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Zum Tod Kenzo Takadas Schlussapplaus auf der Weltkugel

Kenzo Takada wollte früh eigene Wege gehen. Mit kaum mehr als seinem Talent zog er als junger Mann von Japan nach Paris – und schuf eine Modemarke von Weltruhm. Bilder aus dem Leben des an Covid-19 gestorbenen Designers.
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Kenzo Takada in seinem Pariser Atelier. Als der Japaner 1965 mit Mitte zwanzig nach Paris kam, wollte er nur ein paar Monate bleiben. Es kam anders. Erstes Geld machte er mit seinen Modezeichnungen, die er unter anderem an den Modemacher Louis Féraud verkaufte - für 25 Francs pro Stück. Takada sprach damals kein Wort Französisch. 1970 eröffnete er seinen ersten eigenen Laden in der Pariser Galerie Vivienne: Jungle Jap (eine Abkürzung für das französische Adjektiv "japonaise"). Zu dieser Zeit verkaufte er auch erste eigene Entwürfe - alle noch selbst von Hand genäht. Später benannte er sein Label nach seinem Vornamen.

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Mitte der Siebzigerjahre erregte Takada mit seinen Modenschauen Aufsehen: Effektvolle Kulissen und fast schon theatralische Inszenierungen waren neu in der Pariser Modewelt. Das Defilee geriet bei ihm zum Spektakel, einmal ließ der Designer Goldflitter auf die Gäste seiner Modenschau regnen. Ungewöhnlich war damals auch, dass die Models sichtbar Spaß hatten auf dem Laufsteg, sie lachten und tanzten. Das Zeremonielle mancher Pariser Couturiers lag ihm fern. Sein Motto: "Nicht das Kleid bestimmt den Körper, sondern der Mensch, der in ihm steckt." Das Foto zeigt einen Look aus der Frühjahrskollektion für 1976.

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Kenzo Takada und Grace Jones bei einer Feier zu Ehren des Designers im September 1977 im Studio 54 in New York. Im Gegensatz zu Yves Saint Laurent oder Karl Lagerfeld war der Japaner aber kein Stammgast in den angesagten Klubs der Metropolen. Partys und ausschweifende Feste langweilten ihn, er hatte auch keine Lust, die Klatschspalten des Boulevards mit Skandalen zu füllen. Menschen, die ihn kannten, schwärmten von seiner Höflichkeit, seiner Gelassenheit und seinem Lächeln.

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Im Jahr 1977 wurde der Japaner auch zu einem der weltweit zehn bestangezogenen Männer gewählt. Den Preis überreichte damals die italienische Filmdiva Gina Lollobrigida, deren Hand hier geküsst wird. Privat stand Takada auf Männer. Er war bis zu dessen Tod mit dem Architekten Xavier de Castella zusammen, der 1990 an Aids starb.

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Frankreich schwärmte von dem revolutionären Modemacher. Catherine Deneuve, Caroline von Monaco und Bianca Jagger trugen damals Kenzo. Auf dem Foto kleidet er gerade die französische Schauspielerin Isabelle Adjani ein, allerdings in einem für ihn eher untypischen Ensemble ganz in Schwarz.

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Haben beide von Paris aus Weltkarriere gemacht: Kenzo Takada und Karl Lagerfeld 1977 in einem Restaurant in Japan.

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Weil er zu Beginn seiner Karriere als Modemacher kaum Geld hatte, kaufte er billige Stoffreste auf. Damit die Sachen trotzdem neu wirkten, blieb nichts anderes übrig, als die Farben und Muster wild zu kombinieren. Dieser Einfallsreichtum, dieses Spiel mit Farben und Mustern wurde dann zu seinem Markenzeichen. Ein Stil, den er in seiner dreißigjährigen Schaffenszeit kaum mehr veränderte, wie dieser Entwurf aus der Herbstkollektion 1981-82 zeigt.

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Der Kenzo-Look bestand aus europäischen Stoffen und einer asiatischen Lust an Farben und Mustern. Nackte Haut gab es bei ihm selten. Auf die Frage, ob seine Kleidung auch sexy sein soll, antwortete er in einem Interview mit der "Berliner Zeitung": "Sexy nicht. Das entspricht nicht meiner Welt. Ich möchte die Reize der Frau verhüllen. Das Mysterium der Frau ist unsichtbar. Man kann es nur umschreiben."

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Es war nicht unüblich, dass in einer Kenzo-Kollektion zahlreiche unterschiedliche kulturelle Einflüsse zu sehen waren.

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Eigentlich wollte Takada Künstler werden. Zur Mode kam er über seine ältere Schwester, die eine Ausbildung als Schneiderin machte. Im Japan der Fünfzigerjahre war Mode als Beruf nur etwas für Frauen. Gegen den Wunsch seiner Eltern entschied er sich dennoch für ein Studium an der Modeschule "Bunka" in Tokio - als einer der ersten Männer überhaupt. Bis 1958 war dies Männern noch verboten. Weil er zunächst keine Unterstützung seiner Eltern hatte, verdiente er tagsüber Geld als Anstreicher und besuchte abends die Kurse. Die Schule schloss er als Klassenbester ab und entwarf danach für eine Tokioter Kaufhauskette Kleidung, durchschnittlich vierzig Modelle pro Monat. Ein harter Weg, der sich auszahlen sollte: 1984 wurde Takada vom damaligen französischen Kulturminister Jack Lang zum Ritter des "Ordre des Arts et des Lettres" ernannt. Das Foto entstand wenig später.

