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Die Mode der Zukunft: schick und smart

Foto: Denis Poroy/ AP Images for Adobe

E-Textiles Wenn das Kleid plötzlich leuchtet

GPS-Hosen, Leuchtkleider, Oberteile mit Pulsmesser und Touchscreen: Seit Jahren versuchen Designer, Mode und Technik zu vereinen. Nun bekommen sie Hilfe von Google und Co.

Claire Danes geht vorsichtig einen Schritt zur Seite, dreht sich, bleibt vor dem Spiegel stehen und leuchtet plötzlich in Grau, Blau und Silber. Der Modedesigner Zac Posen hatte dem Outfit, das die US-amerikanische Schauspielerin vor einem Jahr auf der Met Gala trug, einen Spezialeffekt eingebaut: Bei Einbruch der Dunkelheit begann der Stoff zu leuchten. Eingenähte LED-Lichter und 30 Batterien verhalfen Danes zu ihrem Cinderella-Moment.

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Zac Posen reitet damit auf dem Kamm der Trend-Welle: LED-Roben und GPS-Hosen, intelligente Oberhemden und aufmerksame Babystrampler - die Kleidung von morgen wird schlau. Unter dem Stichwort Smart Clothing oder E-Textiles arbeiten Firmen wie Google, Samsung, Panasonic, Adidas, Nike, Ralph Lauren oder Levi's an Stoffen, die interaktiv mit Geräten für die Datenübertragung verbunden sind.

"Ich empfehle jedem Jungdesigner, sich mit diesen Themen eingehend auseinander zu setzen", sagt Anita Tillmann. Die Unternehmerin aus Düsseldorf ist seit 2003 für die Premium Messe auf der Berliner Fashion Week verantwortlich. Smart Textiles sind laut Tillmann einer der derzeit am schnellsten wachsenden Trends. "Bald werden sie auch in jeder Retail-Kette zu finden sein", glaubt sie. Deshalb rief sie vor drei Jahren das Konferenzformat Fashiontech ins Leben, das jedes Jahr zeitgleich mit der Modemesse stattfindet und die beiden Branchen miteinander vernetzen soll.

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Die Mode der Zukunft: schick und smart

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Das Highlight in diesem Jahr waren die intelligenten Spiegel von Oak Lab, die potentiellen Käufern in der Umkleidekabine weitere passende Kleidungsstücke vorschlagen. Meilenstein aus dem Vorjahr war die GPS-gesteuerte Hose der französischen Firma Spinelli Design, die ihren Träger nie vom Kurs abkommen lässt. Biegt man einmal falsch ab, erinnert der Stoff mittels Vibrationen an die richtige Richtung. Und Panasonics Kleiderbügel neutralisiert Gerüche an Kleidungsstücken mittels winziger, elektrostatischer Wassertröpfchen.

"Wichtig in diesem Jahr ist auch die Commuter Trucker Jacke von Levi's", fügt Tillmann hinzu. Zwei Jahre lang arbeiteten der Jeanshersteller und Google an der Entwicklung der Jeansjacke, über deren Ärmelmanschette ein Smartphone gesteuert werden kann. Mithilfe elektrisch leitender Textilfäden wurde das Denim berührungsempfindlich gemacht, der Stoff reagiert nun wie ein Touchscreen auf verschiedene Druck- und Wischgesten. Ein im Manschettenknopf versteckter Bluetooth-Dongle überträgt die Signale dann an das Telefon.

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Das sei eine nette Spielerei, jedoch nicht wettbewerbsfähig mit dem herkömmlichen Smartphone, findet Gerhard Tröster, Leiter des Fachgebiets "Digitale Systeme & Wearable Computing" an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. "Seit über zwanzig Jahren versuchen wir immer wieder, Technik und Mode zu verbinden. Bisher sind wir jedoch gescheitert." Nach zehn Jahren Forschungsarbeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich sei seine Neugier an intelligenter Kleidung gestillt. "Smart Clothing wird immer auf den Sport- und Gesundheitsbereich beschränkt bleiben", sagt Tröster. Nur dort sei der Kontakt mit der Haut wirklich vonnöten.

So existieren in den USA Sport-Shirts von Ralph Lauren, die den Herzschlag des Trägers messen, und sowohl Nike als auch Adidas stellen seit über einem Jahrzehnt immer wieder Schuhe vor, die sich dem Laufstil des Trägers anpassen. Mal werden Polster aufgepumpt, Schritte gezählt oder die Schnelligkeit des Läufers gemessen. Und am Fraunhofer Institut entwickelte man einen Babystrampler mit integriertem Sensorsystem, der die Atmung des Säuglings überwacht und so vor dem plötzlichen Kindstod schützen soll.

Mittlerweile ist die Technik so weit, dass auch ein Waschgang der Elektronik nicht schadet. Alle technischen Probleme seien damit aber nicht behoben, fügt Tröster hinzu. Denn auch wenn die leitende Elektronik Waschprozesse unbeschadet überstehe, kämen beim Tracking jeden Tag mehrere Gigabyte an Daten zusammen, für die derzeitige Speicher nicht ausreichen. Auch die Stromversorgung sei nur schwer zu integrieren.

"Elektrocouturisten müssen mehr können"

Dem widerspricht Lisa Lang aus Berlin. Laut der Gründerin des Start-ups ElektroCouture ist die Stromzufuhr kein so großes Problem wie bislang gedacht - zum Beispiel durch Bewegungen könnte so viel Strom erzeugt werden, dass man keine Batterien am Körper tragen müsse. Bei der Fashiontechnologie-Marke werden neue Konzepte für tragbare Technik entwickelt. ElektroCouture ist damit Think Tank und Fashionbrand in einem. Fashiondesigner und Programmierer? Für Lang ist das kein Widerspruch. "Elektrocouturisten müssen mehr können als nur entwerfen. Unsere Kleidung muss mehr können als nur den Körper bedecken". Jeder ihrer Angestellten könne deshalb mit Nadel und Faden und auch programmieren.

Die Technik mag neu sein, der Wunsch danach ist es nicht. "Wir müssen einen Weg finden, wie das Kleid leuchten kann. So kann ich nach Belieben erstrahlen und die Lichter auch wieder löschen. Das wird das Publikum verblüffen, und das ist gut so", schrieb Marlene Dietrich 1958 ihrem Kostümkünstler Jean Louis. Für Konzerte in Las Vegas wollte die Dietrich, damals 57 Jahre alt, ein beleuchtbares Kleid, das auch interaktiv sein sollte. Was damals unmöglich und für die Diva wohl auch lebensgefährlich gewesen wäre, ist mittlerweile machbar. Im Sommer präsentierten Lang und ihr Team das Kleid, das sich Dietrich wohl gewünscht hätte.