Met Gala in New York Küren Sie die Königin des schlechten Geschmacks

Fashion-Fete für Knete: Selten wird so schillernd Geld gemacht wie bei der Benefizgala der Modeabteilung des New Yorker Met-Museums. Sehen Sie selbst - und wählen Sie den Sieger-Look!

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"Man sollte entweder ein Kunstwerk sein oder ein Kunstwerk tragen." Diese These aus Oscar Wildes Lehrsätzen für die Jugend umschreibt sehr gut, was im Englischen unter dem Begriff "camp" verstanden wird. Und Dandys sind definitiv "camp", weswegen die Philosophin Susan Sontag in ihren 1964 veröffentlichten "Notes on Camp" den Schriftsteller mit eben jenem Merksatz zitierte.

"Camp" ist laut, aber noch erträglich; drüber, aber noch im Rahmen; schlechter Geschmack als Kunstform. Kurzum: Das ideale Motto für das Schaulaufen, mit dem immer am ersten Montag im Mai die große Modeausstellung im New Yorker Metropolitan Museum eröffnet wird. 2019 ließ sich Kurator Andrew Bolton von Sontags berühmten Essay inspirieren, daher auch der Ausstellungstitel "Camp: Notes on Fashion". Gezeigt werden Kleider vom Sonnenkönig bis zu solchen von Drag Queens.

Die Party ist die wichtigste Geldquelle für das Kostüminstitut und einer der gesellschaftlichen Höhepunkte im New Yorker Kalender. Wer nicht schön genug ist, oder wichtig genug, oder beides, um von "Vogue"-Chefin Anna Wintour eingeladen zu werden (und 35.000 US-Dollar pro Ticket berappen kann), darf auf eine Firmeneinladung hoffen. Doch Scheine allein, heißt es, öffnen hier keine Türe. Womit wir wieder bei Oscar Wilde wären.

Jennifer Graylock/ DPA

Übererfüllt wurde dessen Kunstwerk-Axiom von Lady Gaga. Die Sängerin und Oscar-Preisträgerin entpuppte sich mal wieder als Verwandlungskünstlerin. Passend zu ihren vier Namen - Stefani Joanne Angelina Germanotta - präsentierte sie vier Outfits auf dem roten Teppich. Den Weg zur Feier trat sie dann schlussendlich in Unterwäsche und Netzstrumpfhosen an. Dabei sind aller guten Dinge doch drei. Im Schlepptau hatte sie neben ihren sechs Kleiderträgern einen Bollerwagen voller Schampusflaschen. Kein schlechter Start in den Abend, aber nicht der beste Auftritt. Denn da war noch die Dion.

Viermal Lady Gaga
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Viermal Lady Gaga

In ihrem Fransenkleid war Celine Dion das Ebenbild eines Paradiesvogels. 3000 Arbeitsstunden brauchten sie in den Ateliers von Oscar de la Renta, um das Kostüm herzustellen. Die Basis bildet ein champagnerfarbener Body bestickt mit silbernen Pailletten. Von den Ärmeln und vom Dekolleté baumeln Fransen, auf die gläserne Stäbchenperlen gefädelt sind. Gekrönt wurde das ganze Outfit durch einen Federschmuck des Hutmachers Noel Stewart. Hut ab!

Mit ihrem Auftritt stellte Celin Dion selbst Katy Perry in den Schatten, die als Chandelier verkleidet war. Ihr Kleid war so sperrig, dass sie den Abend entweder stehend verbracht haben muss oder von der Decke hängend, wie es sich für Kronleuchter gehört. Nach oben ging es auch für den Hersteller des Kleids. Laut einer Untersuchung der Modeplattform Lyst verzeichnete Moschino nach Perrys Auftritt einen Anstieg der Suchanfragen um 17 Prozent.

Kronleuchter-Katy
Mario Anzuoni/ REUTERS

Kronleuchter-Katy

Gesponsert wurde die Feier, die bereits zum 71. Mal stattfand, von Gucci. Das passt wie der hautenge Jumpsuit, in dem Topmodel Gigi Hadid steckte. Denn das italienische Modehaus und sein Chefdesigner Alessandro Michele liefern seit einigen Saisons die Kleidung für alle, denen weniger nicht mehr bedeutet. Als Gäste der Florentiner kamen unter anderem Harry Styles (in Marlene-Dietrich-Hose und durchsichtiger Bluse) und Jared Leto, der eine Nachbildung seines eigenen Kopfes bewundernd vor sich her trug. Vielleicht war das doppelte Lettchen aber auch einfach für den Brummschädel am nächsten Morgen gedacht.

Jared Leto
JUSTIN LANE/EPA-EFE/REX

Jared Leto

Ebenfalls staunenswertes Make-up trugen der Designer Marc Jacobs, die Schauspielerinnen Regina King (Oscar für "If Beale Street Could Talk") und Priyanka Chopra (Miss World 2000) sowie die langjährige Lagerfeld-Muse Cara Delevingne. Sängerin Ciara hatte Haut und Haare schön.

Ein paar Herren müssen auch noch erwähnt werden, nicht nur aus Gründen der Gleichberechtigung. Überkandidelt und damit absolut camp war in jedem Fall das Entree von Billy Porter, der sich in einer Sänfte herantragen ließ, um dann als goldbeschwingte Sphinx die Treppen zu erklimmen. Designer Michael Kors präsentierte immerhin einen schimmernden Zylinder (sehr viel mehr wäre auch nicht möglich gewesen mit der Glitzer-Gigi am Arm). Hut trug auch Benedict Cumberbatch: Ein weißer Borsalino war das i-Tüpfelchen seines weißen Smokings.

Was meinen Sie? Wer trug es am besten? Wer war Camp-Champ, wer eher Tramp? Stimmen Sie ab! Sie sehen zwei Fotos im Vergleich. Klicken Sie auf das Motiv, das Ihnen besser gefällt, bis am Ende Ihr Sieger-Look übrigbleibt.



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