Zur Ausgabe
Artikel 67 / 75
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Maria Grazia Chiuri Die Botschafterin

aus DER SPIEGEL 28/2022
Foto:

Estrop / Estrop / Getty Images

Die Modewelt lechzt unauf­hörlich nach Neuem, nach Abwechslung und Überraschungen. Maria Grazia Chiuri, 58, Kreativdirektorin von Dior, igno­rierte dieses Bedürfnis während ihrer Haute-Couture-Show am vergangenen Montag in Paris – und trug ein altes T-Shirt. Allerdings nicht irgendeins, sondern jenes Shirt, das sie 2016 entworfen hatte, als sie bei dem französischen Modelabel zu arbeiten begann. Es trägt den Schriftzug »We Should All be Feminists«, den Titel eines Essays von Chimamanda Ngozi Adichie; die Formulierung hat sich auch dank Chiuri international als Statement für Frauenrechte durchgesetzt. Sie war bei Dior angetreten mit dem Anspruch, mit ihrer Arbeit Achtsamkeit und Bewusstseinsbildung zu fördern. Gleichberechtigung ist für sie ein zentraler Wert.

Chiuri, die erste Frau, die in so verantwortlicher Position bei Dior arbeitet, sagte jetzt, es sei an der Zeit, ihren Standpunkt zu wiederholen: »Wir leben in einer Zeit, die ich nicht mag. Ich fürchte, dass es nur noch schlimmer werden wird«, sagte die Designerin der »Vogue« angesichts der Einschränkung des Rechts auf Abtreibung in den USA. Auch in ihrer Heimat Italien beobachte sie ähnliche Tendenzen: »Es ist wie ein Aufblitzen der Vergangenheit.« Mit ihrer Show macht sie aber nicht nur auf die Belange der Frauen in aller Welt aufmerksam, sie schafft es auch, den Ukraine­krieg in die Modewelt zu holen. Ohne Schockbilder von Tod und Zerstörung, sondern mit wunderschönen großflächigen Stickereien, die die ukrainische Künstlerin Olesya Trofymenko entworfen hat. Das dominierende Motiv ist der Lebensbaum, ein Symbol für Wachstum, Fruchtbarkeit, Unsterblichkeit und Heilung. Ein Symbol der Hoffnung.

ks
Zur Ausgabe
Artikel 67 / 75
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.