Zu Hause bei Designer Uli Budde Wohnen mit Familiengeschichte

Was tun, wenn die kleine Tochter Kratzer auf der Tischplatte hinterlässt? Gelassen bleiben. Designer Uli Budde zeigt, wie Bobbycar und stylische Altbauwohnung zusammenpassen.

Von und Carina Wendland (Fotos)


Zugehöriges Bild ansehen: Klicken Sie auf die Symbole im Text

Zur Person
  • Carina Wendland
    Uli Budde, Jahrgang 1978, studierte an der FH Potsdam und der Design Academy Eindhoven, wo er 2004 seinen Abschluss machte. Seit 2005 entwirft er gemeinsam mit dem niederländischen Designer Ivan Kasner unter dem Namen Officeoriginair Produkte für Unternehmen. Das Duo wurde unter anderem mit dem Red Dot Award, dem Design Plus Award und dem Dutch Design Award ausgezeichnet. Seit 2009 betreibt Budde zudem in Berlin sein "Uli Budde Design Office".
SPIEGEL ONLINE: Herr Budde, wie würden Sie Ihren Wohnstil beschreiben?

Uli Budde: Neu kaufe ich eigentlich nichts. Einen Katalog aufzuschlagen und Möbel zu bestellen - das wäre nichts für mich. Meine Freundin und ich entscheiden nach und nach, welches Stück wo stehen soll. Eine Wohnung ist nie fertig.

SPIEGEL ONLINE: Welches ist Ihr liebstes Einrichtungsstück?

Budde: Der Esstisch . Das ist ein Entwurf von Cees Braakman für Pastoe aus den Fünfziger-, Sechzigerjahren. Die Großmutter meiner Freundin hatte den gleichen, deswegen haben wir ihn online ersteigert. Ich mag das Modell, er wirkt ganz leicht und nicht aufdringlich. Das Furnier war ein bisschen abgesplittert, das haben wir wieder aufgefüllt. Durch unsere Tochter kommen immer mal neue Kratzer dazu, das ist aber gar nicht schlimm.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Ihrer eigenen Stücke stehen in der Wohnung?

Budde: Ich habe hier sowohl Prototypen als auch fertige Entwürfe. Als Designer gestaltet man immer auch ein bisschen für sich selbst. Meine Produkte hier sind nicht aufdringlich oder enorm präsent. Die Leuchte Balloon zum Beispiel, die auf dem Schrank im Wohnzimmer steht . Die Lampe ist das erste, was ich morgens anmache. So scheint hier immer eine kleine Sonne.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Produkt kam der Durchbruch?

Budde: Wenn es darum geht, welches Produkt am ehesten für mich und meine Gestaltungsweise steht, sind es wohl drei: die Balloon-Lampe, der Reading Table, der einfach das Problem der herumfliegenden Zeitschriften löst , und die Glasleuchte Hazy Day . Die steht für mich für die Sonne, die sich morgens durch den Nebel kämpft.

SPIEGEL ONLINE: Erinnerungsstücke horten - dafür oder dagegen?

Budde: Ich ziehe immer mit wirklich allen Dingen um. Viele kleine Erinnerungsstücke, die man im Laufe der Jahre gesammelt hat, sieht man hier auf den Regalbrettern und den Schränken . Die platzieren wir bewusst sichtbar und verstecken sie nicht hinter Schranktüren. Ich finde, das macht auch das Persönliche einer Wohnung aus.

SPIEGEL ONLINE: Was gefällt Ihnen gar nicht in Ihrer Wohnung - und warum steht es trotzdem noch da?

Budde: Die Leitungen liegen bei uns direkt unter der Tapete und zeichnen sich sichtbar im Relief ab. Andererseits sind es aber auch die Details, die eine Wohnung charmant machen.

SPIEGEL ONLINE: Woran darf man auf einem Flohmarkt auf keinen Fall vorbeilaufen?

Budde: Flohmärkte sind schon eine gute Möglichkeit, um günstig an neue Möbel zu kommen. Mein Favorit in Berlin ist der am Arkonaplatz. Für uns hat der Flohmarktbesuch immer auch eine soziale Komponente. Wir machen einen Sonntagsausflug daraus und treffen dort Freunde, die in der Nähe wohnen. Das Kaufen von Dingen wird dabei eher zur Nebensache.

SPIEGEL ONLINE: Welche Tricks gibt es sonst noch für schmale Budgets?

Budde: Die niederländische Variante vom Ebay-Kleinanzeiger hat eine bessere Auswahl als der deutsche. Dort kann man gut Designklassiker kaufen. Meine Sitzecke habe ich dort auch ersteigert.

SPIEGEL ONLINE: Ikea - ja oder nein?

Budde: Die Möbelhäuser sind zwar im Preis unschlagbar, aber die Frage ist ja, wie die Sachen hergestellt werden, wie die Qualität ist und wie lange sie halten. Es gibt natürlich noch eine Reihe anderer Möbelhäuser, die das gleiche Konzept haben. Eine bessere Quelle für Möbel sind Freunde und Familie. Da sieht man den Produkten dann an, dass sie eine Geschichte haben.

SPIEGEL ONLINE: Und was geht gar nicht?

Budde: Grundsätzlich geht alles. Ich habe allerdings ein Problem mit Plüschsofas oder weißen Ledersofas. Ich mag es eher, wenn die Einrichtung bodenständig ist und sie Erinnerungen weckt oder einen beim Betrachten zum Lachen bringt.


Nächste Woche Teil 5 der Wohnserie: Hausbesuch bei Mathias Hahn.



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Blaue Libelle 29.10.2014
1. Tolle Wohnung
Tolle Geschichte. Mehr davon!
erkelenzer 29.10.2014
2. Hip
Kartonhaus, Bobbycar, Küche mit offenen Regalen, unverputzte Wände. Danke, Herr Budde, ich erkenne mich in Ihrer sympathischen Wohnung wieder und fühle mich seit heute hip! Und bestimmt gibt es auch die Abstellkammer, wohin Sie das ganze herumfliegende Zeug vor dem Shooting verfrachtet haben ;-)
Jim Power 29.10.2014
3. Doll.
Da war ich ja in meiner Hamburger Altbaubutze in den 90er Jahren trendiger als ich vermutete. Denn bis auf ein paar Details war meine Wohnung dieser "stylischen" Altbauwohnung sehr, sehr änlich. Gut der Grund dafür war damals ein knappes Budget während des Studiums, aber ich war wohl extrem hipp... Unterschied war, meine Wohnung sah immer bewohnt und belebt aus, die Fotos wirken auf mich nach einem nicht wirklich "lebendigem" Wohnraum.
mag-the-one 29.10.2014
4. Nun ja....
ich finde die Wohnung jetzt nicht besonders "wohnlich", um es mal euphemistisch auszudrücken, aber: die Leuchte "Balloon" ist schlicht der Hammer !
gracie 29.10.2014
5. Gefällt mir sehr
"Ich kaufe eigentlich nichts..." ist auch mein Motto. Was in meinen jungen Jahren aus Geldnot entstand, ist unterdessen zu meinem Lebensmotto geworden und macht richtig Spass Herr Budde ihre Wohnung ist lichtdurchflutet, strahlt viel Freude aus und vor allem besitzt sie etwas unbezahlbares, eine Seele !
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.