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Fotostrecke: Möbel-Klassiker neu gedacht

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IMM Cologne Wie Möbelhersteller das Bauhaus feiern

Das Bauhaus wird 100, ist aber hochmodern, wie ein Rundgang auf der Möbelmesse in Köln zeigt. Viele Hersteller legen die großen Entwürfe der Zeit neu auf und lassen sie von jungen Designern überarbeiten.

Der Marmor glänzt in edlem Rot, warmem Beige, nüchternem Grau. Wenn man nur dicht genug dran ist, kann man sich spiegeln im Messestand der amerikanischen Firma Knoll. Es sieht ein wenig so aus, als habe jemand ein Stück aus Mies van der Rohes Barcelona-Pavillon ausgeschnitten und hier in den ansonsten des Glamours unverdächtigen Messehallen in Köln-Deutz wieder abgeworfen. Es hat gute Gründe, dass Knoll so klotzt: Es ist das erste Mal, dass der Möbelhersteller auf der IMM Cologne vertreten ist. Der von Rem Koolhaas' Kreativagentur OMA entworfene Marmortraum kleidet die Edelentwürfe der Amerikaner angemessen; und er tut das genau zum richtigen Zeitpunkt: 100 Jahre nach der Gründung des Staatlichen Bauhauses in Weimar ist das Interesse an den Möbeln der Klassischen Moderne größer denn je.

Bei Knoll feiern sie das Bauhaus zwar opulent, aber, was die Produktpalette angeht, zurückhaltend; es wird eher an Stellschrauben gedreht, als das Rad neu zu erfinden. Am schönsten: Der 1929 für erwähnten Pavillon entworfene Barcelona-Sessel kommt in einer Sonderedition mit schwarz abgetönten Kufen und einem dunkelgrünen Lederbezug.

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Warum sollte man auch angeben? Die Unternehmen, die die großen Entwürfe der Bauhaus-Zeit herstellen, befinden sich ohnehin in einer recht komfortablen Situation. Wo andere sich Kollektion für Kollektion neu erfinden müssen, haben ihre Möbel die Beweisführung in Sachen Zeitlosigkeit bereits abgeschlossen: Wer bei Knoll, Thonet oder Tecta einen Freischwinger oder ein anderes Traditionsmöbel kaufen möchte, kauft ja bewusst an Jahr für Jahr postulierten Trends vorbei.

Raum für Experimente

Im 100. Jahr des Bauhauses bleibt genug Raum für Experimente, getreu dem 1993 von Lucius Burckhardt, Gründungsdekan der Bauhaus-Universität Weimar, formulierten Leitsatz "Vom Bauhaus lernen heißt, das Bauhaus nicht zu wiederholen": Tecta etwa ließ unter dem Motto "BauhausNowhaus" zwei Gestalterinnen Marcel Breuers Klappstuhl D4 neu denken: Kerstin Bruchhäuser verbindet Vintage-Materialien mit einer koreanischen Patchworktechnik, in der Mitte prangt ein Schmetterling. Esther Wilson ließ eine grafische Umsetzung des Bauhaus-Manifests auf die Bespannung sticken.

Die interessanteste Neugestaltung erfährt der Stuhl, den wohl jeder im Kopf behalten hat, der einmal die Bauhaus-Uni in Weimar besucht hat: Der F51 ist dort in Walter Gropius' Direktorenzimmer zu besichtigen und im Gegensatz zu den Stahlrohrmöbeln ein eher museales Stück. Die Designerin Katrin Greiling teilt den eigentlich einfarbigen Stuhl in verschiedene Gestaltungsflächen, spielt dabei nicht nur mit Farben, sondern auch mit Materialien. Es ist verblüffend, wie diese Änderung der Oberflächen dem Stuhl seine Wucht nimmt, ihn zu einem sehr zeitgemäßen Möbel macht.

Bei Thonet fällt das Bauhaus-Jubiläum auf ein zweites, für die Firma wohl wichtigeres: Das hessische Traditionsunternehmen feiert seinen 200. Geburtstag - und gibt an seinem Stand beinahe so etwas wie Geschichtsunterricht. "Café Thonet" nennt sich die Installation, große Neonbuchstaben weisen den Weg zu einem runden Tresen, um den sich verschiedene Bereiche versammeln. Einmal die Klassiker; begonnen bei Bugholzmöbeln wie dem Wiener Kaffeehausstuhl bis hin zu den Stahlrohrentwürfen von Mart Stam, Marcel Breuer oder Mies van der Rohe. Dann die jüngeren Modelle, etwa Sebastian Herkners Stuhl 118. Und schließlich die Neuinterpretationen, die bei Thonet unter dem Begriff "Re-Seen" laufen.

Das Hamburger Designstudio Besau Marguerre übersetzte Produktnummer 214, Thonets klassischen Kaffeehausstuhl, mit einem einfachen Kniff in ein durchaus modern wirkendes Möbel: Die Designer spielen mit dem Lack, variieren dessen Dicke und verändern so nicht nur die Farbigkeit des Bugholzes, sondern bringen auch dessen Maserung zum Vorschein. Zwei Mies-van-der-Rohe-Klassiker nahmen sie sich ebenfalls vor: Der Beistelltisch MR 515 fußt auf einem Modell für die Häuser Esters und Lange in Krefeld; schon im letzten Jahr versahen sie den Freischwinger S 533 F mit neuen Materialien.

Das Fiberglas kommt zurück

Auch jenseits des Bauhauses ist es nach wie vor der Markt der Re-Editionen, der sich streckt. Die Stuttgarter Möbelfirma Richard Lampert hat zwei Stücke von Herbert Hirche neu aufgelegt, einer der größten deutschen Gestalter der Nachkriegszeit. Auch das passt zum Jubiläum, Hirche studierte am Bauhaus in Dessau und Berlin und arbeitete später im Büro von Mies van der Rohe. In den Sechzigerjahren kleideten Hirches Leiterregale, furniert im feinsten Mahagoni, die Wände der besseren Gesellschaft. Heute gibt es sie nun im ebenso kühlen wie coolen Lichtgrau. Auch das Sesselprogramm 350 gibt es wieder; die retrofuturistischen Formen wirken so, als hätte man sie direkt aus einem Wirtschaftskrimi der Siebziger importiert.

Die Schweizer von Vitra besinnen sich ebenfalls auf ein Erfolgsmöbel der Nachkriegszeit: Der ikonische Side Chair, zuletzt aus Polypropylen gefertigt, ist nun wieder in Fiberglas erhältlich. Eigentlich ein Rückschritt, Fiberglas ist schwieriger zu verarbeiten als Kunststoff - und nicht recyclebar. In einer Zeit, in der sich alle Unternehmen Nachhaltigkeit auf die Fahne schreiben, durchaus ein Thema, das diskutiert werden sollte.