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Blumenmuster gemischt mit Karos, gemischt mit südamerikanischen Strickmustern und alles in kräftigsten Farben: ein Entwurf aus der Herbstkollektion 1984-85.

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Ein weiteres Markenzeichen waren die aus Japan übernommenen Wickeltechniken, wie hier in der Herbstkollektion 1985-86 zu sehen.

Foto: Pierre VAUTHEY / Sygma / Getty Images
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Schlussapplaus für den "Meister der Farben" auf der Pariser Fashion Week 1991.

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Für diesen Regenmantel ließ sich der Designer von einer Mönchskutte inspirieren.

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Herrenmode von Kenzo gab es erstmals 1983.

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Auch sie war gekennzeichnet durch Dschungelmotive, Muster und leuchtende Farben. Dieses Outfit stammt aus der Frühjahrskollektion 1994.

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Von Kenzo gab es nur Prêt-à-porter-Mode, keine maßgeschneiderte Haute Couture - auch das ist eine Besonderheit.

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Als Mann aus eher einfachen Verhältnissen - er wuchs auf mit sechs Geschwistern - wollte Kenzo Takada auch keine unbezahlbare Mode machen. Bei ihm konnten Fans sich schon für vergleichsweise wenig Geld einkleiden.

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Am 7. Oktober 1999 zeigte Kenzo seine letzte Kollektion für das von ihm gegründete Label. Er sei 60 Jahre alt und habe 30 Jahre Karriere hinter sich, er wolle reisen und Freunde sehen, begründete er seinen Entschluss aufzuhören. Die geschäftliche Bilanz konnte sich sehen lassen: 500 Angestellte, 37 Boutiquen, vor allem in Frankreich und Japan, und 119 Verkaufsläden. Viele Gründe für den französischen Luxus-Konzern LVMH, sich ab 1993 an dem Modelabel zu beteiligen und es später ganz zu übernehmen.

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Die etwa 3000 Gäste der Abschiedsfeier in der Pariser Konzerthalle Zenith sahen zuerst weite Jacken und Hosen, Kimono-Blusen, natürlich alles in kräftigen Kenzo-Farben. Nach dem Defilee gab es dann ein Best-of aus drei Jahrzehnten: eine modische Reise durch die Länder und Gegenden, die der Designer erkundet und inspiriert wieder verlassen hatte. Kimonos aus Japan, Tuniken aus Indien, Boubou-Gewänder aus Westafrika, Volantkleider aus Russland, Reifröcke aus Spanien. Seinen Applaus nahm der Multikulti-Designer auf einer Weltkugel entgegen.

Foto: FREDERICK FLORIN / AFP
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Ein Look aus Kenzos letzter Kollektion für das Frühjahr 2000.

Foto: THOMAS COEX / AFP
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Fünf Jahre nach seinem Ausstieg aus der Modebranche wollte es Kenzo doch noch einmal wissen. Ab 2004 designte er unter dem Namen "Gokan Kobo" (Atelier der fünf Sinne) Wohnaccessoires. Nach drei Jahren war Schluss damit - Stühle, Bettwäsche, Geschirr und Besteck waren nicht sonderlich gefragt.

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Kenzos privates Reich in Paris - ein fast 1400 Quadratmeter großes Loft - hatte mehrere Bäder, ein türkisches Dampfbad, eine finnische Sauna und ein sprudelndes Jacuzzi-Bad, mitten im Salon war ein Swimmingpool, im Innenhof ein Zen-Garten. Auf drei Stockwerken lebte er sehr zurückgezogen. Die Zeit verbrachte er mit Zeichnen, Lesen, Meditation und dem Studium moderner Architektur von Tadao Ando, Renzo Piano oder Jean-Michel Wilmotte, die er sehr schätzte.

Foto: FRANCOIS GUILLOT / AFP
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Kenzo 2009 in seinem Loft an der Pariser Bastille inmitten seiner Kunstsammlung. Die Wohnung, die er nach dem Tod seines Partners fast 20 Jahre allein nutzte, verkaufte er in jenem Jahr für mehr als zehn Millionen Euro an einen französischen Fernsehproduzenten; die Kunstsammlung brachte bei einer Auktion bei Aguttes in Paris weitere 1,9 Millionen Euro.

Foto: FRANCOIS GUILLOT / AFP
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Kenzo war kein Partylöwe, aber zum 80. Geburtstag muss man es schon krachen lassen. Seinen Geburtstag feierte er im vergangenen Jahr im Pavillon Ledoyen in Paris.

Foto: Rindoff Petroff/Castel / Getty Images
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Kenzo Takada im November 2018. Nachdem er sich aus der Mode zurückgezogen hatte, widmete er sich unter anderem der Malerei. Takada ist am Sonntag in einem Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine bei Paris an den Folgen seiner Corona-Infektion gestorben. Er wurde 81 Jahre alt.

Foto: JOEL SAGET / AFP
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