Hugendubel-Jutebeutel Die etwas andere It-Bag

Männer, Frauen, Kinder und "viele, viele stylische Leute": Einer Autorin der "New York Times" fällt an Berlinern eine besondere Tasche auf, sie recherchiert - und macht den Jutebeutel international bekannt.

Praktische Alltagstasche und nun auch international begehrt: Der Beutel von Hugendubel
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Praktische Alltagstasche und nun auch international begehrt: Der Beutel von Hugendubel


Pünktlich zur beginnenden New York Fashion Week hat es ein deutsches Design in die internationale Modeberichterstattung geschafft. Mikaella Clements, in Berlin lebende Autorin für die "New York Times" fiel in Berlin immer wieder dieser Jutebeutel auf: schwarzer gotischer Schrift auf weißem Stoff und darüber ein rotes Wachssiegel. Junge Väter, ältere Frauen und 12-jährige Kinder würden den Beutel tragen - vor allem aber "viele, viele stylische Leute", schreibt sie in ihrem Artikel über die "mysteriöse Einkaufstasche".

Um den Designer in Erfahrung zu bringen, sprach Clements Menschen in der U-Bahnstation und auf Straßenfesten an - und wurde schließlich zum Buchhändler Hugendubel geschickt. Der Besuch einer Berliner Filiale sei "eine Offenbarung, aber auch zutiefst beschämend" gewesen, schreibt Clements. Denn so besonders ist das Design nicht.

"Die Tasche ist heilig"

Ganz It-Bag-untypisch ist die Tasche weder exklusiv noch teuer. Sie kostet 1,50 Euro, ab einem Einkaufswert von 50 Euro ist sie gratis. Bis zu 60.000 Mal im Jahr wird sie laut Unternehmen verkauft. Immerhin ist sie ein Klassiker.

"Die Tasche ist heilig", erklärte Hugendubels Marketing-Chefin, Sarah Orlandi, gegenüber der "New York Times". Es sei zwar nicht ganz klar, von wem das Design stammt, in Auftrag gegeben hatte es aber der Firmengründer, Heinrich Hugendubel. Seitdem ist das Design gleich geblieben. Es abzuwandeln sei unvorstellbar: "Ihr könnt alles ändern, nur nicht dieses Design", sei den Nachfolgern mit auf den Weg gegeben worden.

Das zahlt sich jetzt aus. Denn dank Clements Beobachtungen ist die Tasche nun auch international bekannt. "Wir erhalten schon eine Menge Anfragen aus dem Ausland, die den Beutel kaufen wollen, auch in Berlin kommen viele in die Filialen und fragen danach", sagt Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin des Buchhändlers.

Ob Clements selbst eine Tasche erstanden hat, erwähnt sie in ihrem Artikel nicht.

bal/dpa

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insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Galluss 06.09.2019
1. Alles nur geklaut
Das Design gibt es schon ewig. Vom Gutenberg-Museum in Mainz.
cobaea 06.09.2019
2.
Zitat von GallussDas Design gibt es schon ewig. Vom Gutenberg-Museum in Mainz.
Da bleibt aber offen. wer von wem "geklaut" hat. Wie in dem Artikel steht, soll Firmengründer Hugendubel den Beutel eingeführt haben - der gründete die Buchhandlung 1893 in München. Das Gutenberg-Museum in Mainz wurde 1900 gegründet. Da sollte man eventuell weniger davon ausgehen, dass der Eine vom Anderen abgeupfert hat, sondern eher, dass gotische Fraktur-Schrift damals hoch im Schwange war und beide unabhängig voneinander eine gute Idee hatten.
t_mcmillan 06.09.2019
3. Nix Jute
Baumwolle! Die Älteren hier werden die Jutetaschen noch aus den Achzigern kennen. Die gibt's schon lange nicht mehr. Kein Verlust. Jute ist gut für Kartoffelsäcke.
manni.baum 06.09.2019
4. doch jut
Zitat von t_mcmillanBaumwolle! Die Älteren hier werden die Jutetaschen noch aus den Achzigern kennen. Die gibt's schon lange nicht mehr. Kein Verlust. Jute ist gut für Kartoffelsäcke.
die Berliner sagen der jute Beutel.
kumi-ori 06.09.2019
5.
Wir hatten in unserem Haushalt in München (wo Hugendubel herkommt) schon vor 30 Jahren mindestens 5 oder 6 von den Dingern. Sie waren ungefähr so hoch geachtet wie eine Aldi-Plastiktüte und wurden verwendet für den Weg zum Altglascontainer, für dreckige Wanderschuhe, für Gartengeräte. Niemand fand sie überragend schön, aber eben praktisch. Schön aber, dass sie nun über New York den Weg zum Kunstwerk finden, so wie das Objet trouvé von Duchamp oder die Suppendose von Andy Warhol.
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