Foto: Manuel Balce Ceneta / picture alliance / AP

Outfit des Terrors Donald Trumps »QAnon-Schamane«

Von all den Bildern vom Sturm auf das US-Kapitol wird der komische Kauz mit Speer und Büffelkopfschmuck besonders im Gedächtnis bleiben. Was über den Mann und sein Outfit bekannt ist.
Von Philipp Löwe

Es ist eines der Bilder, die vom Überfall auf die US-Demokratie bleiben werden: Ein tätowierter Mann mit Kriegsbemalung im Gesicht und einer Fellmütze mit Büffelhörnern auf dem Kopf steht in Siegerpose am Tisch des Vorsitzenden der Senatskammer, Oberkörper frei, in der rechten Hand einen Speer mit US-Flagge, der linke Arm spannt den Bizeps an. Er sieht zufrieden aus.

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Längst gibt es Dutzende Memes  von dem Auftritt. Wobei die Sache natürlich alles andere als witzig war. Eine Frau ist erschossen worden, als ein von Donald Trump angestachelter Mob durch das Kapitol marodierte. Insgesamt starben vier Menschen während der Tumulte. Vom Schaden für eine der ältesten Demokratien der Welt und ihr Ansehen einmal ganz abgesehen.

Laut eigener Aussage  handelt es sich bei dem Mann um den 32-jährigen Jake Angeli. Es gibt bei Twitter und YouTube einige Videos mit ihm, in einem wird er als Jacob Angeli vorgestellt. Auf der Künstlerwebseite »Backstage.com« hatte er offenbar ein Profil, das nun nicht mehr abrufbar ist, von dem aber Screenshots kursieren. Dort standen als Berufsbezeichnungen Schauspieler, Synchronsprecher und Sänger. Das ist die eine Seite.

Angeli ist nämlich auch »QAnon-Schamane« und ein »multidimensionales Wesen«. So bezeichnete er sich selbst in einem Interview mit dem ORF , das bei einer Pro-Trump-Demonstration in Arizona gedreht wurde. In dem Bundesstaat ist Angeli laut US-Medien  erstmals im rechten Trump-Lager aufgefallen. Definitiv nicht kamerascheu gibt er mit seiner sonoren Stimme offensichtlich gern und bereitwillig Auskunft über seine Person und Beweggründe.

Wie nicht wenige Anhänger des abgewählten US-Präsidenten ist Angeli überzeugt, dass dem kleinen Mann in den USA böse mitgespielt und auch Trump unfair behandelt wird. Als Teil der QAnon-Bewegung  glaubt er, so erzählte er es dem ORF, an eine Kabale von »Regierung, Medien und Unterhaltungsindustrie« mit dem Ziel der Weltherrschaft. Erkennbar unter anderem an »Codewörtern wie Pasta oder Pizza«.

Weltverschwörung, Pizzagate und Deepstate

Er wähnt sich in einem globalen Kampf gegen das Zentralbankensystem sowie Korruption, Päderastie und Satanismus auf höchsten Regierungsebenen, oder wie er es ausdrückt: »aufseiten der Engel gegenüber den Dämonen«. Es ist das übliche Gefasel von Weltverschwörung, Pizzagate und Staat-im-Staat, das auch Trump häufig für sich genutzt hat – nur redegewandter vorgetragen. Und nicht ungefährlich, wie sich nun mal wieder gezeigt hat.

Sein Outfit entschlüsselte Angeli übrigens folgendermaßen: Die Hörner symbolisierten Widerstand. Denn wer wüsste schon von einem zu berichten, der sich einem Büffel in den Weg gestellt hätte, ohne es hinterher zu bereuen?

Wie Federschmuck waren Büffelhornkappen bei einigen indigenen Stämmen Nordamerikas besonders ehrenwerten Stammesmitgliedern vorbehalten. Sie symbolisierten teilweise auch die Verbindung zu Göttern und Ahnen und sind damit passend für einen Menschen mit »Zugang zu höheren Dimensionen« wie Angeli.

Die Felle der Mütze stammen angeblich von Kojoten. Der Präriewolf steht in der Mythologie der Navaho für ein unverantwortliches, Ärger machendes Wesen. Er ist in etwa vergleichbar mit der Figur des Till Eulenspiegels hierzulande: hinterlistig, nicht unbedingt vertrauenswürdig, aber im Grunde harmlos. So sieht sich auch Angeli. Insoweit ist seine Aufmachung schon einmal stimmig.

Verbindungen zum Rechtsextremismus

Diese Aneignung von Symbolen amerikanischer Ureinwohner passt ins Bild. War der Aufstand vom Mittwoch doch ein Fanal der white supremacy (Lesen Sie hierzu auch den Kommentar meines Kollegen Marc Pitzke). Dazu wiederum passt das Valknut-Tattoo auf Angelis Brust. Der Wotansknoten ist ein germanisches Symbol, verbunden mit Kampf und Tod. Unter Angelis Mitaufständischen war auch einer mit einem »Camp Auschwitz«-Pullover .

In diesem Zusammenhang ist noch bemerkenswert, dass die indigene Erfahrung seit einiger Zeit missbraucht wird als Argument gegen Einwanderung: »Indians couldn't stop immigration«, ist ein Schlüsselsatz  der neuen und internationalen Rechten. In diesem Zusammenhang dienen die amerikanischen Ureinwohner als Mahnmal für ein Volk, dem sein Land geraubt wurde. Deshalb steht er auch in dem Manifest des rassistischen Attentäters von El Paso, der aus Hass 20 Menschen erschoss.

Wenn der selbst ernannte Krieger des Lichts nun noch erkennen würde, dass er sich von dem von ihm so geliebten Donald Trump die Hörner hat aufsetzen lassen, wäre sein ikonischer Auftritt perfekt.