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Finke / DUH

Stil-Highlights der Woche Wie McDonald's sich an wiederverwendbarem Geschirr probiert

Ein Fast-Food-Riese will nachhaltig werden, Schlappen bekommen einen Felleinsatz – und die Farbe des Jahres könnte miese Aussichten verschönern. Drei Dinge, an denen wir diese Woche hängen geblieben sind.
Von Kristin Haug, Annina Metz und Katharina Hölter

Fell

Elisabetta Canalis in West Hollywood.

Elisabetta Canalis in West Hollywood.

Foto: Bauer Griffin / Cover Images / IMAGO

Im Dezember vor 101 Jahren, es muss ein kalter und vermutlich auch ein nasser Tag gewesen sein, klebte Emmanuel Rudnitzky ein paar Nägel auf die Unterseite eines Bügeleisens. Rudnitzky nannte sein Werk »Cadeau«, Geschenk. Und sich selbst Man Ray.

In den vergangenen Jahren kamen Kreative immer mal wieder auf die Idee, einfache Schläppchen mit Fell zu bekleben. Jetzt erst hat Birkenstock wieder neue Latschen mit Teddybärenfell herausgebracht. Es gibt sie in den Farben Popcorn, Eierschale, Schwarz und Purple Fog. Und sie kosten 190 Euro.

Sie versprechen Wärme und Geborgenheit, ein Gefühl des Aufgehobenseins, des Innehaltens. Und natürlich sollten die Leute, die sich solche Sandalen kaufen, nie, nie, niemals Strümpfe darin tragen. Sonst würden sie den Flausch ja nicht richtig spüren. Die Frau des neuen britischen Premierministers wurde neulich erst mit den Plüschschlappen gesehen . Hailey Bieber trägt sie allerdings doch – mit weißen Strümpfen .

Es gibt Schlappen aller Art mit Fell, sogar Flipflops und Badelatschen. Kenner nennen sie Fuzzy Slides oder Fuzzy Slippers. Es gibt sie in Pink, mehrfarbig, in Leopardenmuster und offenbar auch welche mit echtem Pelz.

Und schon denkt man wieder an das Bügeleisen mit den Reißnägeln. Oder vielleicht sogar auch an das umgedrehte Urinal von Marcel Duchamp. »Fontaine« hat er es genannt. Diese Dadaisten.

Fuzzy Slides sind nichts anderes als diese Readymades der Künstler. Sie verkehren die Bedeutung eines Objekts ins Absurde. Läuft man an einem nassen Tag mit Plüschschlappen durch die Straßen, oder, noch schlimmer, durch Matsch, entschwindet jegliches Gefühl von Wärme und Geborgenheit. Wer hat da noch Lust, so etwas zu schenken? Auch im Sinne der Nachhaltigkeit. Gar nicht auszumalen, wie Second-Hand-Fuzzy-Slides aussehen mögen. Das ist doch so richtig Dada. Kristin Haug

Farbe

Foto: Huge / Pantone

Wenn ich an das kommende Jahr denke, sehe ich rot: Heizkosten, Stromnachzahlung, Spritpreise, Supermarktkassenbelege, leere Girokonten. Miese Aussichten.

Nun hat das Pantone Color Institute aus den USA die Farbe 2023 gekürt – und nun ja – die richtige Farbfamilie habe ich mit meiner Prognose immerhin getroffen: Es ist Viva Magenta a.k.a. Pantone 18-1750  – allerdings handelt es sich weniger um ein alarmierendes Rot, es strahlt weder hell wie das Telekom-Magenta, mit Barbie-Pink hat es auch nicht viel zu tun.

Die geschäftsführende Direktorin von Pantone hat sich ebenfalls der Herausforderung gestellt, Viva Magenta zu beschreiben: »Im Zeitalter der Technologie suchen wir nach Inspiration durch die Natur und das, was wirklich ist. Pantone 18-1750 Viva Magenta ist im Ursprünglichen verwurzelt und bringt uns wieder mit der ursprünglichen Materie in Verbindung.« Die Farbe beschwöre »die Kräfte der Natur herauf und belebt unseren Geist, indem sie uns hilft, unsere innere Stärke aufzubauen«.

Wenn Designerinnen zu Erklärungen ansetzen, lassen sie ja meistens ein bisschen Interpretationsspielraum. Ich versuche es noch mal: Der Ton ist ein wenig gediegen, vielleicht sogar bieder. Viva Magenta könnte die Farbe eines schweren Vorhangs sein. Diese Verzierungen auf alten Kaffeeservices haben auch diese Farbe. Und womöglich hat man sie auch in den Bordbistros der alten und inzwischen kultigen Intercitys der Deutschen Bahn verwendet. Eine Farbe, an die man sich anlehnen kann, wenn es um einen herum turbulent wird. Katharina Hölter

Fast Food

Fast Food und Nachhaltigkeit – das passt auf den ersten Blick nicht so richtig zusammen. Und wenn man ehrlich ist, auf den zweiten und dritten auch nicht. Wer bei den gängigen Ketten einkehrt, produziert selbst beim Verzehr vor Ort jede Menge Müll. An den Tabletts voller Plastik und Papier sind wir sicher alle schon mal mit schlechtem Gewissen vorbeigegangen.

Bei McDonald's in Frankreich könnten diese Szenen bald der Vergangenheit angehören. Verweilt man zum Essen in der Filiale, werden die Pommes seit Kurzem in wiederverwendbaren Hartplastikschalen serviert.

Auf das McDonald's-Gefühl muss man aber nicht verzichten – wie Fotos bei Twitter beweisen, sind Farbe und Form der Schale so gut wie gleichgeblieben. Und auch für die berühmte Happy-Meal-Tüte hat sich der US-Konzern mit einer roten Plastikbox eine designtechnisch ähnliche, aber zumindest etwas nachhaltigere Lösung einfallen lassen:

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Die Produkte, die aufgrund des neuen Verpackungsgesetzes ihren Weg in die französischen McDonald's-Filialen gefunden habe, kommen an: Der besagte Tweet bekam in unter einer Woche von gut 380.000 Menschen Likes. Unter den rund 2000 Kommentaren finden sich viele, die sich das »Geschirr« auch in anderen Ländern wünschen. Einer schreibt sogar: »Es tut mir leid, aber ich würde sie in meiner Jacke verstecken und so schnell wie möglich mit nach Hause nehmen. Nein, das ist kein Diebstahl. Es ist das Sammeln von Kunst.«

Gut, das wäre dann doch wieder nicht besonders nachhaltig. Aus Designgründen aber nachvollziehbar. Annina Metz

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