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Fotostrecke: "Die teuerste Garderobe der Welt"

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa

Empfang zur Museumsinsel Neuer Klassizismus

Die James-Simon-Galerie soll ab dem Sommer 2019 der zentrale Eingang für die fünf Museen auf der Berliner Museumsinsel sein. Für manche ist der 134-Millionen-Euro-Bau einfach "die teuerste Garderobe der Welt".

Das neue Empfangsgebäude zur Berliner Museumsinsel ist fertig. Architekt David Chipperfield hat am Donnerstag der Stiftung Preußischer Kulturbesitz die Schlüssel zur James-Simon-Galerie übergeben.

Die ersten Entwürfe des Briten hatten noch für Proteste gesorgt, doch nun dürften auch die ärgsten Kritiker überzeugt sein: Das Gebäude ist eine großartige Visitenkarte für Berlin - klar und transparent, offen und einladend.

Der klassizistische Bau ist im Prinzip eine Erweiterung des dahinter gelegenen Pergamonmuseums. Er erhebt sich auf einem hohen Betonsockel direkt an der Uferkante des Spreekanals. Zum Wasser hin dominiert eine schlanke Kolonnade, die in moderner Form die Architektur der Insel aufgreift. Zwischen dem Sockel und dem dahinter liegenden Neuen Museum, Chipperfields Meisterwerk, führt eine breite Freitreppe ins lichtdurchflutete Foyer.

Das Gebäude ist benannt nach dem jüdischen Kunstmäzen James Simon, dem das Neue Museum unter anderem die berühmte Büste der Nofretete verdankt. Nach der offiziellen Eröffnung 2019 soll es verschiedene Funktionen für die fünf Häuser der Museumsinsel erfüllen: Zentraler Eingangsbereich mit Garderobe, Café und Museumsshop, großer Ausstellungsraum mit künstlicher Lichtdecke und spektakuläres Auditorium für Aufführungen.

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Auf insgesamt 4600 Quadratmeter Nutzfläche sollen zwei bis drei Millionen Besucher im Jahr hier alles Nötige bekommen - und irgendwann einmal auch auf die archäologische Promenade gelangen, die alle Museen unterirdisch verbindet. Bis es so weit ist, dürften aber noch mindestens zehn Jahre vergehen, eher mehr.

"Die James-Simon-Galerie feiert die Zugänglichkeit der Museen und der Schätze, die sie bergen. Sie erweitert den öffentlichen Raum ins Innere der Museumsinsel und lädt zum Spazieren ein", sagt der Partner und Designdirektor von Chipperfield Architects, Alexander Schwarz. Faszinierend sind dabei besonders die neuen Blickachsen, die sich hinüber auf das rekonstruierte Schloss und hinaus auf die Stadt ergeben.

Der Präsidentin des verantwortlichen Bundesamts für Raumordnung und Bauwesen, Petra Wesseler, war am Donnerstag vor allem die Erleichterung anzumerken, dass das Projekt diesen "Meilenstein" endlich geschafft hat. Nach dem Start 2009 sollte das Haus eigentlich schon 2013 fertig sein. Doch Pfusch am Bau und der unsichere Berliner Untergrund sorgten für immer neue Verzögerungen.

Teurer Pfusch am Bau

So mussten Taucher wegen einer Kolklinse, einer eiszeitlichen Auswaschung im Baugrund, 1200 Pfähle in den schlammigen Boden treiben, um das Fundament zu sichern. Die Kosten verdoppelten sich fast, aus den veranschlagten 71 Millionen Euro wurden 134 Millionen. "Das ist der Kostenrahmen, den wir beim Richtfest genannt haben. Bei diesem Kostenrahmen bleibt es", versicherte Wesseler jetzt.

Für Chipperfield selbst begann die Achterbahn noch viel früher. Bereits 1994 hatte der gefeierte Architekt die Ausschreibung gewonnen, doch als er nach langem Hin und Her seinen Entwurf vorlegte, monierte der Denkmalschutz mangelnde Harmonie mit den bestehenden Museen. Eine Bürgerinitiative um Günther Jauch strebte ein Volksbegehren an und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" warnte: "So nicht, Mr Chipperfield!" Erst nach einer neuerlichen Überarbeitung bekam Chipperfield grünes Licht.

Ganz britischer Gentleman sagt Chipperfield heute, sich nicht an Streit erinnern zu können. Er habe die Diskussion immer als fair empfunden, so der 64-Jährige: "Als Architekten beschweren wir uns ja immer, dass sich niemand für Architektur interessiert. Und wenn sich dann jemand interessiert, darf man sich nicht beschweren."

löw / Nada Weigelt, dpa