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Spot on: Protest auf dem roten Teppich

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS

Golden-Globes-Verleihung Hollywood rebelliert

Viele Stars sind komplett in Schwarz zu den Globes gekommen - als Zeichen gegen Ungleichbehandlung und Machtmissbrauch in Hollywood. Es ist nicht das erste Mal, dass der rote Teppich zur Protestbühne wird.

Zu den Schauspielerinnen, die angekündigt haben in Schwarz zu erscheinen, gehören "Wonder Woman" Gal Gadot und Penélope Cruz. Auch einige der Nominierten wollen sich an der Protestaktion beteiligen, unter anderem Allison Janney, Saoirse Ronan, Elisabeth Moss, Jessica Chastain, Meryl Streep und Emma Stone. "Seit Jahren haben wir Frauen mit unseren Roben, Farben, unseren hübschen Gesichtern und unserem Glamour diese Preisverleihungen vermarktet", sagte Eva Longoria der "New York Times". "Das ist ein Moment der Solidarität, keiner der Mode."

Mit ihrer Kleiderwahl wollen die Frauen auf die institutionalisierte Ungleichbehandlung, Sexismus und Missbrauchsfälle in der US-Unterhaltungsindustrie aufmerksam machen. Gleichzeitig hoffen sie, Unterstützer für die Initiative "Time's Up" (Die Zeit ist um) zu gewinnen. Zu diesem Zweck hat Mitinitiatorin Reese Witherspoon bei der Stylistin und Kostümdesignerin Arianne Philipps einen Anstecker mit dem Logo der Organisation bestellt.

Die von mehr als 300 Hollywoodkünstlerinnen gestartete "Time's Up"-Initiative will künftig für mehr Gleichheit in Filmstudios und Talentagenturen kämpfen und Gesetze voranbringen, die Firmen für sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz bestrafen sollen. Dazu haben die Beteiligten einen Hilfsfonds in Höhe von 13 Millionen Dollar aufgesetzt, der auch Rechtshilfe für weniger privilegierte Arbeiterinnen aus anderen Branchen finanzieren soll.

Der "Time's Up"-Pin wird wohl das meist getragene Accessoire am Sonntag sein. Voraussichtlich wird es aber auch noch mehr Bling geben als sonst. Denn angeblich ist unter den Stylisten nicht nur ein Wettlauf um die schönsten schwarzen Kleider, sondern auch um besonders auffälligen Schmuck entbrannt. Bei so viel Uniformität bleibt schließlich nicht viel Spielraum für Folgeaufträge generierende Akzente.

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Einige Männer wollen sich ebenfalls solidarisch zeigen. Gar nicht so einfach, wenn der Dresscode "Black Tie" vorschreibt. Hollywood-Stylist Michael Fisher, der Hugh Jackman und Sam Rockwell berät, will seine Klienten deshalb mit schwarzen Einstecktüchern und Armbinden auf den roten Teppich schicken. Dafür mitverantwortlich ist seine Kollegin Ilaria Urbinati, die unter anderem Dwayne "The Rock" Johnson und Liev Schreiber zu ihren Kunden zählt. Alle ihre "Jungs" werden in Schwarz erscheinen, kündigte sie auf Instagram an und fügte hinzu, es wäre derzeit wahrscheinlich wenig angebracht, den "Außenseiter" zu geben.

Der rote Teppich als Protestbühne

Es ist nicht das erste Mal, dass der rote Teppich als Protestbühne genutzt wird: 2015 bewarb die damalige Co-Moderatorin Amy Poehler im Vorfeld der Golden Globes den Hashtag #AskHerMore . Ein Hinweis darauf, dass Frauen mehr zu sagen haben als welchen Designer sie tragen. 2016 rebellierten Hollywoodstars in Cannes gegen die High-Heels-Vorschrift für Frauen, indem sie barfuß erschienen. 2017, im Jahr eins unter Trump, verteilte die US-Bürgerrechtsbewegung ACLU blaue Schleifen bei den Oscars.

Einer der ersten Hollywoodstars, der seinen großen Auftritt und sein Outfit für eine politische Botschaft nutzte, war aber Jane Fonda. Als Zeichen gegen den Vietnamkrieg hatte sie 1972 ihren Oscar für die beste weibliche Hauptrolle in einem schwarzen Anzug mit Mao-Kragen entgegengenommen - passenderweise von Yves Saint Laurent, der sich mit "Le Smoking" früh für die Emanzipation der Frau einsetzte.

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Doch waren es in der Vergangenheit in der Regel Einzelpersonen, deren Vorbild sich später Gleichgesinnte anschlossen - in Cannes beispielsweise traten Susan Sarandon, Sasha Lane und Kirsten Stewart in die Fußstapfen von Julia Roberts. Dass sich im Vorfeld abgesprochen wird wie bei der diesjährigen Preisverleihung, ist eher ungewöhnlich.

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Die Schauspielerin Rose McGowan nannte die Aktion "scheinheilig". Machtverhältnisse ließen sich durch Taten verschieben, nicht mit ein bisschen Schwarz. Die einflussreiche Modekritikerin Robin Givhan schrieb in der "Washington Post": "Das kommt so rüber, als sei die richtige Antwort auf sexuelle Belästigung sich anders zu kleiden." Außerdem sei es vielleicht emanzipatorischer, wenn sich die Schauspielerinnen zu dieser Gelegenheit einmal selbst ein Kleid kaufen würden, anstatt sich einkleiden zu lassen.

Andere wittern einen einfachen PR-Stunt und nehmen insbesondere den Männern ihren guten Willen nicht ab: "Wie genial - Männer, die zu den Golden Globes Schwarz tragen, einem Ereignis, bei dem sie normalerweise schwarze Smokings tragen", kommentierte "The Daily Beast" die "Men in Black". Das Ganze sei Teil der berühmten Tradition von Männern, möglichst wenig Aufwand zu betreiben und trotzdem dafür Lob zu erwarten.

Publicity und Geld

"Kein Mann sollte sich dafür rühmen, einen schwarzen Smoking zu tragen", findet auch Seth Meyers. Insgesamt ist der Moderator der diesjährigen Gala aber begeistert von der Aktion. Gegenüber "US-Weekly" sagte er: "Auch wenn das ein unglaublich schlechtes Jahr war, gibt es eine echte Chance und, wie ich finde, Gelegenheit zum Optimismus. Vor allem, wenn man die Solidarität sieht und wie diese wirklich klugen, empathischen Frauen sich zusammenschließen."

Sicher mag es auch einige geben, denen es eher um gute Publicity geht. Andererseits darf man aber nicht vergessen, dass sich in Hollywood noch nicht viel geändert hat seit der #MeToo-Debatte. Die allermeisten Filme werden noch immer von Männern gedreht, weißen Männern. Bei den Golden Globes ist keine einzige Regisseurin nominiert. Ein politischer Auftritt kann also immer noch der Karriere schaden.

Daran wird auch ein schwarzer Teppich bei den Golden Globes vermutlich nicht viel ändern. Doch durch das Modestatement bleibt das Gleichbehandlungsthema in den Medien, und der Hilfsfonds von "Time's Up" wird weiter anwachsen. Denn einige Stylisten wollen ihre Provisionen von Modehäusern in diesem Jahr spenden. Die Frauen und ihre Roben werden also doch etwas vermarktet haben - die gute Sache.

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