Die Aufgaben sind klar: Aufräumen, säubern, neu pflanzen, düngen, aussäen, wässern
Die Aufgaben sind klar: Aufräumen, säubern, neu pflanzen, düngen, aussäen, wässern
Foto: Ekaterina savyolova / Getty Images

Der Wurm drin – die Gartenkolumne Wenn der Frühling schneller ist als der Gärtner

Gartenbesitzer haben viel zu tun in dieser Jahreszeit. Wer das Gefühl hat, nicht hinterherzukommen, sollte sich nicht zu sehr stressen – im Zweifel kommt die Blüte etwas später.
Von Katharina Stegelmann

Das Schöne an einem Garten ist, dass er nie fertig wird – diese Maxime gilt allerdings nur an den guten Tagen: wenn man aufs heimische Grün schaut und über Erneuerung, Veränderung, Verschönerung nachdenkt. Vieles scheint möglich, nichts muss. Wenn alles auf einmal passieren soll, im Frühling, ist die Lage ganz anders. Dann lautet der erste Gedanke des Tages: Ich werde wohl nie fertig. Jedenfalls nicht rechtzeitig.

Rechtzeitig heißt: früh genug, dass die Saat keimen, die Staude Blüten bilden, das Gemüse Früchte tragen kann. Der Wettlauf mit der Zeit ist genauso vorhersehbar wie die Klage über das Wetter. Erst ist es zu kalt oder zu nass, wahlweise zu windig. Dann fängt die Natur an, sich zu regen, ganz zart. Und über Nacht – gefühlt von einer Sekunde auf die andere – explodiert alles, und es ist wirklich Frühling: Der Apfelbaum blüht, die Tulpen lassen die ersten Blütenblätter fallen, Grasstauden und Rosen sind zum Glück geschnitten, aber sonst – vom Giersch will ich gar nicht erst anfangen.

Grundsätzlich sind die Aufgaben klar: aufräumen, säubern, neu pflanzen, düngen, aussäen, wässern. Eigentlich bin ich gut organisiert, treffe leicht Entscheidungen, habe ein akzeptables Zeitmanagement. Angesichts der Natur im Aufbruch, die sich nicht um Termine schert, sondern einfach weiterwächst, fühle ich mich dennoch gestresst.

Mein Garten ist klein, aber groß genug, dass ich eine Weile etwas kopflos umherirren kann. Mit einem Unkrautstecher bewaffnet hole ich mal hier, mal da Giersch-Löwenzahn-Springkraut aus der Erde. Dabei kann systematisches Beete putzen so entspannend sein, doch ich bin nervös: Unbedingt müssen heute noch die Zucchinipflanzen umgetopft werden. In meinem kleinen Anzuchtregal haben die Samen hervorragend gekeimt, die Setzlinge drängeln sich, sie brauchen Einzelapartments.

Entspannung im Kriechgang

Mindestens ebenso dringend: Die Blumensaat muss raus, die Kapuzinerkresse war im vergangenen Jahr eine Zierde bis in den Herbst hinein, das hätte ich gern wieder so, und die Ringelblumen wachsen auch nicht von allein. Während ich so vor mich hin denke, hocke ich im Staudenbeet und reiße altes, trockenes Gras heraus, steche frisch angesiedelte Soden ab, schneide braune Stängel zurück – und beruhige mich langsam. Grünes, das ich nicht identifizieren kann, lasse ich erst mal stehen, manchmal gibt es schöne Überraschungen. Raus rupfen kann man immer noch.

Beim Frühjahrsputz offenbart sich, was überlebt hat und was nicht. Es gibt eine sandige Stelle dicht am Haus, dort sind schon diverse Stauden eingegangen. Dieses Jahr sieht es so aus, als ob selbst die Stockrose, die sich allein dort ausgesät hatte, tot ist. Kein Fitzelchen lässt sich entdecken. Ich bin ein bisschen traurig, hoffe aber auf Abhilfe.

Akelei als Allheilmittel: Sie wächst praktisch überall

Akelei als Allheilmittel: Sie wächst praktisch überall

Foto: Erich Teister / PantherMedia / IMAGO

Akelei ist mein Allheilmittel für schwierige Lagen: Sie sät sich ohnehin immer wieder und überall aus, im Schatten, in der Sonne, im lehmigen Untergrund, auch im sandigen Terrain. Insofern kann ich hoffen, die Ecke fürs Erste begrünt zu haben.

Die Probleme sind jedes Jahr im Frühling ähnlich: Kraut wuchert, die Sonnenbraut wird von den ersten Schnecken malträtiert, die eine Rose hat schon Läuse. Aber die Faszination kehrt ebenfalls zurück: Das junge Grün der Gehölze leuchtet, die Maiglöckchen beginnen, ihren Duft zu verströmen, der Nelkenwurz ist gut angegangen und lässt orangerote Blüten blitzen.

Nach ein paar Stunden gärtnern, auf den Knien und im Kriechgang, kann ich mich entspannen: das sieht doch alles schon ganz okay aus, das wird. Wenn ich dann im Schuppen noch eine Kiste mit Dahlienknollen entdecke, erschrecke ich kurz. Aber die Erschöpfung ist größer. Was soll's. Dann blühen die Dahlien eben etwas später, es gibt Schlimmeres.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.