"Game of Thrones"-Wein Blutrot und kurz im Abgang

In "Game of Thrones" fließen viel Blut und viel Wein. Besonders beliebt in der Fantasy-Saga ist der dornische Rote. Ein französischer Winzer hat versucht, den Wein nachzumachen - zum Ärger der Rechteinhaber.

ddp iamges/ interTOPICS/ LMK Media

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Wein, Weib und möglichst viel Macht: So stellt sich Tyrion Lannister, Held und Zuschauerliebling aus der Fantasy-Saga "Game of Thrones" (GoT), das ideale Leben vor. Als Spross aus dem Haus Lannister - bekannt für seine Goldminen - trinkt er am liebsten Wein aus Dorne. Dornischer Roter, so nannte GoT-Schöpfer George R. R. Martin jenen besonderen Tropfen, der in seinen Büchern und der daraus entstandenen Fernsehserie getrunken wird, wenn mal wieder eine Orgie gefeiert wird, eine Schlacht gewonnen ist oder ein Todesurteil gefällt wird.

Diesen Wein wollte der französische Serienfan Thibault Bardet unbedingt auch einmal trinken. Dabei half es ihm, dass er aus einer Familie von Weinbauern stammt und er selbst Winzer ist. Problematisch war es allerdings, dass niemand diesen Wein je gekeltert oder gekostet hat. Die beiden Kontinente Westeros und Essos und alles, was sich darin befindet, existieren nur auf Papier und in Videodateien. Also musste Bardet Referenzstellen suchen und die Eigenschaften des Weins ableiten.

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Fotostrecke: Der "Dornische Wein" aus Bordeaux

"In der Fernsehsendung sprechen sie nicht viel über den Geschmack des dornischen Weins, aber in den Büchern finden sich etliche Beschreibungen", sagte Bardet dem "Winespectator". In den fast siebentausend Seiten (6796 in der deutschen Ausgabe) der acht erschienenen Bände fand der Winzer 40 mit Informationen über den Wein, den ganz Westeros liebt.

40 Seiten über den Wein aus Dorne

Wie der Name sagt, stammt der Wein aus Dorne. Eine Halbinsel, ganz im Süden der Welten. Dort herrsche raues Wüstenklima, heißt es. Der Charakter des dornischen Roten lässt sich so zusammenfassen: fruchtig, körperreich, aber angenehm zu trinken und dunkelrot. Das trifft auf viele Weine zu. Da es aber niemanden gibt, der zu beurteilen vermag, wie nah er an Terroir und Geschmack des mythischen Weines herankommen würde, genügten Bardet diese Anhaltspunkte.

Als Grundlage entschied der Winzer sich für Merlot aus Bordeaux, Jahrgang 2016. Damals war der Sommer in der Gegend heiß und trocken. Die Böden sind mager. So wie es eben in Dorne auch sein soll. Aus den Trauben kelterten Bardet und sein Vater zwei Weine, die sie zu zwei Cuvées mischten: "Dornish Wine Côtes de Bordeaux Red 2016" und "The Imp's Delight St.-Emilion Red 2016". Letzterer ist Tyrion Lannister gewidmet. Der kleingewachsene Trunkenbold träumt in den Büchern von einem Ruhestand auf seinem eigenen Weingut und Fässern voll "The Imp's Delight" (auf Deutsch: Des Wichtels Freude).

Viel Freude hatte der junge Winzer aber nicht an seinen Kreationen. Nachdem er etwa 30.000 Flaschen abgefüllt hatte, bekam er Post vom US-Fernsehsender HBO, der die Serie seit 2011 produziert und auch an den Markenrechten vermutlich so viel verdient wie die Lannisters Gold haben. Zum Merchandise-Sortiment von HBO gehören auch zwei Weine, ein Chardonnay und ein Pinot Noir. In dem Schreiben wird Bardet aufgefordert, die Herstellung einzustellen. Die restlichen Bestände dürfe er aber noch verkaufen.

"Nur für Game-of-Thrones-Liebhaber"

Die Ansage aus den USA sei sehr nett gewesen, so Bardet. Bei Zuwiderhandlung drohe auch kein Meuchelmord im GoT-Stil, aber immerhin ernsthafter juristischer Ärger. "Es stimmt ja", so Bardet gegenüber einem Reporter von Reuters, "ich verwende schon irgendwie das Inventar aus deren Universum."

Und wie schmeckt dornischer Roter nun? "Mir war klar, dass er würzig sein muss", sagt Bardet. Ansonsten sind die Meinungen gespalten. Auf der Website "Vivino.com" erhält der "Imp's Delight" aus neun Bewertungen 3,7 von fünf möglichen Sternen. Einer der Rezensenten schreibt: "Sehr trocken, mittelmäßiger Körper, viel Alkohol in der Nase, kurzer Abgang. Ich würde sagen, nur für Game-of-Thrones-Liebhaber." Das erklärt vermutlich auch, warum der Wein fast überall ausverkauft ist.

Mit Material von Reuters



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