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Stil-Highlights der Woche Auf den Hund gekommen

Gucci entdeckt seine Tierliebe wieder und kleidet jetzt Hunde ein, Jean Paul Gaultier feiert die Nacktheit und wir den alkoholfreien Aperol. Drei Dinge, an denen wir diese Woche hängen geblieben sind.
Von Maren Keller, Sebastian Späth und Katharina Hölter

Alkoholfreier Aperol

Foto: Plateresca / iStockphoto / Getty Images

Immer, wenn man den Glauben daran zu verlieren droht, dass es der Menschheit um Fortschritt gehen könnte, empfiehlt sich ein Gang in den Supermarkt. Denn hier sieht man, zu welch Innovationen sie in der Lage ist, wenn sie nur wirklich will. Viel wurde in diesem Zusammenhang schon über Hafermilch und vegetarische Ersatzprodukte geschrieben, die ihren Fleisch-Vorbildern immer ähnlicher geworden sind. Doch im Schatten dieses Produktzweiges hat sich noch eine zweite Ernährungsrevolution ereignet: Innerhalb der vergangenen Jahre hat sich auf dem Markt für alkoholfreie Getränke so viel getan, dass es nun alkoholfreien Fruchtsecco gibt, alkoholfreien Hugo, alkoholfreien Gin, alkoholfreien Wodka, alkoholfreien Kräuterschnaps und – besonders lecker: alkoholfreien Aperol.

Das perfekte Getränk für all jene Sommerabende, an denen man einfach nur mit einem Glas im Garten sitzen möchte, aber vielleicht noch fahren oder Kinder betreuen oder am nächsten Tag früh raus muss oder gerade auf seine Gesundheit achtet, all das soll ja vorkommen. Und so wie gute vegane Burger kaum noch vom Original zu unterscheiden sind, schmeckt auch der alkoholfreie Aperol täuschend echt. So echt, dass man sich vor einer neuen Krankheit fürchten muss: dem Placebo-Kater. So echt, dass man sich wünscht, die zweifellos schlauen Köpfe hinter diesem Getränk würden sich mit ihrem ungebremsten Fortschrittshunger und ihrem Innovationsgespür an noch ganz andere gesellschaftliche Themen wagen, die Energiewende  zum Beispiel. Das Problem wäre vermutlich in spätestens fünf Jahren gelöst. Und das Beste daran: Wir wüssten schon, womit wir darauf dann anstoßen würden. Maren Keller

Nackt-Shirts

Anziehend? Passantin in London

Anziehend? Passantin in London

Foto: Backgrid / Cobra / action press

Das Schöne an Trends ist ja, dass man sie nicht mitmachen muss. Sonst trüge man bislang 2022 nichts Halbes und nichts Ganzes. Im Frühjahr – zu frischen Temperaturen – wäre es der Miu-Miu-Rock bis knapp unter den Popo gewesen und dazu eine Bluse und ein Pullover, der kurz unter der Brust endet. Auch im heißen Sommer zeigt man – na klar – wieder Haut. Aber auch irgendwie nicht so richtig. Derzeit angesagt sind Naked-Dress und Naked-Shirt, Kleidungsstücke mit Nackt-Print. Anders ausgedrückt: Man trägt Nacktheit auf der Haut.

Die Choreografin Nikeata Thompson präsentierte sich schon im Finale von Germany's Next Topmodel darin. Diese Woche stieg dann auch DIE Influencerin unter den Influencerinnen, Chiara Ferragni, ein. Die Teile entstammen der gemeinsamen Kollektion von Jean Paul Gaultier und der Stylistin Lotta Volkova . Die hat sich für die Capsule-Kollektion die ikonischen Styles des Modeschöpfers angeschaut und sie neu interpretiert: Darunter der legendäre Kegel-BH und ein nudefarbenes Trompe-l'oeil-Kleid (ein Stoffdruck, der Dreidimensionalität vortäuscht), das erstmals in den Achtzigern entworfen wurde.

Wer keinen neuen Körper will und erst mal nur neue Brüste, dem sei die Bikini-Variante ans Herz gelegt. Kylie Jenner hat es schon mal ausprobiert.

Was Gaultier und Volkova vereint: ihr Gespür für Exzentrik. (Schon das Miu-Miu-Styling ging auf das Ideenkonto der Stylistin.) Die Deutschen sind für vieles bekannt, aber für ihre Exzentrik nun wirklich nicht. Insofern dürfte man sich entspannt zurücklehnen. Auf Naked-Dresses in den Fußgängerzonen wartet keiner. Katharina Hölter

Gucci für Hunde

Foto: Gucci

Wenn ein Wort die vergangenen Mode-Jahre zusammenfasst, dann dieses: Stilbruch. Kaum ein Luxusmodehaus, das nicht versucht hätte, mit Konventionen zu brechen, und wenige Streetwear-Label, mit denen nicht munter kooperiert wurde. Nun scheint es zumindest bei der italienischen Edelmarke Gucci eine Art Rückbesinnung auf die Wurzeln zu geben: auf die Tierliebe. Gegründet wurde das Unternehmen 1921 von Sattlermeister Guccio Gucci in Florenz, die ersten Designs waren vom Pferdesport inspiriert. Mehr als 100 Jahre später widmet sich Gucci wieder den tierischen Begleitern, allerdings auf eine ganz andere Art: Man möchte sie einkleiden. Vor wenigen Tagen launchte Gucci seine erste Haustier-Kollektion.

Schwerpunktmäßig für Hund und Katze gibt es jetzt Mäntelchen, Leinen und Halsbänder mit dem berüchtigten ineinander verschränkten Doppel-G. Verantwortlich dafür zeigt sich Gucci-Kreativchef Alessandro Michele persönlich. Das Modehaus verspricht, die »Pet Collection« betone »die Charakterzüge jedes Hundes und jeder Katze – von verspielten Schmusetigern bis hin zu kecken Diven«. Das Netz feiert Michele dafür. Intern allerdings läuft es weniger rund für ihn. Auf der jüngsten Konzern-Sitzung wurde seine Teilentmachtung beschlossen. Der Grund: Unter Michele zeigt Gucci Anzeichen von Verbrauchermüdigkeit und ist beim Wachstum deutlich hinter den Top-Konkurrenten Louis Vuitton zurückgefallen. Beim Mutterkonzern Kering will man nun offenbar die Reißleine ziehen, bevor Gucci ganz auf den Hund kommt. Einige sehen bereits das Ende der Ära Michele nahen. Wäre dies mit einer Haustierkollektion eingeläutet, es hätte seinen Charme. Sebastian Späth

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