Hermann Henselmanns Turmbauten: Die Silhouetten in der Berliner Dämmerung stammen sehr wahrscheinlich vom selben Architekten. Nach den Wohnungen in der früheren Stalinallee soll Henselmann damit beauftragt worden sein, einen Fernsehturm zu entwerfen. Der 1969 eröffnete ikonische Bau ist bis heute das Wahrzeichen der wiedervereinigten Stadt.

Hermann Henselmanns Turmbauten: Die Silhouetten in der Berliner Dämmerung stammen sehr wahrscheinlich vom selben Architekten. Nach den Wohnungen in der früheren Stalinallee soll Henselmann damit beauftragt worden sein, einen Fernsehturm zu entwerfen. Der 1969 eröffnete ikonische Bau ist bis heute das Wahrzeichen der wiedervereinigten Stadt.

Foto: Thorsten Klapsch

Karl-Marx-Allee in Berlin Wohnen im Zuckerbäckerpalast

In Berlins Karl-Marx-Allee wohnen Gestern und Heute Tür an Tür – einst sozialistisches Vorzeigeprojekt, nun heiß begehrt bei Mietern und Spekulanten. Ein neuer Bildband porträtiert Alteingesessene und Zugezogene.
Von Philipp Löwe
»Jeden Tag bin ich auf die Baustelle und hab jeackert«: Armin Dürr wünschte unbedingt, in eine der entstehenden Wohnungen einzuziehen. Weil er gehört hatte, das jedes dritte Los gewinnt, arbeitete er 300 Halbschichten, um drei Lose zu erhalten. Dass jeder Arbeiter nur ein Los besitzen darf, wurde ihm erst hinterher gesagt. Sein Fleiß hat sich trotzdem ausgezahlt, gemeinsam mit seiner Frau Christa konnte er eine Dreizimmerwohnung mit zwei Balkonen beziehen.

»Jeden Tag bin ich auf die Baustelle und hab jeackert«: Armin Dürr wünschte unbedingt, in eine der entstehenden Wohnungen einzuziehen. Weil er gehört hatte, das jedes dritte Los gewinnt, arbeitete er 300 Halbschichten, um drei Lose zu erhalten. Dass jeder Arbeiter nur ein Los besitzen darf, wurde ihm erst hinterher gesagt. Sein Fleiß hat sich trotzdem ausgezahlt, gemeinsam mit seiner Frau Christa konnte er eine Dreizimmerwohnung mit zwei Balkonen beziehen.

Foto: Thorsten Klapsch
Später tauschten die Dürrs ihre große Wohnung gegen eine Zweizimmerwohnung, weil einer seiner Kollegen Zwillingsvater geworden war.

Später tauschten die Dürrs ihre große Wohnung gegen eine Zweizimmerwohnung, weil einer seiner Kollegen Zwillingsvater geworden war.

Foto: Thorsten Klapsch
Maja Planinc und Alan Kucar mit Mali und Niki. Maja ist vor mehr als zehn Jahren mit einem Mitbewohner in die Zweizimmerwohnung eingezogen. In mühsamer Handarbeit haben sie Wohnung von Grund auf renoviert: Tapeten abgelöst, Wände glatt gespachtelt, Tür- und Fensterrahmen lackiert, Einbauschränke repariert. Zu ihrem Einzug standen viele Wohnungen in der Karl-Marx-Allee leer und der Eigentümer wollte möglichst wenig investieren. Ihren Traum von einer größeren Wohnung in der Nachbarschaft kann sich die Familie nicht leisten.

Maja Planinc und Alan Kucar mit Mali und Niki. Maja ist vor mehr als zehn Jahren mit einem Mitbewohner in die Zweizimmerwohnung eingezogen. In mühsamer Handarbeit haben sie Wohnung von Grund auf renoviert: Tapeten abgelöst, Wände glatt gespachtelt, Tür- und Fensterrahmen lackiert, Einbauschränke repariert. Zu ihrem Einzug standen viele Wohnungen in der Karl-Marx-Allee leer und der Eigentümer wollte möglichst wenig investieren. Ihren Traum von einer größeren Wohnung in der Nachbarschaft kann sich die Familie nicht leisten.

Foto: Thorsten Klapsch
Die Wohnungen in der Karl-Marx-Allee waren auch wegen der vielen Versorgungsmöglichkeiten begehrt. Die Fleischerei Neuling versorgt die Nachbarschaft seit Jahrzehnten.

Die Wohnungen in der Karl-Marx-Allee waren auch wegen der vielen Versorgungsmöglichkeiten begehrt. Die Fleischerei Neuling versorgt die Nachbarschaft seit Jahrzehnten.

Foto: Thorsten Klapsch
Florian Peters, Marcus Grätsch, Michael Heinke bilden eine Wohngemeinschaft. Ihr Vermieter will sie raus haben und hat auf Räumung geklagt, weil die Bewohner häufig wechselten und nicht immer eine Genehmigung vorlag. Die drei erhoben Gegenklage und gewannen.

Florian Peters, Marcus Grätsch, Michael Heinke bilden eine Wohngemeinschaft. Ihr Vermieter will sie raus haben und hat auf Räumung geklagt, weil die Bewohner häufig wechselten und nicht immer eine Genehmigung vorlag. Die drei erhoben Gegenklage und gewannen.

Foto: Thorsten Klapsch
Rüdiger und Frank sind selbst Eigentümer. »Wir sind hier als erste Neubürger eingezogen«, sagen sie. In ihrem Aufgang hatten bis zu ihrem Einzug ausschließlich Mieterinnen und Mieter aus Erstbezug gelebt.

Rüdiger und Frank sind selbst Eigentümer. »Wir sind hier als erste Neubürger eingezogen«, sagen sie. In ihrem Aufgang hatten bis zu ihrem Einzug ausschließlich Mieterinnen und Mieter aus Erstbezug gelebt.

Foto: Thorsten Klapsch
U-Bahnhof Frankfurter Tor

U-Bahnhof Frankfurter Tor

Foto: Thorsten Klapsch
Die Wohnungen hatten mehr zu bieten als DDR-Standard. Die meisten hatten sogar einen Portier.

Die Wohnungen hatten mehr zu bieten als DDR-Standard. Die meisten hatten sogar einen Portier.

Foto: Thorsten Klapsch
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Klapsch, Thorsten, Nowotnick, Michaela

Mein Stalinbau: Eine Berliner Straße und die Geschichten ihrer Bewohner

Verlag: be.bra Verlag
Seitenzahl: 208
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Nur in der Karl-Marx-Allee: Statt trister Plattenbauten sind die Arbeiterpaläste aufwendig verziert.

Nur in der Karl-Marx-Allee: Statt trister Plattenbauten sind die Arbeiterpaläste aufwendig verziert.

Foto: Thorsten Klapsch
Durch die Mitarbeit im »Nationalen Aufbauwerk Berlin« konnten sich die Menschen eine Chance auf eine der begehrten Neubauwohnungen erarbeiten. Für 300 Stunden Arbeit auf dem Bau gab es ein Los.

Durch die Mitarbeit im »Nationalen Aufbauwerk Berlin« konnten sich die Menschen eine Chance auf eine der begehrten Neubauwohnungen erarbeiten. Für 300 Stunden Arbeit auf dem Bau gab es ein Los.

Foto: Thorsten Klapsch