Foto: Hemingsworth

Stil-Highlights der Woche Achtung, heiß!

Eine Foto-App mit Wahrheitsgarantie, Jacuzzis im Vorgarten, sommerliche Anzüge: drei Trends, an denen wir diese Woche hängen geblieben sind.
Von Janko Tietz, Katharina Hölter und Sebastian Späth

Die neue Social-App »BeReal«

Foto: privat

Eine perfekt ausgeleuchtete, top gestylte und geschminkte Sophia Thomalla räkelt sich vor einer knallroten Wand im Hotel und empfiehlt sich als Moderatorin. Bella Kraus promotet in diversen Fitnessshots sowohl ihren Vorbau wie auch ihr Hinterteil in engen Leggins. Marie Nasemann inszeniert sich gemeinsam mit Mann und Kindern auf der grünen Wiese als Normalofamilie vor bunten Blumen und schicker Villa. Abgesehen davon, dass jede Darstellung von Familie im Neckermann-Katalog von 1983 progressiver war, sollen uns die Bilder der Influencerinnen vor allem eins vorgaukeln: Realität. Und es ist in den allermeisten Fällen: Fake. Veröffentlicht auf Instagram. Die Umgebung gefiltert, die Nase retuschiert, die Location gecastet.

Dieser Scheinwelt wollten die Franzosen Alexis Barreyat und Kevin Perreau etwas entgegensetzen. 2020 entwickelten sie die Foto-App »BeReal« – und der Name ist Programm: Sei authentisch. Genau danach gibt es offenbar eine wachsende Sehnsucht. Binnen zwei Jahren stieg die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer auf mehr als drei Millionen.

Die Idee: Per Zufallsprinzip verschickt die App täglich zu einem beliebigen Zeitpunkt eine Pushnachricht: »It's time to be real«. Dann hat man zwei Minuten Zeit, ein Bild zu machen – die beiden Handykameras schießen gleichzeitig ein Selfie und eins von der Umgebung, in der man sich gerade befindet. Die App verschränkt es zu einem Bild, das dann gepostet wird. Keine Zeit, sich vorher zurechtzumachen, einen hippen Spot als Motiv zu suchen, den Pickel nachträglich zu eliminieren. Ein Bild pro Tag, ein Moment der Stunde, ein realer Statusbericht des eigenen Ichs.

Uns zum Beispiel ereilt hin und wieder ein Push auf dem Handy der Tochter beim Abendbrot. Dann wird es hektisch. Man ist, was man isst. Sehen können das – je nach Profileinstellungen – alle Nutzerinnen und Nutzer oder nur die zugelassenen Freunde. Aber auch nur dann, wenn sie selbst ein tagesaktuelles BeReal hochgeladen haben. Wenn man zum Zeitpunkt der Pushnachricht keine Zeit für ein Foto hat, kann man es später machen, dann wird aber angezeigt, mit wie vielen Stunden Verzögerung es entstanden ist. Bei Just-in-time Fotos versprechen vermeintlich unvorteilhafte Einstellungen aber einen unschlagbaren Vorteil: Sie sind echt. Janko Tietz

Mehr Meer im eigenen Garten

Foto: Amriphoto / Getty Images

Meine erste Pool-Erfahrung sammelte ich mit Schwimmflügeln ausgestattet in einem runden Plastikteil mit einem Durchmesser von etwa einem Meter. Die Schwimmflügel sind Geschichte, die Poolgröße aber reicht mir für den heimischen Gebrauch noch immer aus. Damit scheine ich allerdings nicht im Trend zu liegen. Der Sommer 2022 ist schöner, heißer, teurer: Neulich präsentierte ein ehemaliger Schulkollege auf Instagram seinen Pool im eigenen ostwestfälischen Garten, in einem Dorf gut 1000 Kilometer entfernt vom Mittelmeer. Kein Plastik, kein Blasebalg zum Aufpusten – nein, richtig in der Erde verbaut. Und neulich bei der Kosmetikerin hörte ich, wie eine Frau von ihrem Jacuzzi im Vorgarten berichtete. Nicht in einem noblen Hamburger Vorort, sondern mitten in der Stadt.

Ein eigener Pool – das ist jetzt also das neue Ding? Beim Bundesverband Schwimmbad & Wellness verweist man mich auf eine Pressemitteilung  zum Thema, in der es heißt: Die Nachfrage beim Fachhandwerk nach »privat genutzten Schwimmbädern« sei schon vor Corona groß gewesen, die Pandemie habe den »Trend« noch mal verstärkt. Weil Sommerurlaube weniger wurden, sei in die eigenen vier Wände investiert worden. Man habe sich eben das »Mittelmeer in den eigenen Garten« geholt. Und natürlich fördere auch das »wärmer werdende Wetter in Deutschland« den Trend. Macht Sinn.

Für mich gäbe es noch weitere Argumente pro Pool: Freunde und Freundinnen kommen sicherlich gern zu Besuch und bringen als Dankeschön Kaltgetränke mit, die sich am Beckenrand genießen lassen. Auch ein Besuch im überfüllten Freibad reicht aus, um den Traum nach einem eigenen Pool weiter zu entfachen. Bleiben aber noch einige Probleme: Von dem Geld für den Poolbau könnte ich mir auch jährlich ein neues Fahrrad kaufen, um damit zum See zu fahren. Besonders nachhaltig kommt ein Pool auch nicht gerade daher. Mal ganz abgesehen davon, dass auf meinen Balkon eh nur einer aus Plastik und in Kindergröße passt. Ist aber auch immer noch nett. Katharina Hölter

Seersucker statt Nadelstreifen

Foto: Hemingsworth

Männer in Anzügen gehören mit zu den bedauernswertesten Anblicken, die diese Welt bei Hitze zu bieten hat. Schwere Stoffe, enge Passformen, eingeschränkte Bewegungsfreiheit – da rinnt schon allein beim Zuschauen der Schweiß. Doch der Grad der Mitleidsbedürftigkeit scheint je nach geografischer Lage unterschiedlich stark ausgeprägt.

In Rom, Mailand, Florenz und zumindest auch im Italien-nahen München haben Männer längst begriffen: auch bei hohen Temperaturen gut und angemessen gekleidet zu sein, ist wahrlich keine Kunst. Man kann Anzüge tragen, ohne darin zu zerfließen. Wenn man ein einziges Prinzip befolgt: Anzug ist nicht gleich Anzug.

Im Gegensatz zu den Italienern haben die meisten Herren hierzulande das leider noch nicht verinnerlicht. Unter den Deutschen ist die Vorstellung, ihr Baukasten-Anzug sei ein Ganzjahresmodell, ein besonders weit verbreiteter Irrglaube.

Doch wenn Mann was auf sich hält, trägt er im Sommer ein leichtes Modell aus reiner Merinowolle, optional kombiniert er das Sakko mit einer langen weißen Hose aus Leinen oder Baumwolle. Auch ein Anzug aus Seersucker eignet sich trefflich. Das liegt nicht nur am mit dem heißen Klima kompatiblen sportlich-maritimen Look, sondern vor allem an den Eigenschaften dieses Kreppgewebes. Wegen seiner reliefartigen Oberfläche liegt es nicht vollflächig am Körper an, hält so die Sonnenwärme ab – und ermöglicht Luftzirkulation. Bügelfrei ist es übrigens auch noch. Sebastian Späth

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