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Gestorben Karl Clauss Dietel, 87

aus DER SPIEGEL 2/2022
Foto: Hendrik Schmidt / picture alliance / dpa

Es gibt wenig, was er nicht gestaltet hätte – und damit ist noch nichts über all die Ent­würfe von Karl Clauss Dietel gesagt, die nicht realisiert wurden. Autos wie der Wartburg, die Erika-Schreib­maschinen, das Radio RK5, verschiedene Motorräder: Dietel war einer der Männer, die der Produktwelt der DDR ihre Oberfläche gaben. Wobei die gelungenen Linien seiner Entwürfe und die Funktionalität der Geräte nur zwei Aspekte von Dietels Arbeit waren. Mit seinem sogenannten »offenen Prinzip« erfand Dietel auch einen Gestaltungsgrundsatz, der der DDR-Realität mit ihrem ständigen Mangel in Industrie und Konsum zu begegnen versuchte.

Alle Produkte, so Dietel, sollten so gestaltet werden, dass sie sich einfach reparieren lassen konnten. Dass die Mopeds Simson S 50 und S 51 heute noch so beliebt sind – auch im Westen – dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Dietel sie schon so anlegte, dass man sie ewig laufen lassen kann.

Dietel, der gelernter Maschinenschlosser war, hatte ein durchwach­senes Verhältnis zur DDR, er war zwar Mitglied der SED, wurde aber trotzdem überwacht. Nach der Wende arbeitete er weiter als Gestalter, etwa für die Diamant Fahrradwerke.

Karl Clauss Dietel ist am 2. Januar in Chemnitz gestorben.

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