Zur Ausgabe
Artikel 67 / 73
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Gestorben Gottfried Böhm, 101

aus DER SPIEGEL 24/2021
Foto:

David Klammer / KNA

Der Sohn eines Architekten wäre gern Bildhauer geworden; auf seine Art wurde er es auch. Zwar ergriff Böhm, 1920 in Offenbach geboren, denselben Beruf wie sein Vater, wurde sogar einer der bekanntesten deutschen Architekten seiner Generation, doch viele seiner Bauten erinnern an Skulpturen. In der Nachkriegszeit wurden Tausende neue Kirchen errichtet, allein Gottfried Böhm entwarf mehr als 40 sakrale Gebäude und wagte echte Formenexperimente. Ein solches stellte auch die Wallfahrtskirche im niederbergischen Neviges dar, die wie ein Riesenkristall aus Beton oder eine expressionistisch geformte Festung wirkt. Doch natürlich errichtete er auch Profanes. Eine 1985 eingeweihte Konzernzentrale verbindet einen filigranen Glasmittelteil mit rötlich-postmodernen Bürotrakten, das Bürgerhaus von Bergisch Gladbach könnte eine vergrößerte Lego-Burg sein. Seine Fähigkeit, mit Architektur Aufsehen zu erregen, brachte dem damals 66 Jahre alten Baumeister 1986 eine in seiner Branche besonders begehrte Auszeichnung ein: den Pritzker-Preis. Böhm war mit einer Architektin verheiratet, drei seiner vier Söhne folgten ihm im Beruf nach. Gottfried Böhm starb am 9. Juni in Köln.

uk
Zur Ausgabe
Artikel 67 / 73
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.