Häuser des Jahres Backstein kann so schön sein

Historische Gebäude in der Nachbarschaft sind schön, rufen aber die Denkmalbehörde auf den Plan. Bei diesem Backsteinhaus gelang zwei Architekten die perfekte Mischung aus Tradition und Moderne.

Hehnpohl Architektur Architektur/ Foto: Marc Hehn/ Callwey

Marc Hehn und Christian Pohl waren prädestiniert für diesen Neubau in Münster. Die Architekten kennen sich aus mit Backstein. Ein von ihnen im Stil der frühen Moderne geplantes Einfamilienhaus im Münsteraner Geistviertel belegte 2011 den dritten Platz beim Fritz-Höger-Preis für Backsteinarchitektur. Das Material bestimmt an dem Haus "zwar die gesamte, monolithische Form des Baukörpers, angewendet nimmt er sich aber auf die handwerkliche Qualität zurück", schrieb die Jury damals.

Das gilt gleichermaßen für dieses Familienheim in der Buddenstraße in Münster. Es steht in Sichtweite des Buddenturms. Alles in der Umgebung des 1150 als Wehrturm errichteten Wahrzeichens darf nur auf bestimmte Art gebaut werden. Es musste also Backstein sein, und irgendwann waren sich die Bauherren sicher, dass es Marc Hehn und Christian Pohl sein müssen, die seit 2008 als hehnpohl Architekten firmieren.

Doch vor dem Bauen kam das Abbauen. Denn das Grundstück war nicht frei, hier stand noch ein anderes Haus. Und bevor die städtische Denkmalbehörde grünes Licht für den Abriss gab, wollte sie wissen, wie denn die Alternative aussehen soll. Der Gestaltungsbeirat der Stadt hatte ebenfalls ein Wörtchen mitzureden. Danach aber war der Weg frei für den Rück- und anschließenden Neubau.

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Neubau in der Altstadt: Haus Buddenturm in Münster

Heute steht dort ein viergeschossiges Backsteinhaus, dessen Fassade zur Straße hin dreifach aufgebrochen ist: der mit Kupfer verkleidete Eingang und die Garageneinfahrt. Darüber öffneten die Architekten die Wand für eine Eckverglasung, vor der eine Sitzbank steht. Im zweiten Obergeschoss schnitten Hehn und Pohl nicht so tief in die Fassade wie im Stockwerk darunter, aber auch hier entstand ein schöner Aussichtspunkt.

Betritt man das Haus, führt rechterhand eine Treppe nach oben. Je weiter hinauf man gelangt, desto heller wird es, denn in Giebel und Traufe sind Dachfenster eingelassen. Hinter dem Eingangsbereich liegt ein Multifunktionsraum, dahinter geht es in den Innenhof. Das Sichtbetontreppenhaus führt nach oben zum Wohn- und Essbereich mit angrenzender Dachterrasse. Die restlichen Stockwerke sind reserviert für die Schlaf- und Arbeitszimmer sowie weiteren Wohnraum.

Preisabfragezeitpunkt:
11.12.2019, 03:03 Uhr
Ohne Gewähr

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"Es wirkt angemessen in seinen Proportionen und seinem Klinkermaterial und nimmt viel Rücksicht auf den städtebaulichen Kontext, was Höhe und Masse angeht, gleichzeitig wirkt es aber auch geheimnisvoll", urteilte die Jury diesmal, und vergab an Marc Hehn und Christian Pohl einen Preis im Wettbewerb für die "Häuser des Jahres". Diesmal belegten sie nicht den dritten Platz, sondern den ersten. Ist ja auch ein erstklassiges Haus.

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insgesamt 81 Beiträge
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Seite 1
frank2013 02.12.2019
1. Außen hervorragend gelungen.....
...innen den Charme einer Tiefgarage. Beton allerorten. Wer es mag...
so...so... 02.12.2019
2. Ja, ja, Backstein kann so schön sein....
Nur schade das der Architekt innen Sichtbeton verwendet hat. So hat das Haus innen den Charme einer Strassenunterführung. Wer soll in so einer Gruft freiwillig wohnen? Von außen wirkt das Haus schon sehr abweisend. Sollte das eine Warnung des Architekten sein, komm keinesfalls rein? Denn innen ist es an Trostlosigkeit und Kälte wohl kaum zu überbieten.
Brösel# 02.12.2019
3. ?
Als Architekt mit Schwerpunkt Altbausanierung kann ich da nur verständnislos den Kopf schütteln. Wo bleiben da die gesunden und nachhaltigen Baustoffen wie Lehm? Der einzige Trost sind die Backsteine, die hoffentlich nicht mit Zementmörtel aneinander gepappt sind und die Bodenbeläge, die sich hoffentlich nicht als Laminat - und somit Sondermüll - entpuppen.
Zita 02.12.2019
4.
Unterschreibe bei Kommentar 1, "Charme einer Tiefgarage" trifft's. Dieser Sichtbeton drinnen ist grauenhaft - Frage mich, wie die Akkustik da ist? Bei der Bildunterschrift "lauschiges Fensterplätzchen" hätte ich fast meinen Tee vor Lachen aufs Laptop gespuckt. Offensichtlich fand der Autor den Sichtbeton auch nicht so richtig gemütlich.
claudio_im_osten 02.12.2019
5. Wer kommt zu einer solchen Einschätzung?
Der erste Blick aufs Foto reicht: Die Fassade dieses Hauses fügt sich nicht harmonisch in das umliegende Ambiente ein - da hilft auch der Backstein nichts. Ich bin immer wieder erstaunt, was den Architekten so einfällt.
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