El Styler

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Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts an, beide hatten lange Zeit nicht das beste Image - und beide wurden in der jüngeren Vergangenheit wieder gesellschaftsfähig.

Bevor große Designer auf die Idee kamen, ihre Models in Ballonseide über den Laufsteg zu schicken, waren Trainingsanzüge hierzulande das Erkennungszeichen des Vereinswesens. Und dem Volkssport kann ja durchaus eine soziale Komponente zugeschrieben werden. Was läge also näher als ein ehemals Uniformen liebender Sozialist, der für seinen Ruhestand die Uniform des Sportlerkollektivs wählt. Außerdem handelt es sich beim Tracksuit, wie er im Englischen heißt, ja ebenfalls um einen Kampfanzug.

Wo früher also Olivgrün und Flecktarn zu sehen waren, treten nun Trainingsanzüge zum Vorschein, meistens von Adidas. Castro wurde zwar auch schon in Puma gesehen, ja selbst eine Trainingsjacke von Nike ist inzwischen keine undenkbare Modesünde mehr für den Oberkommunisten a.D. Doch normalerweise schlurft El Jefe in drei Streifen zu seinen öffentlichen Auftritten.

Aus den Jahrzehnten, in denen Adidas Ausstatter der kubanischen Olympioniken war, sind offenbar so viele Anzüge erhalten geblieben, dass Castro auf einen großen Vorrat zurückgreifen kann. Das würde auch erklären, warum es sich in der Regel um schon etwas in die Jahre gekommene Modelle handelt, denn 2012 endete die Partnerschaft.

Die Entscheidung für Adidas ist aber noch aus einem weiteren Grund durchaus nachvollziehbar: Die Herzogenauracher kleideten früher die Sportler aus der Sowjetunion ein. Erich Honeckers "Diplomaten im Trainingsanzug" durften ebenfalls nur in Kunststoff aus Franken ihre angebliche Überlegenheit gegenüber dem dekadenten Westen beweisen.

Vielleicht ist das auch die Erklärung, warum Castro 2001 im dreifach gestreiften Laufschuh "Supernova" eine Demonstration gegen den imperialistischen Erzfeind anführte. Mehr als eine Million Kubaner waren damals mit auf der Straße. Da darf man als Vorbild keinesfalls im verkehrten Streetstyle aufkreuzen.

Maximo Markenbotschafter

Castros Streifenliebe hatte zwischenzeitlich schon den Verdacht aufkommen lassen, der Sportartikelhersteller versorge den Maximo Lider mit Ware, um maximale Bekanntheit zu erlangen. Doch ein Staatschef, der seine Insel zeitlebens vor Konsumbotschaften aus dem Westen abschirmte, wäre wohl weder den Kubanern noch den Etatverantwortlichen eines Weltkonzerns als Markenbotschafter zu vermitteln gewesen. "Wir würden Castro auch nicht als neuen Werbepartner verpflichten" , versicherte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen dem "Stern" einmal.

Vermutlich trägt Castro seine Trainingsanzüge also aus demselben Grund, warum sie so häufig vor Wohnwagen, auf Sofas oder sonntagmorgens in Kiosken anzutreffen sind: Sie sind bequem. Es sollte sowieso kein anderes Argument für ein Kleidungsstück geben als dessen Wohlfühlfaktor. Außerdem flüchtet es sich wahrscheinlich besser in superleichtem Material, falls die CIA plötzlich doch noch mal auf die Idee kommen sollte, den natürlichen Lauf der Dinge ultimativ zu beschleunigen.

Kurzum: Fidel Castro hat mit seinen 90 Jahren das richtige Alter, um sogar Papstbesuche im Trainingsanzug auszusitzen. Für die Zukunft würden wir allerdings ein weißes Ensemble empfehlen. Das passt einfach besser zu kubanischen Karibikstränden und Cuba Libre. In diesem Sinne: Alles Liebe!

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