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10. März 2019, 09:21 Uhr

Silvaner aus Franken

Großes Gewächs, kleiner Preis

Von Gerald Franz

Während in vielen deutschen Anbaugebieten die Preise im oberen Segment angezogen haben, gibt es in Franken tolle Qualität für überschaubares Geld.

2,36 Euro pro Flasche. Das sind selbst für einen mittelmäßigen Frankenwein zu wenig, aber der Durchschnittspreis, den die Deutschen 2017 für eine Flasche bezahlten, sagt das Deutsche Weininstitut. Für dieses Geld gehen Sie natürlich leer aus bei den Winzern aus den Weinführern oder dem exklusiven Verband der Deutschen Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP).

Oder Sie kaufen in Franken. Denn natürlich gibt es auch bei Winzern und Anbaugebieten Trends, die Nachfrage und Preise nach oben treiben. Und Franken ist gerade nicht angesagt. Zum Glück, denn zwischen Aschaffenburg und Iphofen finden sich viele hervorragende Weine, bei denen der Preis absolut stimmt, vor allem Silvaner - der perfekte Wein zur modernen Küche.

Die Rebsorte kam im 17. Jahrhundert nach Deutschland und findet in den fränkischen Muschelkalk- und Keuperböden, was gute Weine brauchen. Bis in die Siebzigerjahre war der Silvaner die meistangebaute Traube in Deutschland. Mittlerweile ist er auf Platz fünf der weißen Trauben abgerutscht und steht im Schatten des Rieslings. Aber das gilt eben auch preislich.

Ein wahrer Spezialist in Sachen Silvaner ist das Weingut Rainer Sauer in Escherndorf. Bereits der Gutswein aus dem aktuellen Jahrgang 2017 ist für sieben Euro ab Hof ein hervorragender Vertreter dieser Rebsorte: kräutrige Nase, am Gaumen auch etwas Apfel, leicht zitrische Frische im Abgang.

Beim direkt gegenüberliegenden Weingut Horst Sauer bekommt man mit dem Erste-Lage-Wein Silvaner S. vom Escherndorfer Lump einen Kraftprotz, der Mineralität, Kräuter und Frucht gut ausbalanciert. 12,50 Euro kostet der Spaß.

Wer einen schlanken, frischen Weißen mit Aromen von Heu, Kräutern und gelben Früchten schätzt, sollte den 2016er Silvaner Untereisenheim vom Weingut Schäffer aus Escherndorf für acht Euro probieren. Egon und Peter Schäffer bringen ihre Weine gerne etwas später auf den Markt. Sie finden, dann schmecken sie besser. Daher haben sie auch noch den "S7LVANER" im Sortiment, bei dem das Jahr der Lese den Preis bestimmt: 20,11 Euro. Nicht viel für einen derart gereiften Wein aus Erster Lage.

Das Würzburger Weingut Juliusspital, das seine 180 Hektar aber über ganz Franken verteilt, verkauft eine tolle Erste Lage aus dem aktuellen Jahrgang für 12,50 Euro: Der Silvaner Iphöfer Kronsberg duftet nach Wiesenkräutern und Honigmelone. Er schmeichelt dem Gaumen durch eine milde Säure und zeigt im Abgang Kraft sowie etwas Pfeffer.

Ein ebenfalls recht großer Betrieb mit 90 Hektar Rebfläche ist Hans Wirsching in Iphofen. Auch hier überzeugt der Gutswein. Sieben Euro kostet der Silvaner mit Noten von Kräutern und herbem Boskop-Apfel. Der Wein zeigt einen schönen Körper und angenehmen Schmelz.

Vom Bio-Weingut Roth aus Wiesenbronn verfügt der Silvaner Ortswein über einen enormen Zug. Er ist herb, fast ein wenig bitter und zeigt im Nachhall eine Spur Süßholz. Kostenpunkt: 8,50 Euro. Selbst wer in die höchste Stufe der VDP-Pyramide (Großes Gewächs) einsteigen möchte, ist bei Roth mit 21 Euro für den Silvaner Hoheleite dabei.

Es gibt natürlich auch Weingüter, die sich von der fränkischen Bescheidenheit verabschieden möchten. Philipp Luckert vom Weingut Zehnthof Luckert in Sulzfeld etwa findet, dass viele Winzer sich unter Wert verkaufen. Sein Silvaner Ortswein - ausgestattet mit schönen Aromen von gelben Früchten und Blumenwiese, Kraft und Schmelz - liegt mit zehn Euro preislich aber immer noch unter dem Bundesdurchschnitt.

Alle oben genannten Weine gibt es im Direktvertrieb. Oder Sie fahren selbst beim Winzer vorbei. Denn auch als Ferienregion wird die Gegend, durch die sich der Main malerisch schlängelt, unterschätzt! Noch.


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech.

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