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Jürgen Höfer / plainpicture

Ein Friseurmeister gibt Tipps So retten Sie Ihre Frisur über den Shutdown

Pony kürzen, Ansatz kaschieren, Konturen nachschneiden: Friseurmeister Roman Bartl erklärt, was man selbst mit seinen Haaren machen kann – und welche Fehler man vermeiden sollte.
Ein Interview von Maren Keller

SPIEGEL: Herr Bartl, wie lange kann man die Zeit bis zum nächsten möglichen Friseurbesuch strecken? 

Roman Bartl: Das kommt ganz auf die Frisur an. Wer lange Haare hat und höchstens seinen Pony hin und wieder nachschneiden muss, kann das relativ lang hinauszögern. Anders ist es bei kurzen Haarschnitten. Aber auch da kann man vier bis fünf Wochen so überbrücken, dass es wenigstens von vorne einigermaßen gut aussieht – was für Videokonferenzen ja das Wichtigste ist.  

SPIEGEL: Wann ist der Punkt gekommen, an dem man überlegen sollte, selbst nachzuschneiden? 

Bartl: Das ist individuell unterschiedlich. Manche Leute klemmen sich die Haare einfach hinters Ohr und alles ist wunderbar. Andere fühlen sich irgendwann unwohl. Ich würde deshalb sagen: sobald man sich nicht mehr gepflegt fühlt. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Frisur. Bei vielen Männern wachsen ja zum Beispiel die Augenbrauen. Und natürlich gibt es Typen, die finden es richtig toll, möglichst lange und buschige Augenbrauen zu haben. Aber andere fühlen sich vielleicht wieder wohler, wenn sie die Brauen etwas kürzen.  

SPIEGEL: Was braucht man, wenn man sich dazu entscheidet, sich selbst die Haare nachzuschneiden? 

Bartl: Im Prinzip nicht viel. Einen Kamm und eine Schere. Beim Kamm sind diejenigen am besten geeignet, die an einer Seite gröber sind. Haarschneidescheren gibt es zum Beispiel im Drogeriemarkt. Man muss wirklich nicht viel Geld dafür ausgeben. Im Internet gibt es Haarschneidesets für 20 Euro. Ich habe die Schere aus einem dieser Sets jetzt eine Weile getestet, weil ich neugierig war, wie lange sie hält. Und nun – nach drei, vier Monaten – wird sie langsam stumpf. Jemand, der sich nur gelegentlich die eigenen Haare nachschneidet, kommt damit also wahrscheinlich drei oder vier Jahre aus.  

SPIEGEL: Als Ihr Salon im ersten Shutdown im Frühjahr schließen musste, haben Sie Tutorials gedreht, in denen Sie erklären, worauf es ankommt, wenn man sich selbst die Haare schneiden möchte.  

Bartl: Obwohl ich Friseurmeister bin, finde ich es relativ schwierig, sich selbst die Haare zu schneiden. Und auch wenn man seinem Partner oder seiner Freundin die Haare nachschneidet, gilt: Die Verantwortung ist groß, es kann wahnsinnig viel schiefgehen. Ich möchte also mit den Videos gar nicht erreichen, den Friseurbesuch zu ersetzen. Es geht wirklich nur darum, die Zeit zu überbrücken. Ich habe dabei übrigens bemerkt, wie viele Dinge Laien nicht wissen, die für Friseure selbstverständlich sind – zum Beispiel, wie man Schere und Kamm überhaupt richtig hält.  

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SPIEGEL: Welches ist der größte Fehler, den man beim Pony-Nachschneiden machen kann? 

Bartl: Definitiv die Haare im nassen Zustand zu schneiden. Den meisten Leuten ist nicht bewusst, wie sehr sich Haare verändern, wenn sie trocknen. Plötzlich kommen Wirbel zum Vorschein, oder die Haare werden wellig. Deshalb gilt eigentlich immer: die Haare erst einmal so stylen, wie man sie immer trägt. Dann sieht man schon, wie das Haar fällt. Wo es vielleicht etwas zu schwer geworden ist. Wo man die Konturen nachschneiden kann. Wo die Linie verläuft, die der Friseur mit der Frisur vorgegeben hat, denn der hat sich ja etwas dabei gedacht.  

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SPIEGEL: Sie erklären auch, dass man – anders als die Frau auf unserem Bild oben – die Haare nicht seitwärts, sondern von unten schneiden sollte. Warum ist das besser? 

Bartl: Wir Friseure nennen das pointen. Dabei wird die Linie weicher, man vermeidet dieses topfmäßige Aussehen. Wenn man das Haar ganz stumpf abschneidet, dann verzeiht einem das nicht so viel.  

SPIEGEL: Was würden Sie Menschen raten, die regelmäßig ihre Haare färben? 

Bartl: Wer seine Haare einfach nach vorne ins Gesicht fallen lässt, hat wahrscheinlich relativ wenig Probleme – höchstens am Hinterkopf. Anders sieht das aus, wenn man die Haare gern zum Zopf zurückbindet oder Scheitel trägt. Der einfachste Trick ist es, den Ansatz einfach mit etwas Mascara zu überfärben. Das funktioniert überraschend gut und ist wirklich ganz simpel. Wichtig dabei ist, dass man das Haar beim Auftragen mit den Händen auf Spannung hält. Dann kann man die Farbe genauer auftragen. Es gibt inzwischen aber auch viele Farbsprays. Dabei würde ich darauf achten, aus ausreichender Entfernung zu sprühen, damit es nicht fleckig wird. Das Gesicht kann man mit etwas Papier abdecken. Und ich würde auch immer ein feuchtes Tuch bereitliegen haben. Schwieriger wird es bei Strähnchen. Sich selbst Strähnchen zu färben, ist wirklich wahnsinnig herausfordernd.  

SPIEGEL: Am allerschwierigsten sind aber Kurzhaarschnitte, oder? 

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Bartl: Definitiv. Aber auch ohne besonderes Talent kann man zumindest die Konturen im Sichtbereich nachschneiden. Das ist gut möglich. Für alles andere braucht man allerdings sehr viel Talent. Ich rate auch da den Männern, unbedingt an trockenen Haaren zu arbeiten und sie vorher zu stylen. Sodass man einfach den natürlichen Fall des Haares gut sieht. Oft haben Männer auch Haarschneidemaschinen. Aber ich rate davon ab, sich selbst die Haare einfach irgendwie kurz zu scheren. Es sei denn, man sagt: Ich mache jetzt wirklich radikal den ganzen Kopf kurz. Aber wenn man ehrlich ist, gibt es nur wenige Männer, bei denen so eine Frisur gut aussieht. Lieber nur die Konturen vorne nachschneiden und dann halt zur Not einen Rollkragenpullover tragen, wenn die Haare im Nackenbereich zu lang werden.  

SPIEGEL: Welches ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Tipp? 

Bartl: Dass man sich unbedingt genug Zeit nehmen sollte. Und man sollte schon wach dafür sein. Es kann nur schiefgehen, wenn man sich morgens ein paar Minuten vor der Videokonferenz mal eben die Haare nachschneiden möchte.  

SPIEGEL: Was glauben Sie: Wenn Sie wieder aufmachen dürfen, bei wie viel Prozent Ihrer Kunden müssen Sie etwas retten? 

Bartl: Ich rechne mit einem Drittel. Interessanterweise haben die meisten Menschen ein richtig schlechtes Gewissen, wenn sie selbst an ihren Haaren herumgeschnitten haben. Mein Job ist es, ihnen das schlechte Gewissen zu nehmen. Ich scherze dann und sage: Ist doch super – dann muss ich schon mal weniger abschneiden.

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