Die Dowell Residence in Seattle wurde 1953 von Paul Hayden Kirk gebaut. Rund 40 Jahre später war das Haus für knapp 400.000 US-Dollar auf dem Markt. 2014 stand es erneut zum Verkauf, diesmal für 1,5 Millionen US-Dollar.
Die Dowell Residence in Seattle wurde 1953 von Paul Hayden Kirk gebaut. Rund 40 Jahre später war das Haus für knapp 400.000 US-Dollar auf dem Markt. 2014 stand es erneut zum Verkauf, diesmal für 1,5 Millionen US-Dollar.
Foto: Benjamin Benschneider/ Olson Kundig

Mid-Century-Häuser Das goldene Zeitalter der Wohnarchitektur

Heller, offener, funktionaler: In den Fünfzigerjahren vollzog sich ein Wandel in der Architektur. Ein aktueller Bildband erklärt, warum "Mid-Century" heute noch so modern wirkt.
Von Katharina Cichosch

Der Journalist Dominic Bradbury hat mit seinem "Atlas of Mid-Century Modern Houses" einen der vermutlich umfangreichsten Sammelbände zum Baustil der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgelegt. 440 Seiten. "Designporno für die geschmackvollsten Beistelltische", urteilte die "New York Times".

Einige der schönsten Beispiele dieser Architektur stehen in Kalifornien, überhaupt geht es bei Bradbury wie in vergleichbaren Büchern viel um Immobilien in den USA. Als echter Atlas deckt das Buch aber alle Winkel der Erde ab, aus allen Kontinenten liefert es Fotos von Bauhäusern der Mid-Century-Moderne.

Insgesamt rund 400 Exemplare, entworfen von 290 Architektinnen und Architekten. Jedes wird mit kurzem Text und Foto vorgestellt und mit Namen, Architekt, Standort und Baujahr ausgezeichnet. Bradbury beweist mit seiner Auswahl, dass der Mid-Century-Stil zu Recht auch "International Style" genannt wird.

Das hängt mit den Gestaltungsprinzipien zusammen. Das Bauen am Hang und in die Umgebung hinein, die offenen Grundrisse, der Verzicht auf schräge Dächer: All das funktioniert in beinahe jedem Landstrich der Welt. Darum gelten diese Bauwerke auch heute noch als Inbegriff moderner Architektur.

"Sehr selten kann man eine Zeit festmachen, in der architektonischer Einfallsreichtum und eine einnehmende Ästhetik so vollständig und ausdrücklich miteinander kombiniert wurden", schreibt Bradbury über das in seinen Augen goldene Zeitalter der (Wohn-)Architektur.

Fotostrecke

Atlas of Mid-Century Modern Houses

Foto: Lindman Photography

Baumeister wie Whitney Rowland Smith oder Joseph J. Railla und Lawrence Robbin entwarfen ihre Gebäude mit demselbem Ideenreichtum, den sie auch in die Einrichtung fließen ließen. Passgenau angefertigt für die Bewohner.

Bradbury ordnet großzügig zu, widmet sich auch Gebäuden in Israel, Mexiko und Marokko. Neben den Häuserikonen der europäischen Migranten wie Mies van der Rohe und Richard Neutra in den USA entdecken die Leser etwa die Villa Sami Suissa in Casablanca. Gebaut hat sie Jean-François Zevaco, "die marokkanische Antwort auf Oscar Niemeyer".

Deutschland ist mit dem Kanzlerbungalow in Bonn vertreten. Der Architekt Sep Ruf sollte mit dessen unaufgeregter, fast bescheidener Eleganz der Nachkriegs-BRD zu einem progressiven Image verhelfen.

Aus Australien kommt das Butterfly House. Für den Bau mit dreieckigen Fenstern kratzte Peter McIntyre 1955, damals noch Architekturstudent, all sein Geld zusammen.

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Bradbury, Dominic

Atlas of Mid-Century Modern Houses

Verlag: Phaidon Press
Seitenzahl: 440
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06.10.2022 04.09 Uhr

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Die meisten Häuser aus dem Buch stehen noch. Der Autor verzeichnet auch ihren aktuellen Zustand, ihren Gebrauch und ob sie unter Denkmalschutz stehen. 155 Häuser befinden sich sogar noch in ihrem Originalzustand, sie wurden weder angepasst noch umgebaut. Nur 22 wurden im Laufe der Jahrzehnte abgerissen - eine erfreuliche Quote im Vergleich zu anderen, weniger beliebten Baustilen.

Es ist zweifelhaft, ob das so bleiben wird. Nicht einmal ein Fünftel aller aufgeführten Häuser steht unter Denkmalschutz. Daran kann auch ein Atlas wenig ändern. Er kann dieser Architektur aber immerhin ein Denkmal setzten.

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