Strategische Partnerschaft LVMH steigt bei Stella McCartney ein

Stella McCartney hat einen Vertrag mit LVMH unterzeichnet. Die britische Modedesignerin und ihr Label wechseln zum weltgrößten Luxuskonzern. Die Kooperation bringt Vorteile für beide Seiten.

Kann High Fashion und Green Fashion: Stella McCartney
REUTERS

Kann High Fashion und Green Fashion: Stella McCartney


Stella McCartney und ihr gleichnamiges Modelabel gehören ab sofort zum weltgrößten Luxuskonzern LVMH. Wie das französische Börsenunternehmen am Montag mitteilte, habe man sich mit der britischen Designerin auf eine Zusammenarbeit verständigt. Der Vertrag sieht vor, dass McCartney die Mehrheit der Anteile ihrer Marke und ihre Rolle als Kreativdirektorin behält. Finanzielle Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Neben ihrem Designjob wird McCartney auch als Beraterin für LVMH arbeiten. Sie soll den Konzernvorstand um den Vorsitzenden und Mehrheitsaktionär Bernard Arnault in Fragen der Nachhaltigkeit unterstützen. Arnault nannte in einem Statement explizit McCartneys langjährige Erfahrung auf diesem Gebiet als einen der "entscheidenden Faktoren" für die neue Partnerschaft.

Der schonende Umgang mit Rohstoffen und faire Produktionsbedingungen sind inzwischen wichtige Marketingversprechen - besonders in der Modeindustrie, die als eine der umweltschädlichsten der Welt gilt. Gerade für jüngere Käuferschichten sind diese Dinge heute oftmals ausschlaggebend bei ihren Kaufentscheidungen.

In dieser Hinsicht tat sich Stella McCartney von Anfang an hervor durch einen innovativen Ansatz. Als Designerin verzichtet sie auf tierische Materialien wie Leder, Federn oder Pelz. Produziert wird stattdessen mit Biobaumwolle und recycelten Kunststoffen. McCartney ist aber nicht nur bekannt für ihre Konsequenz in Sachen Tier- und Umweltschutz. Die Absolventin des renommierten Modestudiengangs am Central Saint Martins College in London beherrscht ihr Handwerk. Bevor sie ihr eigenes Label startete, brachte sie Chloé auf Vordermann - mit Mitte Zwanzig.

Stella McCartney hatte ihre Modemarke 2001 mithilfe des LVMH-Rivalen Kering (damals Gucci Group) gegründet. Kering - mehrheitlich im Besitz des französischen Milliardärs François-Henri Pinault - hielt seitdem die Hälfte der Unternehmensanteile. Nicht zuletzt dank seiner McCartney-Beteiligung wurde der Konzern 2019 im "Corporate Knights Index" ausgewiesen als "nachhaltigstes Luxus- und Modeunternehmen der Welt".

Im März 2018 war es jedoch vorbei mit der Partnerschaft. McCartney kaufte den Kering-Anteil zurück und machte weiter als unabhängiges Label. Seitdem habe sie viele Investitionsanfragen erhalten, sagte McCartney nun der " New York Times". Kein Angebot habe aber die Qualität gehabt wie das von LVMH. Gereizt habe sie vor allem die Aussicht, mit Hilfe Arnaults und seines Konzerns das volle Potenzial ihrer Marke entwickeln zu können, ohne die Kontrolle über ihre Firma aufgeben zu müssen.

Für LVMH bedeutet der Zukauf nicht nur eine Verbesserung der Umweltbilanz. Mit Stella McCartney erweitert der Konzern - zu dem mehr als 70 Luxusmarken gehören - sein Designerportfolio um eine weitere weibliche Spitzenkraft. Mit Maria Grazia Chiuri bei Dior und Clare Waight Keller bei Givenchy arbeiten bereits zwei relevante Modemacherinnen unter dem Dach des französischen Luxuskonzerns - und Designerinnen sind derzeit in der bislang männerdominierten Modewelt mindestens genauso angesagt wie nachhaltige Mode.

löw



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