Auszeichnung für Modedesigner Südafrikaner gewinnt LVMH-Preis

In Paris wurde der bedeutendste Preis für Nachwuchsmodedesigner vergeben - mit Thebe Magugu gewinnt zum ersten Mal ein Afrikaner. Der 26-Jährige überzeugte vor allem mit der politischen Ebene seiner Kollektionen.

Die beiden Sieger: Hed Mayner (3.v.l.) und Thebe Magugu (Mitte)
Bertrand Rindoff Petroff/ Getty Images

Die beiden Sieger: Hed Mayner (3.v.l.) und Thebe Magugu (Mitte)


Der südafrikanische Modedesigner Thebe Magugu hat den LVMH-Preis gewonnen. Die Auszeichnung gilt als einer der wichtigsten Preise für Nachwuchsdesigner und wurde am Mittwoch in der Fondation Louis Vuitton in Paris vergeben. Magugu konnte sich gegen sieben andere Finalisten durchsetzen - zum ersten Mal gewann damit ein Designer aus Afrika.

Besonders die politische Ebene von Magugus Entwürfen wurde von der Jury bei der Preisverleihung hervorgehoben. "Er hat Ideen - obwohl er noch so jung ist - die sein Label zu einer globalen Marke machen können", sagte Maria Grazia Chiuri, Kreativdirektorin von Dior, dem Branchendienst "Business of Fashion".

Der Designer studierte Modedesign, Fotografie und Medien an der LISOF School of Fashion in Johannesburg und gründete sein gleichnamiges Label 2016. Seitdem thematisiert er in seinen Designs vor allem die jüngsten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen seines Heimatlandes. Für seine Herbst 2018 Kollektion setzte er sich mit Femiziden in Südafrika auseinander, Drapierungen sind von seinem Stamm der Tswana inspiriert.

Sieger Thebe Magugu in einem seiner eigenen Entwürfe
Bertrand Rindoff Petroff/ Getty Images

Sieger Thebe Magugu in einem seiner eigenen Entwürfe

Auch nach dem Gewinn möchte er in Johannesburg bleiben und seinen Hauptsitz nicht in eine der großen Modestädte Paris oder London verlegen. Aktuell werden die Kollektionen in der südafrikanischen Stadt entworfen und produziert. "Das ist meine Mission als Designer. Ich möchte der Welt zeigen, dass auch in Südafrika ein kompletter Produktionszyklus möglich ist", sagte er "Business of Fashion". Das Preisgeld will Magugu vor allem in die Logistik seines Labels investieren, besonders das Verschicken seiner Kollektionen aus Südafrika sei noch immer sehr schwierig.

Wichtigste Auszeichnung für Nachwuchsmodedesigner

Seit 2014 zeichnet der weltweit größte Luxuskonzern LVMH jährlich einen aufstrebenden Modemacher aus. Der Preis soll junge Talente fördern und ist mit 300.000 Euro dotiert. Zusätzlich zum Preisgeld erhält der Gewinner ein einjähriges Mentoring durch Experten des Unternehmens. Zu LVMH gehören weltweit bekannte Modehäuser wie Dior, Louis Vuitton und Givenchy. Die Fachjury des Preises besteht aus den Kreativdirektoren dieser Marken und mehr als 60 Experten aus der Branche, darunter das Topmodel Naomi Campbell und Emmanuelle Alt, Chefredakteurin der "Vogue" Paris.

Der Gewinn des Preises verschafft den Designern nicht nur finanziellen Spielraum, er kann auch ein Sprungbrett sein. So haben sich etwa die beiden Vorjahressiegerinnen Grace Wales Bonner (2016) und Marine Serre (2017) inzwischen fest in der Branche etabliert.

Sonderpreis zu Ehren Karl Lagerfelds

Neben dem Magugu wurde auch Hed Mayner ausgezeichnet. Der Israeli gewann den Sonderpreis der Jury. Zu Ehren des im Februar verstorbenen Modedesigners wurde dieser jüngst in Karl-Lagerfeld-Preis umbenannt. Auch Mayner entschied sich bewusst gegen eine der bekannten Modemetropolen und sitzt mit seinem Label in Tel Aviv.

Hed Mayner erhält neben dem Karl-Lagerfeld-Preis auch 150.000 Euro Preisgeld
Bertrand Rindoff Petroff/ Getty Images

Hed Mayner erhält neben dem Karl-Lagerfeld-Preis auch 150.000 Euro Preisgeld

1.700 Designer aus mehr als 100 Ländern bewarben sich in diesem Jahr für den LVMH-Preis. Teilnehmer dürfen dabei höchstens 40 Jahre alt sein und müssen mindestens zwei Kollektionen produziert und verkauft haben. Bis auf den Japaner Masayuki Ino, der vergangenes Jahr mit seinem Label Doublet gewann, kamen die ausgezeichneten Designer alle aus Europa.

bal



insgesamt 1 Beitrag
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dasfred 05.09.2019
1. Neue Impulse sind immer gut
Wir verlieren hier mittlerweile jeden Überblick über Trends, weil alle zwei Wochen neue Kollektionen in den Läden hängen und im Grunde alles getragen werden kann. Da finde ich es gut, wenn Mode wieder eine Aussage bekommt und der Entwurf und auch die Fertigung aus einem Land kommen.
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